# taz.de -- Umstrittene Polizei-Software: Der „Einstieg in den Ausstieg“ von Palantir
> Hessens Innenminister Poseck (CDU) zeigt sich bereit zum Ausstieg aus der
> umstrittenen Software des US-Milliardärs Peter Thiel.
(IMG) Bild: Die Überwachungssoftware Palantir ist höchst umstritten, hier wurde 2025 vor dem Bundeskanzleramt gegen deren Einsatz protestiert
Wahrscheinlich wird Palantir bei der deutschen Polizei nur noch drei bis
fünf Jahre lang benutzt, schätzte [1][Hessens CDU-Innenminister Roman
Poseck bei einer Veranstaltung] auf dem EDV-Gerichtstag in Saarbrücken.
Dann könne die US-Analyse-Software hoffentlich durch ein deutsches oder
europäisches Alternativprodukt ersetzt werden, so Poseck.
Die Software „Gotham“ der US-Firma Palantir ermöglicht den Ermittlern die
Suche nach Personen oder Zusammenhängen in bereits vorhandenen
Polizeidaten. Die Ermittler müssen nicht mehr jede Polizeidatei einzeln
aufrufen, vielmehr durchsucht [2][Gotham die Dateien automatisiert und kann
auch unsortierte Daten] wie den Inhalt beschlagnahmter Festplatten oder von
Abhör-Transkripten einbeziehen und Schlussfolgerungen ziehen.
Grundsatzkritik übte in Saarbrücken nur die Rechtsprofessorin Anne Paschke:
„Hier werden Daten zusammengeführt, die aus gutem Grund in
unterschiedlichen Dateien gespeichert werden.“ Minister Poseck
argumentierte, dass auch ein Ermittler in verschiedene Polizeidateien
schauen dürfe, was aber viel länger dauere. Die hessische Polizei sei sehr
zufrieden mit der Palantir-Software.
Hessen war 2017 das erste Bundesland, das für seine Polizei Gotham
einführte. Es folgten Bayern und NRW, zuletzt auch Baden-Württemberg. Die
meisten Bundesländer lehnen Palantir jedoch ab, auch weil
[3][Palantir-Gründer und Miteigentümer Peter Thiel ein ausgesprochener
Antidemokrat] ist und sie der Software daher nicht vertrauen. Für die
Palantir-Fans ist die ungleiche föderale Handhabung der Software ein
Problem, weil die Polizei in Bund und Ländern mit der gleichen
Analyse-Software arbeiten sollte.
„Noch ist Palantir der Konkurrenz überlegen“, stellte Minister Poseck fest,
„deshalb können wir nicht sofort aussteigen“, eine „Sicherheitslücke“ könne
er als Minister nicht verantworten. Er schätzt aber, dass die
Konkurrenzprodukte binnen „zwei bis drei Jahren“ aufgeholt haben.
Anschließend müssten Palantir und die neue Software wohl noch ein bis zwei
Jahre parallel benutzt werden.
NRW hat seinen Palantir-Vertrag jüngst zwar verlängert, aber nur noch für
ein Jahr. So könnte Hessen das auch machen, sagte Minister Poseck, „das
wäre dann der Einstieg in den Ausstieg von Palantir“.
Ein Konkurrenzprodukt wird etwa von der deutschen Schwarz-Gruppe (Lidl)
erwartet. Das Bundesamt für Verfassungsschutz will künftig mit dem
französischen Programm Chapvision arbeiten. Das polizeiinterne Projekt P20
setzt darauf, die Polizeidaten strukturierter zu speichern, sodass gar
keine Super-Software erforderlich ist, um mit Chaos umzugehen.
Das grün-schwarz-regierte Baden-Württemberg hat Palantir zwar angeschafft,
aber noch nicht eingeführt. Die Grünen, die bei der Beschaffung von der CDU
überrumpelt wurden, setzten anschließend viele Sonderanforderungen durch.
„In Baden-Württemberg soll nicht in den polizeilich gespeicherten Daten von
Zeugen und Opfern gesucht werden“, erläuterte in Saarbrücken Thomas
Hentschel, der justizpolitische Sprecher der Grünen im Landtag. Durchsucht
werden sollen nur Daten von Tätern, Verdächtigen und Gefährdern. Außerdem
sollen Daten aus Onlinedurchsuchungen und aus der Wohnraumüberwachung
(„Großer Lauschangriff“) für die Palantir-Software nicht zugänglich sein.
„In den anderen Bundesländern wird die Entwicklung in Baden-Württemberg
aufmerksam beobachtet“, sagte Hessens Innenminister. Wie effizient wird
Palantir mit den von den Grünen durchgesetzten Einschränkungen noch sein?
Oder anders gefragt: Ist ein grün-beschränktes Palantir vielleicht doch
wieder eine Option?
Auch der Informatiker Jörn Erbguth glaubt noch nicht an das Ende von
Palantir in Deutschland: „Wenn die Konkurrenten zwei bis drei Jahre
aufholen, wird Palantir in der gleichen Zeit wohl auch besser werden“,
prognostizierte er in Saarbrücken. Dann würde Hessens Innenminister Poseck
wohl wieder behaupten, dass ein Palantir-Ausstieg doch unmöglich ist, weil
er zu einer Sicherheitslücke führe.
24 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
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