# taz.de -- Wasserskandal in Kroatien: Das Gift, der Müll, der Beef und der Boden
       
       > Unter dem Motto „Lauf für die Lika. Lauf für Kroatien“ wird gegen die
       > Regierung demonstriert. Auch unter Promis sorgt das für
       > Schlammschlachten.
       
 (IMG) Bild: Ein Teil der 37.000 Tonnen giftigen Mülls auf einer verlassenen Industrieanlage bei Gospić
       
       Aus der Lika kommen eigentlich nur die Besten: Erfinder (Nikola Tesla),
       Touristenhotspots (Plitvicer Seen), Kartoffeln (Lički krumpir). Aktuell
       aber stehen rund um die Städte Gospić und Senj [1][Hunderte Säcke mit
       toxischem Müll].
       
       Unter dem Motto „Lauf für die Lika. Lauf für Kroatien“ wird es an diesem
       Samstag, dem 5. September, in Zagreb zur wahrscheinlich größten
       regierungskritischen Demonstration in der kroatischen Geschichte seit 1991
       kommen. „Den Verrat an der Lika wird man euch nie verzeihen“ ist einer der
       Slogans. Es ist der Appell an die Politik, die Sorgen der Bürger in der
       Lika ernst zu nehmen und sie nicht wie Müll zu behandeln.
       
       Auslöser der großen Sorgen war die Feststellung unabhängiger Institute,
       dass im Grund- und Trinkwasser der Lika PFAS, sogenannte
       Ewigkeitschemikalien, nachgewiesen worden seien. Die kroatische
       Gesundheitsbehörde hingegen reagiert mit: Pffffff, wir sind die Experten.
       Das Trinkwasser ist astrein.
       
       Die Lika ist eine weitgehend verkarstete Ackerfläche. Bis 1991 bearbeiteten
       dort lebende Kroaten und Serben gemeinsam die Erde. Dann vertrieben die
       einen die anderen und dann umgekehrt, mit dem Ergebnis, dass die Lika heute
       relativ leer ist. Nach dem Unabhängigkeitskrieg kamen nur wenige Leute
       hierher zurück. Nun, wenn der Mensch nicht will, dann können wir hier ja
       auch einfach Schrott abladen, dachte sich mutmaßlich die hier
       traditionsreiche Mischung aus korrupten Politiker*innen und windigen
       Geschäftsleuten.
       
       ## 200 Promis
       
       Premier Plenković steht natürlich hinter seiner Gesundheitsbehörde (oder
       die vor ihm) und informierte, dass sich die Regierung um alles gut kümmere.
       Während unabhängige Expert*innen vor krebserregenden Folgen des
       verunreinigten Trinkwassers warnen, hält der Premier aber nicht nur die
       Demo am Samstag, sondern gleich die ganze Aufregung für völlig übertrieben:
       Die Lika sterbe? Quatsch. Niemand sei gestorben, „niemandem ist irgendwas
       passiert“.
       
       200 Promis aus Kunst, Kultur und Wissenschaft, darunter der international
       berühmte Schauspieler Rade Šerbedžija, unterstützen den Demo-Aufruf. Weil
       die Politik den größten Giftmüllskandal in Kroatien kleinredet, ist das
       Thema zu einer Schlammschlacht unter Gesellschaftspromis geworden. Die
       höchsten Wellen schlagen [2][Popsängerin Severina] und der Ex-Fußballer
       Igor Štimac.
       
       Severina hatte sich in ihrem Unterstützungsaufruf explizit an die
       Nationalfußballer gewandt. Diejenigen, die „Kroatien“ immer stolz auf der
       Brust tragen, sollten zeigen, dass sie sich für ihre Heimat nicht nur dann
       einsetzen, wenn sie mit ihr Geschäfte machen können. Štimac entgegnete, die
       Sängerin solle besser beim Singen bleiben, mit Püppchen spielen, sich nicht
       einmischen in Dinge, von denen sie keine Ahnung habe, und beschimpfte sie
       unkroatisch, jugoslawisch, sozialistisch.
       
       Severina konterte, Štimac’ Vater sei in der kommunistischen Partei gewesen,
       nicht ihrer. Sein Vater sei Chef der Elektrizitätswerke gewesen, ihrer dort
       nur Fabrikarbeiter. Štimac widersprach. Als sein Vater 1959 vom einfachen
       Arbeiter zum Leiter berufen wurde, sei er nicht Parteimitglied gewesen.
       
       Der Gift-und-Galle-Beef zwischen Star und Star ist einerseits der
       kroatische Way of Aufarbeitung der Geschichte. Der politische Boxkampf in
       der öffentlichen Arena stellt gleichzeitig unter Beweis, dass der
       Patriotismus unter der Schachbrettfahne heute weniger denn je von der
       konservativen Partei von Staatsgründer Tuđman (HDZ) repräsentiert wird.
       
       Einst standen Štimac und Severina Seite an Seite unter der
       Schachbrettfahne. Als die kroatischen Fußballer 1998 mit der
       WM-Bronzemedaille in die Heimat zurückkehrten, [3][sang keine andere als
       Severina] zum Empfang in Zagreb. Rechts und links zu ihrer Seite: Davor
       Šuker und Igor Štimac.
       
       5 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hitze-in-Kroatien/!6204131
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=9-WLDKlSF60
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=4DU3X48fMnI
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Doris Akrap
       
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