# taz.de -- „Naza“ sorgt für Aufruhr: Morddrohungen und rechte Hetze
       
       > Der Dokumentarfilm „Naza“ sorgt für Aufregung in Israel. Vor dem
       > Elternhaus einer der Regisseur:innen versammeln sich rechtsradikale
       > Aktivisten.
       
 (IMG) Bild: Rechter Protest am Mittwochabend gegen die Dokumentation „Naza“ vor dem Elternhaus einer Regisseurin
       
       Die Menschenmenge klatscht und johlt, als der Star der Veranstaltung seinen
       Auftritt hinlegt. „Mordechai David! Mordechai David“, schreien Teenager und
       erwachsene Männer, als wäre dies ein Rockkonzert unter freiem Himmel.
       Frauen neigen sich dem jungen Mann entgegen, schießen ein Selfie. Doch
       David, schwarze Baseballkappe und breites Grinsen, ist kein Popsänger.
       Sondern ein rechtsradikaler Aktivist, den der israelische Geheimdienst Shin
       Bet bereits zweimal aufgesucht hat, um sich zu vergewissern, ob er
       gefährlich sei. Das hat David der Zeitung Ha’aretz im vergangenen Jahr
       bestätigt. Er hat mehrere einstweilige Verfügungen und eine Verurteilung
       wegen versuchter Brandstiftung hinter sich.
       
       David steht an diesem schwülen Mittwochabend vor der kleinen Villa von
       Rachel Szors Eltern, in einer wohlhabenden Gemeinde außerhalb Tel Avivs.
       Mit ihm sind rechte Influencer, Aktivist:innen und empörte
       Bürger:innen gekommen. Ihre Wut gilt dem [1][Dokumentarfilm „Naza“], den
       Rachel Szor und Yuval Abraham gedreht haben. Darin schildern zwei Dutzend
       israelische Soldat:innen und Geheimdienstler, wie hoch die Toleranz bei
       menschlichen Kollateralschäden in Gaza sei. Sprich: bei zivilen Opfern. Und
       wie wenig Sorgen sich die Armee darüber mache, wie einkalkuliert das Töten
       von Zivilist:innen in der KI-unterstützten Kriegsführung sei.
       Schätzungen zufolge starben rund 73.000 Menschen in Gaza, mindestens die
       Hälfte davon sind Kinder, Frauen und ältere Personen.
       
       Bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig hat der Film für
       Aufsehen gesorgt. Und zu Hause in Israel für Morddrohungen. „Tod den
       Verrätern!“, schreit eine Frau vor der Villa, nicht weit entfernt von zwei
       Mädchen im Grundschulalter. „Es sind alles Lügen, wir kennen unsere Armee“,
       sagt eine andere, elegant angezogene Frau. „Unser Militär hat Moral, ich
       weiß, dass alles falsch ist“, fügt ein 50-jähriger Mann hinzu, der eine
       israelische Flagge schwenkt. „Mein Sohn dient.“
       
       ## Vorwürfe sind nicht neu
       
       In den sozialen Netzwerken wurde zu diesem Protest aufgerufen, etwa 40 bis
       50 Menschen haben sich versammelt. Einige haben Kinder, andere ihre Pudel
       und Dackel dabei. Einer ist vom Strand direkt hierhergefahren, hat die
       Badehose abgestreift und die israelische Fahne hochgehievt. Gesehen hat den
       Film hier keiner, aber das ist eher zweitrangig. Sie schreien gegen etwas,
       das niemand unter ihnen angeschaut hat, doch alle zu kennen glauben.
       
       Auch unter konservativen Politikern hat die Dokumentation Aufruhr
       verursacht. Kulturminister [2][Miki Zohar kündigte an, den beiden
       Filmschaffenden die Staatsbürgerschaft entziehen zu wollen.]
       Premierminister Benjamin Netanjahu will ein entsprechendes Gesetz auf den
       Weg bringen für Israelis, die die Armee diffamieren, und nannte die
       Dokumentation „schockierende Hetze“. Das Militär bestreitet jede
       Anschuldigung.
       
       Die Vorwürfe sind nicht neu. Das israelische Medium +972 Magazine hatte
       bereits 2024 über hohe zivile Opferzahlen und mangelnde Verantwortung durch
       KI-gestützte Militärsysteme geschrieben. Der Film hat jetzt jedoch viel
       mehr Aufmerksamkeit bekommen. Und Israel befindet sich mitten im Wahlkampf,
       denn am 27. Oktober soll gewählt werden.
       
       Aktivist David tritt fast bescheiden in die Mitte des Kreises und nimmt den
       Lautsprecher in die Hand, um ihn herum drehen Influencer Selfievideos. Ein
       Kameramann, der beschuldigt wird, für linke Medien zu arbeiten, wird
       umzingelt und weggejagt. „Unser Militär ist das Wichtigste“, schreien die
       Demonstrant:innen.
       
       Durch die Frauen und Männer, die Fahnen von verschiedenen
       Militärabteilungen schwenken, schlendert unauffällig ein Nachbar der
       Familie. Er selbst sei beim Militär, sagt er, und wisse, dass man versuche,
       so wenig Schlechtes wie möglich zu tun. Den Film habe er aber nicht
       gesehen, also könne er sich nicht dazu äußern. Den Protest sieht er
       kritisch. „Wir haben Wahlen. Es ist alles für die Wahlen. Jemand versucht,
       mehr Extremisten aufzuwühlen. Das hat nichts mit den Filmemachern zu tun.“
       
       17 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Serena Bilanceri
       
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