# taz.de -- Nach-Wahl-Debatte bei den Grünen: Realo-Grüne fordern neue Spitze
> Eine bei den Berliner Grünen kursierende Analyse hält der Parteispitze
> vor, Wahlziele verpasst zu haben, und fordert eine personelle Erneuerung
> der Partei.
(IMG) Bild: Sie sollen keine Senatsposten übernehmen, fordern Stimmen im Grünen-Kreisverband Mitte: die Spitzenkandidaten Graf und Jarasch
Ein bei den Grünen kursierendes Papier aus dem Kreisverband Mitte hält den
führenden Akteuren des Landesverbands vor, bei der Abgeordnetenhauswahl
gleich mehrere Ziele verfehlt zu haben, und fordert Konsequenzen. Das
Ergebnis vom Sonntag sei das schlechteste seit 20 Jahren. Die Grünen hätten
kaum vom Schrumpfen der SPD oder vom für die CDU negativen Bundestrend
profitieren können. Das Papier kommt zu dem Schluss: „Die Führungsspitze
muss zurücktreten.“
Die Berliner Grünen, angetreten mit dem Ziel, ihren bisherigen
Fraktionschef Werner Graf zum Regierenden Bürgermeister zu machen, waren
bei der Abgeordnetenhauswahl am Sonntag nur auf Platz vier gelandet, hinter
Linkspartei, CDU und AfD. Weniger Rückhalt als jetzt mit 14,3 Prozent
[1][hatten die Grünen zuletzt 2006], als sie nur 13,1 Prozent erreichten.
Das Papier verweist zudem darauf, dass die Berliner Wählerschaft insgesamt
mit dem politischen Spitzenpersonal unzufrieden sei, „aber mit unserem am
meisten“. Als Quelle sind Umfragen des Forschungsinstituts Infratest dimap
genannt.
Die Konsequenz daraus laute: „ein glaubwürdiger politischer Neustart in der
Stadt gelingt nur mit personeller Erneuerung an der Spitze“. Künftige
Senatsposten sollten mit neuem Personal oder erfahrenen Stadträten aus den
Bezirken besetzt werden. Keineswegs sollten Politiker, die die Grünen zum
jetzigen Ergebnis geführt hätten, in Zukunft weiter Führung übernehmen.
## Senatsposten nicht mit Wahlverlierern besetzen
„Der Senat sollte aus neuem Personal beispielsweise mit Exekutivkompetenz
aus Bezirken bestehen“, heißt es – womit Stadträte und Bürgermeister
gemeint sind. Das hieße, dass das Spitzenkandidatenduo aus Graf und Bettina
Jarasch, die frühere Verkehrssenatorin, dafür nicht infrage kommen sollen.
Eine weitere Forderung ist mehr Mitgliederbeteiligung bei der
Personalauswahl.
Aus dem im Realo-Lager der Partei verorteten Grünen-Kreisverband in Mitte
gibt es seit Längerem Forderungen, sich weniger nach links, sondern offener
in alle Richtungen und damit [2][auch ins bürgerliche Lager zu
positionieren]. Mehrfach habe die Partei versucht, stärkste Kraft im linken
Lager zu werden und ein Linksbündnis anzuführen, sei aber 2023 und nun
wieder damit gescheitert, heißt es im Papier. Spitzenkandidat Graf kommt
vom linken Parteiflügel, das Wahlprogramm galt als klar links ausgerichtet,
unter anderem auf Seite 48 [3][mit seinem Ja zu Enteignungen] von großen
Immobilieneigentümern.
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.wahlrecht.de/ergebnisse/berlin.htm
(DIR) [2] /Gruener-Wahlsieg-in-Baden-Wuerttemberg/!6160782
(DIR) [3] https://gruene.berlin/fileadmin/BE/lv_berlin/files/Wahlprogramm_2026_Online.pdf
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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