# taz.de -- Konferenz in Argentinien: Netzwerktreffen für Lateinamerikas Libertäre und Rechte
> Auf dem ganzen Kontinent wächst ein Netzwerk libertärer und konservativer
> Denkfabriken. In Argentinien diskutieren sie nun politische Reformen.
(IMG) Bild: Bekannt für seine Frisur und den radikalen Staatsumbau: Argentiniens Javier Milei
Es war ein Heimspiel. Am Mittwoch endete die zweitägige Konferenz „Vientos
de Cambio“ in Buenos Aires mit einem Statement des argentinischen
Präsidenten Javier Milei: [1][Die politische Landschaft in der Region habe
sich verändert], die linken Kräfte auf dem Kontinent sind auf dem Rückzug.
„Im Oktober 2020 war der Kontinent fast vollständig rot gefärbt, und heute
sind viele Länder blau gefärbt“, so Milei.
In seiner Rede gab Milei sich als Präsident mit einer Vision von Freiheit
und Staatsabbau und hob ausgiebig [2][die Erfolge bei der Bekämpfung von
Inflation und Haushaltsdefizit] hervor. Seine Gegner*innen und die
Opposition machte er für die desaströse Hinterlassenschaft der
Vergangenheit verantwortlich, auch die Presse bekam wieder ordentlich ihr
Fett weg. Der „Müll mit Mikrofonen“, die „Auftragskiller“ und die
„Analphabestien“ – eine Wortschöpfung aus Analphabeten und Bestien – würden
alles in den Dreck ziehen und schwarzmalen.
Organisiert wurde die Konferenz von der argentinischen Denkfabrik Fundación
Libertad y Progreso, dem US-amerikanischen Thinktank Reason Foundation und
dem ebenfalls in den USA ansässigen Archbridge Institute. Die drei
Organisationen sind dem klassisch-liberalen und libertären Spektrum
zuzuordnen. Sie setzen sich für individuelle Freiheit, freie Märkte und das
Recht auf Privateigentum ein.
In erster Linie war das Zusammentreffen ein Schaulaufen für den Präsidenten
und seine Minister. Neben Milei trugen Deregulierungsminister Federico
Sturzenegger, Außenminister Pablo Quirno und Wirtschaftsminister Luis
Caputo ausgiebig ihre Versionen der Erfolgsgeschichte der Regierung vor.
Die Panels zu Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung, Innovationen und
institutionellen Reformen in Lateinamerika mit Referent*innen aus rund
10 Ländern dienten dem Networking.
## Großes Interesse seitens der USA
„Wir arbeiten an einem wachsenden Netzwerk libertärer und konservativer
Thinktanks in Südamerika“, sagte Terence Roberts, Präsident der Fundación
Libertad y Progreso, der taz. So gebe es ein länderübergreifendes Netzwerk
libertärer und konservativer Organisationen in Uruguay, Chile, Brasilien,
Bolivien und Peru, das nicht nur durch gemeinsame politische Ideen, sondern
auch durch persönliche Kontakte, finanzielle Unterstützung und konkrete
Beratung bei politischen Reformprojekten verbunden ist.
Als ein Beispiel nannte er die Unterstützung eines brasilianischen Teams
bei der Entwicklung eines Deregulierungsprogramms für den Fall eines
Wahlsiegs von Flávio Bolsonaro bei der Präsidentschaftswahl im Oktober in
Brasilien. Es soll sich am Modell des argentinischen
Deregulierungsministers Federico Sturzenegger orientieren.
Auch in den USA herrsche großes Interesse an den Entwicklungen in
Argentinien. Insbesondere der Umgang mit Zöllen, Steuern und Regulierung
werde als Gegenmodell zu der dort verfolgten Politik wahrgenommen, so
Terence Roberts. Hier macht er auch einen Unterschied zur [3][Conservative
Political Action Conference in den USA]. „Die CPAC ist eine konservative
Bewegung. Wir sind eine libertäre Denkfabrik“, so Roberts.
Wohl prominentester Gast der Konferenz war [4][Wirtschaftsnobelpreisträger
James Heckman]. Auch er lobte Milei. „Das Experiment zur Deregulierung der
Märkte und der Wirtschaftstätigkeit ist sehr wichtig“, so der Preisträger
von 2000. [5][Der prominenteste Abwesende war hingegen Peter Thiel.] Der
Auftritt des Palantir-Eigentümers war Anfang August von den Veranstaltern
mit großem Tamtam angekündigt worden. Thiel hatte sein Kommen zugesagt.
Wenige Tage vor dem Kongress mussten die Organisatoren ihre ursprüngliche
Ankündigung revidieren und ihn aus dem Programm streichen. Gründe dafür
wurden nicht genannt.
3 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
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