# taz.de -- EU schränkt Abfallexporte weiter ein: Niemand darf den Müll rausbringen
       
       > Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, Abfallexporte weiter einzuschränken.
       > Besonders betroffen sind Exporteure von Kunststoff und Schrott.
       
 (IMG) Bild: Wie hier im Hafen von Gent soll Stahlschrott nicht wie jetzt aus der EU exportiert werden
       
       Die [1][Europäische Kommission] will den Export von Abfällen weiter
       einschränken. In Länder, die nicht der Organisation für wirtschaftliche
       Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehören, sollen ab dem 21. Mai 2027
       nur noch dann Abfälle zur Verwertung – also etwa Kupferschrott oder
       Kunststoffpellets – geliefert werden dürfen, wenn diese ausdrücklich darum
       bitten. Zudem müssen sie nachweisen, dass sie über entsprechend sichere
       Anlagen zur nachhaltigen Entsorgung verfügen.
       
       Bislang stehen nur wenige Länder auf der entsprechenden Liste, etwa
       Moldawien oder Montenegro. Die großen Abnehmer, etwa Indien, die Türkei,
       China und südostasiatische Staaten wie Malaysia oder Indonesien sind nicht
       darauf. Gerade dorthin werden aber laut Zollstatistik die größten Mengen an
       Stahl-/Alu- und Kupferschrotten exportiert.
       
       Mit ihrer Beschränkung wolle die EU „sicherstellen, dass Abfälle aus der EU
       weder die Umwelt noch die menschliche Gesundheit in anderen Ländern
       beeinträchtigen“, teilte eine Sprecherin der Kommission mit. Sie verweist
       darauf, dass Metallschrotte zum Teil mit giftigen und nicht abbaubaren
       Schwermetallen verschmutzt seien. „Daher gelten auf EU-Ebene strenge
       Vorschriften für die Entsorgung solcher Abfälle“, so die EU-Kommission.
       Weil man nicht den eigenen Vorgarten sauber halten und den Schmutz auf die
       Straße kehren möchte, soll das Exportverbot greifen.
       
       Der [2][Branchenverband für Stahl- und Metallrecycling, die Circular Metal
       Association (CMA)], hält das Umweltargument für vorgeschoben. Er wirft der
       Kommission vor, Industriepolitik mit den Mitteln des Umweltrechts zu
       betreiben. Ursprünglich sollte ein Exportzoll den Abfluss von
       Aluminiumschrott bremsen. Anfang September legte Brüssel den Plan auf Eis.
       Offiziell, weil sich dieses Ziel auch über die Abfallverbringungsverordnung
       erreichen lasse – mit einem Ausfuhrverbot in fast alle Länder außerhalb der
       OECD, darunter wichtige Abnehmer wie Indien.
       
       ## Branchenverband gegen Exportverbot
       
       Bei der CMA kommt das schlecht an. „Das Abfallrecht ist kein
       Handelsinstrument“, sagt Verbandssprecher Stephan Wacker. „Produzenten und
       Recycler wollen dasselbe – eine starke Metallindustrie in Europa. Die
       Kommission erreicht das nicht, indem sie Märkte schließt.“ Ein Exportverbot
       halte den Schrott zwar in Europa. Einen Käufer dafür schaffe es nicht.
       Schließlich gingen diese Mengen gerade deshalb in den Export, weil sie in
       Europa niemand abnehme.
       
       Hält Brüssel diese Mengen trotzdem in Europa fest, treffe das zuerst die
       Recycler. Ohne ihre wichtigsten Abnehmerländer bleibe ihnen vor allem der
       Verkauf in der EU – und dort nur zu niedrigeren Preisen. Leiden würde
       darunter ausgerechnet [3][die Kreislaufwirtschaft], warnt Wacker, und zwar
       gleich bei der Sammlung. Denn ob sich das Erfassen von Altmetall lohnt,
       entscheide am Ende der Preis. Sinke er, werde weniger gesammelt. Zugleich
       fehle den meist mittelständischen Betrieben das Geld, um in Sortier- und
       Aufbereitungstechnik zu investieren.
       
       Wegen der großen Unruhe in der Branche hatte die Deutsche Rohstoffagentur
       Dera in der Bundesanstalt für Geowissenschaften schon im Frühjahr zu einem
       Workshop zum Thema „Exportbeschränkungen von Metallschrotten“ eingeladen.
       Eine wichtige Erkenntnis betrifft die Datengrundlage: Die Handelsstatistik
       unterscheidet Schrotte anhand der Zolltarifnummern. Welche Qualitäten
       exportiert werden, lässt sich daraus nicht ableiten. Eine feinere
       Aufschlüsselung, etwa durch eine Überarbeitung der Zollcodes, wurde auf dem
       Workshop als Voraussetzung für faktenbasierte Aussagen genannt.
       
       ## Schrott nicht als Abfall behandeln
       
       Was die Handelsstatistiken aber belegen: Die EU führt mehr der wichtigen
       Metallschrotte aus Eisen/Stahl, Kupfer und Aluminium aus, als ein.
       Bedeutende Abnehmermärkte sind Indien und China, Thailand und die Türkei.
       Einzig die Schrotte des Industriemetalls Wolfram weisen einen leichten
       Importüberschuss aus. Die Datenlage zeigt, dass der innereuropäische Handel
       bei allen Metallschrottfraktionen dominiert, also die meisten Schrotte in
       Europa gehandelt werden.
       
       „Die EU-Kommission betont seit Jahren in Strategiepapieren und Richtlinien
       die Bedeutung der Rohstoffsicherung“, sagt Kilian Schwaiger,
       Geschäftsführer der Metallum Metal Trading GmbH, einem großen Metallhändler
       und Recycler. „Natürlich betreibt die EU hier Industriepolitik“, sagt
       Schwaiger, „das ist grundsätzlich ja auch sinnvoll.“ Immerhin betreiben
       auch China und die USA eine starke Industriepolitik. Europa steht mit ihnen
       im Wettbewerb, auch um den Zugang zu Rohstoffen. Auch deshalb sollte die EU
       Schrott nicht weiter als Abfall behandeln, fordert Schwaiger.
       
       Eine Tonne Kupferschrott erziele derzeit einen Marktpreis von über 11.000
       Euro, sagt Schwaiger, „ein 20-Tonner voll Kupferschrott liefert der
       Industrie also Rohstoffe im Wert von über 220.000 Euro. Für solche
       Rohstofftransporte gehört das Abfallschild mit dem großen A in die Tonne.“
       Wichtig sei, den EU-Binnenmarkt weiter zu liberalisieren und
       Handelshemmnisse abzubauen. Der für den 11. November geplante Circular
       Economy Act biete eine gute Gelegenheit, so der Geschäftsführer. Zugleich
       müsse Europa seine industrielle Basis stärken und Verarbeitungskapazitäten
       für unterschiedliche Schrottqualitäten sichern und ausbauen.
       
       Dies erfordert einen langen Atem für Gesetzgeber und Unternehmen. Die
       Frist, den Entwurf des „delegierten Rechtsakts“ der EU-Kommission zu
       kommentieren, mit dem diese ihr Exportverbot durchsetzen möchte, läuft noch
       bis Mitte Oktober.
       
       13 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /EU-Kommission/!t5008068
 (DIR) [2] https://www.bdsv.org/unser-service/presse/news-pm-neue-kraft-fuer-das-stahl-und-metallrecycling-bdsv-und-vdm-vollziehen-verschmelzung-zur-circul/
 (DIR) [3] /Umfrage-unter-Firmen/!6183720
       
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 (DIR) Heike Holdinghausen
       
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