# taz.de -- „Thiel shall not pass“: Queere Gandalfs gegen Thiel-Springer-Geschmuse
> Gegen die Preisverleihung von Peter Thiel durch den Springer-Verlag sind
> am Donnerstag Proteste angekündigt – wissenschaftlich und kreativ.
(IMG) Bild: Aktivist*innen von „Thiel shall not pass“ demonstrieren im August 2026 gegen Peter Thiel
Für seinen „unvergleichlichen Beitrag für die Resilienz der Demokratie“
wird der paläolibertäre Tech-Unternehmer Peter Thiel am Donnerstag [1][mit
dem Axel-Springer-Preis ausgezeichnet]. Der Verlag lobt den Milliardär als
„Nonkonformisten“. Diese Einschätzung von Mathias Döpfners Verlag steht im
ironischen Kontrast dazu, wie Thiel sich seit Beginn des Jahrhunderts für
die Abschaffung der Demokratie einsetzt. Er arbeitet eng mit rechten und
autokratischen Politikern zusammen, etwa in den USA mit Außenminister Marco
Rubio und Vizepräsident J. D. Vance.
Gegen die Verleihung wird zu Protesten vor dem Springer-Haus am Donnerstag
aufgerufen. Unter dem Motto „Thiel shall not pass“ organisieren
Aktivist*innen aus dem Umfeld vom Berliner Chaos Computer Club (CCC)
kreativen Protest.
## Warum liebt Thiel „Herr der Ringe“?
Für den Nachmittag wurde ein „Teach-in“ vor dem Springer-Haus angemeldet.
„Ein Sit-in mit wissenschaftlichem Input“, erklärt der Initiator
Christopher Coenen. Der Politologe arbeitet am Karlsruher Institut für
Technologie (KIT) und beobachtet kritisch den Einsatz von Palantir in
Baden-Württemberg: Dort habe die Grünen-Basis mit über 90 Prozent gegen den
Einsatz von Palantir gestimmt, berichtet er. Auf Bundesebene ist bisher nur
die Linke die kritische Gegenstimme bei KI-Gesetzgebung und gegen den
Einsatz von Palantir bei Polizei und Verfassungsschutz.
Beim Teach-in sprechen Wissenschaftler*innen aus Informatik und
Politikwissenschaft. Enno Park beschäftige sich mit Peter Thiels Obsession
für die Welten von J. R. R. Tolkiens „Herr der Ringe“. Das zeigt sich laut
Coenen nicht nur in der Benennung der Produkte – Begriffe wie „Palantir“
und „Andúril“ stammen aus der Tolkien-Welt – sondern auch in der
Tiefenschicht, so Coenen.
Thiel behaupte etwa, die Bösewichte aus Tolkiens Fantasy-Reihe, Saruman und
Sauron, würden missverstanden werden, so Coenen. Darin sieht er den
Ursprung für die transhumanistische Ideologie und auch zu Thiels
[2][Selbstwahrnehmung als „Antichristen]“.
## Queere Gandalfs wie in Argentinien
Eine Kundgebung aus queeren Gandalfs soll abends vor dem Springer-Haus
zusammenkommen. Die Initiator*innen rufen auf, sich als queere Gandalfs
zu verkleiden. Damit werde auch Thiels Kampf gegen queere Lebensrealitäten
adressiert, so Sprecher Ludwig Grosser. Er hofft auf 1.000
Teilnehmer*innen vor dem Springer-Haus. Zumindest war das der Plan:
Eine Pressesprecherin sagte der taz, die Polizei habe den Ort der
Kundgebung alleine am Mittwoch dreimal verschoben. Grund: „Peter Thiel will
davor sein Auto parkieren.“
Ludwig Grosser pflege ein Netzwerk zu ähnlichen Protesten in Skandinavien
und Neuseeland. Die Aktion am Donnerstag ist inspiriert vom Protest „Thiel
shall not pass“ diesen Juni in Argentinien, so Grosser. Dort kooperiert
[3][Thiel mit dem Präsidenten Javier Milei], der sich dem
Anarchokapitalismus zuordnet. Diesen Sommer bezog Thiel seinen
[4][dauerhaften Wohnsitz] im Botschaftsviertel von Buenos Aires, berichtete
der Spiegel.
## Früher Big Tech, heute gegen Thiel
Eslem Demirel arbeitete früher selbst in einer „Big Tech“-Firma. Heute
organisiert sie Proteste gegen Palantir. Ihr Anliegen ist,
Mitarbeiter*innen in der Tech-Branche über ihre Rechte aufzuklären.
Bei Big Techs wie Google, Meta und Amazon unterschreibe man zwar einen
„Code of Conduct“, um den Zweck der Softwares mitzubestimmen, die sie
selbst schreiben. Trotzdem würden Softwares zu Kriegszwecken benutzt.
Demirel ist Teil der israelkritischen Kampagne „No Tech for Apartheid“, die
das „Project Nimbus“ zwischen Google, Amazon und Israel bekämpft. Die
Kampagne kläre Mitarbeiter*innen darüber auf, wie sie von ihrem Recht
Gebrauch machen, über den militärischen Einsatz der von ihnen geschriebenen
Software mitzubestimmen.
Laut Eslem Derimel dominiert ein Narrativ: „Die Maschine ist gefährlich,
also brauchen wir mehr Geld, um sicherzugehen, dass kein Schaden entsteht.“
Für Demirel sei es aber vielmehr eine Entscheidung des Designs, „ob eine KI
ins Internet gestellt wird oder als Waffe eingesetzt wird“. Sie vergleicht
es mit einem Brotmesser: Die Designerin entwirft es als Küchengerät, aber
ob es als Mordwaffe benutzt wird, entscheiden andere.
23 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Adam Schwedhelm
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