# taz.de -- Extremwetterkongress: Stürmische Aussichten
> Beim Extremwetterkongress in Hamburg wird deutlich: Wie gefährlich
> Extremwettereignisse sind, hängt nicht nur von ihrer Stärke ab.
(IMG) Bild: August 2026: Aufräumarbeiten nach einem Sturm in Paranaque auf den Philippinen
Der 16. Extremwetterkongress in Hamburg heißt so viele Teilnehmende wie
noch nie willkommen. Kein Wunder: Mit fortschreitender Erderwärmung wird
extremes Wetter immer wahrscheinlicher. Von Mittwoch bis Freitag
beschäftigen sich etwa tausend Expert:innen auf der jährlichen
Fachtagung in Hamburg damit, wie sich der Klimawandel auf
Extremwetterereignisse wie [1][Hitzewellen], Starkregen und Stürme
auswirkt.
„Jedes Jahrzehnt ist seit den 1960er Jahren deutlich wärmer als das
vorhergehende“, sagte Tobias Fuchs, Vorstandsmitglied beim Deutschen
Wetterdienst (DWD), der dpa. „Es ist gut möglich, dass wir in 30 Jahren
zurückblicken auf dieses Jahr und feststellen, dass der von uns aktuell als
extrem eingestufte Sommer trotz seiner Temperaturrekorde als normal
eingestuft wird.“
Der aktuelle [2][Weltrisikobericht] legt seinen Schwerpunkt auf ein
weiteres Thema. Das Bündnis Entwicklung Hilft und das Institut für
Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der
Ruhr-Universität Bochum veröffentlichten den Bericht am Mittwoch zum
Auftakt des Kongresses. Er analysiert seit 2011 das Katastrophenrisiko für
193 Länder. Dieses Jahr stehen Stürme – also Gewitter, Tornados, Hurrikane
und Co – im Fokus. Laut den Autor:innen sind sie gemessen an den
wirtschaftlichen Folgen das folgenschwerste Extremwetterereignis.
Durch den [3][Klimawandel] nehmen sie zudem in ihrer Intensität zu, bringen
mehr Niederschlag und werden plötzlicher sehr stark, so der Bericht. Das
liege besonders daran, dass sich die Oberfläche der Meere [4][erwärme].
Warmes Meerwasser ist die Bedingung für Stürme, besonders für tropische
Wirbelstürme. Diese treten laut Bericht deswegen zunehmend auch weiter
südlich und nördlich als bisher auf – und damit auch immer in Regionen, die
nicht auf Stürme vorbereitet sind.
## Gefahr ist ungleich verteilt
Besonders Sturmfluten und starker Niederschlag seien gefährlich. Durch den
Meeresspiegelanstieg würden Schutzmaßnahmen, die für heutige Pegel gebaut
sind, nicht mehr ausreichen. Küstenstädte und Inselstaaten seien insofern
besonders bedroht.
Wie schwerwiegend die Folgen eines Sturmes sind, ist laut des Berichts
ungleich verteilt: 10 Länder, angeführt von den Philippinen, tragen den
Großteil der weltweiten Sturmgefährdung. Währenddessen sind 123 der
untersuchten 193 Länder kaum betroffen.
Die Bedrohung für Menschen hängt neben den Umweltbedingungen vor allem von
der Infrastruktur und gesellschaftlichen Vulnerabilität ab: Wann Warnungen
ankommen, ob Häuser sturmfest gebaut sind, ob Fluchtwege frei sind, welcher
Katastrophenschutz zur Verfügung steht – auch das entscheide darüber, wie
gefährlich ein Sturm sei. Kleine Volkswirtschaften wie Inselstaaten würden
relativ zu ihrer Größe von Stürmen mehr wirtschaftlichen Schaden
davontragen. Wegen der kleinen Größe hätten sie zudem weniger Ressourcen
und Ausweichmöglichkeiten für Schutz und Wiederaufbau – oft sei das ganze
Land auf einmal betroffen.
## Nicht nur eine Frage der Physik
„Stürme sind Naturereignisse. Katastrophen sind es nicht. Ob Menschen
sterben, entscheidet sich lange vor dem Landfall in den Bauvorschriften,
den Warnketten und den Sozialsystemen“, sagt Katrin Radtke,
wissenschaftliche Leiterin des Weltrisikoberichts am IFHV der
Ruhr-Universität Bochum.
Die Autor:innen des Berichts warnen davor, dass ohne staatliche und
internationale Unterstützung und Versicherungen Stürme schnell zur
Armutsspirale werden können. Für wirksamen Schutz müssten Frühwarnsysteme
auf die betroffenen Menschen angepasst sein. Zudem müsse die systematische,
langfristige Dimension in den Blick genommen werden: Belastbare
Institutionen und Wirtschaftsstrukturen bestimmten, wie schnell sich eine
Region erholen könne.
Damit macht der Bericht deutlich, dass Stürme nicht nur eine Frage von
Physik sind. Auch auf dem Kongress in Hamburg werden Extremwetterereignisse
als gesellschaftliche Frage behandelt. Die Generalsekretärin der
Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Celeste Saul sieht Handlungsbedarf
bei Regierungen. „Gemeinsam können wir bessere Vorhersagen in frühzeitigere
Maßnahmen, stärkere Widerstandsfähigkeit und eine sicherere Zukunft für
alle umsetzen“, sagt sie. „Denn die Frage ist nicht, ob das nächste extreme
Wetterereignis kommen wird. Die Frage ist, ob wir darauf vorbereitet sein
werden.“
Parallel zum Kongress läuft die Deutsche Klimamanagementtagung. Hier kommen
Expert:innen, Politik und Zivilgesellschaft zusammen, um in Workshops
praxisnahe Lösungen für die Auswirkungen des Klimawandels zu entwickeln.
23 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Pauline Ruprecht
## TAGS
(DIR) Extremwetter
(DIR) Sturm
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
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