# taz.de -- Entwicklung von Robotern: Die gute Fee, gefüllt mit Helium
> Forscher:innen haben eine neue Art von fliegendem Roboter entwickelt.
> Der Ballon soll Begleiter sein. Das sagt auch etwas über unsere
> Gesellschaft.
(IMG) Bild: Der fliegende Roboter in einem Video der Forscher:innen
Tinkerbell ist da. Die Fee aus der Märchengeschichte Peter Pan lebt in
einem Labor in Japan – oder zumindest das Feenähnlichste, was Menschen mit
ihren begrenzten Mitteln halt so kreieren können. Und wer sich Tinkerbell
vielleicht in Lila vorgestellt hat oder, analog zur Disney-Verfilmung, sehr
blond mit sehr großen Augen – nein, diese hier ist anders. Stellen Sie sich
einen Wal vor. Nur einen kleinen, etwas größer als ein Kopfkissen. Jetzt
bitte die Farbe auf Weiß ändern, das Material auf sehr dünnen Kunststoff
und die Seitenflossen eher als Flügel verstehen, mit denen das Objekt dann
wackelt und steuert beim Fliegen. Natürlich muss es fliegen, oder haben Sie
schon mal eine nichtflugfähige Fee gesehen? Eben.
Das Ding gibt es wirklich, jedenfalls als Prototyp, und die
[1][Forscher:innen] machen den Feen-Vergleich selbst. Getauft haben sie
es aber „Floating Companion“, übersetzt „schwebender Begleiter“. Das
Schweben muss man sich tatsächlich in etwa so vorstellen wie die Bewegung
eines Gasluftballons bei etwas Luftbewegung. Ist auch folgerichtig,
schließlich ist Helium drin und die wackelnden Flügelflossen erlauben
richtungsgezieltes Fliegen. Damit lösen die Forscher:innen sehr clever
das Fortbewegungsproblem, das Roboter sonst häufig haben. Laufen auf zwei
Beinen? Echt kompliziert und fehleranfällig, und [2][bremsen geht mal so
gar nicht]. Gleiten wie ein Staubsaugerroboter? Schöne Grüße an Nutzende,
die Stufen in der Wohnung haben. Fliegen ist in Innenräumen erstaunlich gut
und leise machbar – jede Drohne kann sich hier etwas abgucken.
In einem Video demonstrieren die Forscher:innen, wie das Gerät Menschen im
Alltag begleiten und ihnen helfen könnte: Morgens mit einem sanften Stups
wecken. Bei der Arbeit oder beim Computerspielen auf dem gleichen Weg an
Pausen erinnern. Beim Lesen eines Buches als Buchstütze auf dem Schoß
niederlassen. In Wartezeiten durch Bewegungen für spielerische Ablenkung
sorgen. Und traut sich bei einer Party niemand, zu tanzen, fängt der Wal
an, in der Luft rumzuzappeln.
Was auffällt: Viele Einsatzzwecke sind soziale Situationen, in denen andere
Menschen die gleiche Rolle übernehmen könnten, wenn sie denn da und in der
Lage dazu und aufmerksam wären. Der Tinkerbell-Wal ließe sich also als
gesellschaftspessimistisches Anerkennen einer zunehmenden Vereinzelung
anprangern.
Wahrscheinlich ist das richtig. Vielleicht gibt es aber trotzdem Orte und
Situationen, in denen so ein Gerät genau das Richtige sein kann. In denen
es Menschen ein selbstbestimmteres Leben alleine ermöglichen könnte, ohne
oder mit weniger Einsamkeitsgefühl. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt,
vermutlich. Und Geistesgegenwart: Bevor die Wohnung mal richtig gut
durchlüftet wird, sollte man das Gerät sicher verankern.
25 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://dl.acm.org/doi/10.1145/3800645.3813051
(DIR) [2] /World-Humanoid-Robot-Games/!6206685
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
## TAGS
(DIR) Kolumne Digitalozän
(DIR) Technologie
(DIR) Roboter
(DIR) Forschung
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