# taz.de -- Gericht entscheidet: Kubitschek-Tochter darf nicht in den Schuldienst
       
       > Die Tochter eines der bekanntesten Rechtsextremen darf laut
       > Oberverwaltungsgericht nicht Lehrerin werden. Sie ist seit Jahren selbst
       > in der Szene aktiv.
       
 (IMG) Bild: Alruna H., Tochter von Verlagschef Götz Kubitschek, im Jahr 2018 auf der Leipziger Buchmesse
       
       „Wer schreit, hat Unrecht“ steht auf dem Schild. Mit beiden Händen hält die
       junge Frau die vermeintlich demokratische Botschaft über den Kopf. Ganz in
       Schwarz ist sie an diesem Tag auf der Leipziger Buchmesse gekleidet. Sie
       schaut energisch, die langen Haare sind zum Zopf gebunden. Am Stand des
       Antaios-Verlags hat sie sich positioniert.
       
       Sie gehört aber nicht zu den Kritiker*innen des rechtsextremen
       Verlages. Die Szene stammt aus dem Frühjahr 2018: Damals solidarisierte
       sich die Tochter von Verlagschef Götz Kubitschek gemeinsam mit weiteren
       Mitstreitenden aus der Identitären Bewegung mit Antaios. Sie blieb der
       Szene treu. [1][Das sächsische Oberverwaltungsgericht entschied nun: Alruna
       H. darf keine Lehrerin werden.]
       
       Wer an jenen Tagen in Leipzig Alruna H. erlebte, wusste: Die spätere
       Lehramtsstudentin ist nicht bloß Kubitscheks Tochter. Sie gilt unter den
       Geschwistern als besonders meinungsstark. Schon 2017 stand sie in Berlin in
       der ersten Reihe einer aggressiven Demonstration der Identitären Bewegung,
       die der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft. In
       einem Interview bekannte sich die junge Frau im geblümten Kleid trotzig
       dazu, „für Deutschland zu kämpfen“, und warnte vor dem „großen Austausch“,
       einer rechten Verschwörungserzählung.
       
       ## Hinweis vom Verfassungsschutz
       
       Im August dieses Jahres wollte Alruna H. ihr Referendariat am Gymnasium
       Dresden-Cotta beginnen. Eltern an der Schule soll der Name aufgefallen
       sein. Das Landesamt für Schule und Bildung wurde eingeschaltet und
       überprüfte, ob Verstöße gegen die Pflicht zur Verfassungstreue vorliegen.
       Vom Landesamt für Verfassungsschutz kam der Hinweis, dass die Bewerberin
       von 2022 bis 2025 an Veranstaltungen des rechtsextremen Instituts für
       Staatspolitik (IfS) teilnahm. Das IfS, das Kubitschek mitgegründet hatte,
       wurde 2024 offiziell aufgelöst, nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz
       die Denkfabrik 2023 als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft hatte.
       
       Die bereits erteilte Zulassung zum Referendariat wurde zurückgezogen.
       Alruna H. zog per Eilantrag vor das Verwaltungsgericht Dresden und
       anschließend vor das Oberverwaltungsgericht in Bautzen. Die Anwesenheit bei
       den IfS-Veranstaltungen begründete sie mit familiären Verbindungen. Die
       Gerichte folgten der Argumentation nicht. Das Oberverwaltungsgericht
       stellte vielmehr fest, dass Lehrkräfte ein Mindestmaß an Verfassungstreue
       nachweisen müssten. Bei Alruna H. sei das zweifelhaft. Ein Referendariat
       darf sie nicht absolvieren; damit kann sie auch weder als Beamtin noch als
       Angestellte im Schuldienst tätig werden.
       
       ## Nachwuchsarbeit im völkischen Milieu
       
       Die Erziehung von Kindern war Alruna H. früh wichtig. Sie bemühte sich bei
       der völkischen Kaderschmiede, dem „Freibund“, ehemals „Bund Heimattreuer
       Jugend“ (BHJ), um den Nachwuchs aus der Szene. An der Spitze des
       Vorläuferbundes BHJ stand früher Gernot Mörig, der 2023 das Potsdamer
       Treffen organisierte.
       
       2018 begrüßte sie Kinder und Jugendliche zu einer Fahrt auf die
       niederländische Insel Ameland am Busbahnhof in Hannover. Der Freibund
       arbeitet eigenen Angaben zufolge an einer homogenen „Volksgemeinschaft“,
       Gender-Mainstreaming gilt als „politische Geschlechtseinebnung durch den
       Staat“.
       
       Nebenher fehlte Alruna H. kaum bei größeren Aktionen der Identitären, etwa
       in Halle, oder trug in Berlin deren Fronttransparent mit der Aufschrift
       „Europa. Jugend. Reconquista“ mit. Einen völkischen Maitanz im Haus des
       antisemitischen „Bundes für Gotterkenntnis“ (Ludendorff) besuchte sie 2017
       mit ihrem späteren Mann.
       
       2024 kam das Paar samt Kleinkind zu einem neonazistischen Brauchtumsfest in
       Cossen bei Chemnitz. Ihr Mann stammt ebenfalls aus einer Familie, die eng
       mit dieser Szene verbunden ist. Dessen Vater war Mitglied der verbotenen
       „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft“. Im Juli war er als
       Arzt beim Kampfsportevent „Jugend im Sturm“ der militanten Kleinstpartei
       „III. Weg“ in Hilchenbach im Einsatz. Die Ablehnung des Eilantrags von
       Alruna H. durch das Oberverwaltungsgericht kann nicht angefochten werden.
       
       23 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1100091?version=1
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
 (DIR) Andrea Röpke
       
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