# taz.de -- Peter Thiel in Berlin: Business, um die Welt umzubauen
       
       > Der wohl mächtigste und extrem rechte Tech-CEO kommt nach Berlin, um den
       > Axel-Springer-Award entgegenzunehmen. In Berlin investiert Thiel in
       > Drohnen-Start-ups.
       
 (IMG) Bild: Protest gegen die Preisverleihung für Peter Thiel: Aktivisten vor dem Axel-Springer-Haus am Mittwoch
       
       Rechtslibertärer Tech-Milliardär, Trump-Supporter, Gründer der
       Überwachungssoftware Palantir und schlimmster aller US-Tech-Bros –
       Möglichkeiten, Peter Thiel mit wenigen Worten zu beschreiben, gibt es
       viele. Am Donnerstag kommt noch eine weitere hinzu:
       Axel-Springer-Preis-Träger. Der Unternehmer erscheint in Berlin, um den
       undotierten Preis des gleichnamigen Medienhauses entgegenzunehmen.
       
       „Peter Thiel gehört zu den seltenen Unternehmern, die nicht nur Unternehmen
       gründen oder finanzieren, sondern die Richtung technologischer Entwicklung
       mitbestimmen“, begründet Mathias Döpfner, der
       Axel-Springer-Vorstandsvorsitzende, die Entscheidung in einer
       Pressemitteilung des Unternehmens. Vor allem als Mitbegründer des
       KI-Überwachungsunternehmens Palantir hätte Thiel eines der „für die
       Resilienz von Demokratien wichtigsten Unternehmen unserer Zeit“ geschaffen.
       
       Vor allem der letztere Teil mag vor dem Hintergrund der offen
       antidemokratischen Haltung Thiels abstrus klingen. Der Tech-Milliardär
       schrieb schon 2009 in einem Manifest, dass er Freiheit und Demokratie für
       „inkompatibel“ halte. Thiel vertritt einen radikalen Anarchokapitalismus,
       eine Welt, in der Staaten kaum noch eine Rolle spielen und Gesellschaft nur
       von Unternehmen und Märkten gesteuert werden. Der Investor ist
       ausgesprochener Unterstützer Trumps und vertritt
       christliche-fundamentalistische Ansichten.
       
       Wenig überraschend, ist der Besuch Thiels ein rotes Tuch für die Berliner
       Zivilgesellschaft. „Thiel ist das größte und gefährlichste Arschloch der
       Welt“, sagt Ludwig Grosser der taz. Der Tech-Aktivist organisiert eine
       Protestkundgebung vor dem Axel-Springer-Haus am Donnerstag, „sein
       strategisches Ziel ist es, die weiße Vorherrschaft auf den Planeten
       wiederherzustellen“, erklärt Grosser. Dafür Suche er Verbündeten in Berlin,
       unter anderem Springer und die AfD.
       
       ## Berlin hat den Einsatz von Palantir abgelehnt
       
       Größter Kritikpunkt der Aktivist:innen ist Thiels Unternehmen Palantir.
       Die KI-Analyse und Überwachungssoftware wird bereits weltweit von
       Polizeibehörden zur Strafverfolgung eingesetzt. Auch in Deutschland nutzen
       bereits Bayern, NRW, Hessen und Baden-Württemberg Software des
       Unternehmens. Berlin hat den Einsatz abgelehnt.
       
       Palantirs Software ermöglicht unter anderem „predictive policing“, kann
       also potenziell gefährliche Personen frühzeitig identifizieren. Was in
       Deutschland als Sicherheitsgewinn verkauft wird, eröffnet endlose
       Möglichkeiten für Überwachung und Repression. In den USA nutzt bereits die
       Immigrationsbehörde ICE die Software, um Abschiebungen durchzuführen. „Es
       ist Unsinn, wenn eine offen faschistische Person so eine Software
       entwickelt und sie als demokratietauglich darstellt“, sagt Grosser.
       
       Blickt man auf die bisherigen Preisträger:innen, scheint der Award nur
       dafür erfunden worden sein, um Tech-CEOs zu dekorieren. Erster Preisträger
       2016 war Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, es folgten Amazon-Gründer Jeff
       Bezos 2018, Tesla-CEO und AfD-Fan Elon Musk 2020, und im vergangenen Jahr
       nahm OpenAI-CEO Sam Altman den Preis entgegen.
       
       „Ich glaube, Döpfner wäre am liebsten kein Medien-CEO, er wäre gerne ein
       Tech-CEO“, sagte einmal der Wirtschaftsjournalist Alexander Fanta [1][in
       einem Beitrag des Bayrischen Rundfunks.]
       
       ## Geschäftliche Verbindungen zu Peter Thiel
       
       Auffällig ist, dass Mathias Döpfners Sohn Moritz Döpfner zahlreiche
       geschäftliche Verbindungen zu Peter Thiel pflegt. Laut [2][einem Bericht
       des Wirtschaftsmagazin Capital] investierte Thiel 50 Millionen Dollar in
       Moritz Döpfners neu gegründeten Investitionsfonds Döpfner Capital. Zuvor
       sei Moritz Döpfner als Chief of Staff in Thiels eigener Investmentfirma
       Thiel Capital tätig gewesen.
       
       Einzig in öffentlichen Datenbanken einsehbares Investment im Portfolio von
       Moritz Döpfner ist das Rüstungs-Start-up Stark Defence. Das in Berlin
       ansässige Unternehmen entwickelt unter anderem KI-gesteuerte
       Kamikaze-Drohnen. Zuletzt konnte das Unternehmen einen Rahmenvertrag von
       über 2,9 Milliarden Euro für die Belieferung der Bundeswehr sichern. Auch
       Thiel hat über eine weitere seiner Investmentfirmen, dem Founders Fonds, in
       Stark Defence investiert. Neben Stark Defence ist Thiel auch Geldgeber für
       das Münchener Drohnen-Start-up Quantum Systems, das ebenfalls Aufträge von
       der Bundeswehr bekommen hat.
       
       Überhaupt ist Thiel in der selbsterklärten Start-up-Metropole Berlin kein
       Fremder. Über seine Investitionsfirmen ist der Tech-Investor an vielen
       namhaften Start-ups beteiligt. So investierte Thiels Risikokapital Fonds
       Valar Ventures in das Fintech-Start-up N26. Die kriselnde Onlinebank
       erregte in der Vergangenheit Aufsehen mit ihrem Versuch, die Gründung eines
       Betriebsrats zu verhindern.
       
       Auch in den Neobroker Trade Republik hat Thiels Founders Funds investiert.
       Die Onlinebank gilt mit einer Bewertung von über 12 Milliarden Euro als das
       wertvollste deutsche Start-up. Tech-Aktivist Ludwig Grosser warnt davor,
       diese Investitionen als reine wirtschaftliche Entscheidungen, getrennt von
       Thiels Ideologie, zu sehen. „Das ist nicht nur Business, sondern Business,
       um die Welt umzubauen.“
       
       23 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/riskante-wette-auf-die-ki-das-hat-doepfner-mit-springer-vor,UvGS5Ot
 (DIR) [2] https://www.capital.de/wirtschaft-politik/doepfner-sohn-bekommt-mehr-geld-fuer-seinen-start-up-fonds-37287390.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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