# taz.de -- Konflikt zwischen Saudis und Huthis: Der unheilige Streit um Mekka
> Auch das saudi-arabische Mekka mit der heiligsten Stätte des Islam gerät
> ins Visier der Huthi. Die bestreiten einen Angriff, aber erheben Anspruch
> auf die Stadt.
(IMG) Bild: Anhänger der jemenitischen Huthi-Rebellen in Sanaa demonstrieren ihre Unterstützung am 18.09.2026
In der vergangenen Woche leuchtet auf den Handys vieler Menschen [1][in der
saudi-arabischen Stadt Mekka] eine Nachricht auf. Sie warnt vor einer
feindlichen Bedrohung aus der Luft und fordert dazu auf, sich in Gebäuden
auf- und von Fenstern wie Türen fernzuhalten. Der Grund der
Benachrichtigung: Ein Angriff der von Iran unterstützten [2][jemenitischen
Huthi-Miliz.] Auf die Stadt, welche die heiligste Stätte des Islam – die
Kaaba – beherbergt.
Nach einiger Zeit wurde die Warnung wieder aufgehoben und der
saudi-arabische Generalmajor [3][Turki al-Maliki] erklärte, die Luftabwehr
habe eine Drohne der Huthi zerstört, bevor diese in den gesperrten Luftraum
über der heiligen Stadt eindringen konnte. Die Sicherheit der beiden
heiligen Moscheen bezeichnete er als rote Linie. Eine der beiden heiligen
Moscheen umgibt die Kaaba in Mekka, die andere befindet sich in der Stadt
Medina. Sie gilt als Grabstätte des muslimischen Propheten Mohammed und als
zweitheiligste Stätte im Islam.
Die [4][Huthi] bestreiten, auf Mekka gezielt zu haben. Ihr Militärsprecher
Yahya Saree erklärte, man ziele lediglich auf Ölanlagen und
Militärstützpunkte. Dass das allerdings nicht stimmt, zeigt sich daran,
dass sich immer wieder Zivilistinnen und Kinder unter den Verletzten nach
Huthi-Angriffen befinden.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass Mekka vonseiten der Huthi beschossen
wurde. Im Oktober 2016 wurde nach saudi-arabischen Angaben eine Rakete 65
Kilometer vor Mekka abgefangen. Die Huthi erklärten damals, sie hätten den
Flughafen von Dschidda ins Visier nehmen wollen. In den Jahren 2017 und
2019 gab es ähnliche Vorfälle.
## Mekka, so heißt es, sei besetzt
In Moscheen und bei Mobilisierungsveranstaltungen in den
Huthi-kontrollierten Gebieten Jemens taucht immer wieder eine Behauptung
auf: Mekka sei besetzt, stehe unter der unrechtmäßigen Herrschaft des
Hauses Al Saud. Unter dessen Kontrolle sei die Pilgerfahrt nach Mekka –
Hadsch genannt und für Muslime eine einmal im Leben zu erfüllende Pflicht –
unrechtmäßig. Immer wieder tauchen Videos dieser Predigten auf.
In ihren Mobilisierungsreden [5][berufen sich die Huthi auf das] sogenannte
Massaker von Tanuma aus dem Jahr 1923, neun Jahre vor der Ausrufung des
Königreichs Saudi-Arabien. Eine Karawane jemenitischer Pilger war damals
auf dem Weg nach Mekka, als sie von Truppen des Abdulaziz bin Abdul Rahman
Al Saud, genannt Ibn Saud, angegriffen worden sei. Die Huthi behaupten, bei
dem Zwischenfall seien damals mehrere Tausend Menschen umgekommen.
Ibn Saud befand sich damals auf Eroberungskurs von Teilen des modernen
Saudi-Arabiens und war später dessen Staatsgründer. Seine Nachfahren
kontrollieren das Königreich bis heute.
Das Massaker von Tanuma wird also von den Huthi und ihrer Sprachrohre in
ihrer Opposition zum Königreich Saudi-Arabien instrumentalisiert. Etwa die
jemenitische Nachrichtenagentur Saba, die unter Kontrolle der Huthi steht,
greift es immer wieder in Texten auf.
## Wer soll Mekka kontrollieren dürfen?
Der nördliche Jemen war damals das Königreich der Mutawakkiliten unter der
Kontrolle zaidischer Imame. Die Zaidi sind ein eigener Zweig innerhalb des
Islam, der den Schiiten zugerechnet wird. Die Gründer der Huthi, die
Familie Al Huthi, gehört ebenfalls zu den Zaidi.
Und noch einen weiteren Aspekt gibt es, aus dem die Huthi einen
Herrschaftsanspruch über die beiden heiligen Städte ableiten: Weite Teile
der Hejaz, also die Region um Mekka und Medina, wurden jahrhundertelang von
den Scherifen von Mekka kontrolliert. Bis ins 14. Jahrhundert waren sie
Zaidi – die Untergruppe im Islam, zu der auch die Huthi gehören. Danach
traten sie zum sunnitischen Zweig über.
Die Huthi haben bisher kein Imamat ausgerufen. Das Imamat ist ein wichtiges
Konzept im schiitischen Glauben: Nur ein fehlerfreier und reiner Mensch aus
der Familie des Propheten soll die Gemeinschaft in allen Belangen, religiös
wie weltlich, führen dürfen. Doch die Lehrpläne in den von ihr
kontrollierten Gebieten wurden umgeschrieben und lehren nun dieses Konzept.
Auch das Prinzip der Wilaya wird gelehrt: In der schiitischen Theologie
gilt, dass Gott allein die Autorität über die Welt vorbehalten ist und
diese nur an Propheten und unfehlbare Imame delegiert werden kann.
In der Islamischen Republik Iran ist das die propagierte Staatsform, dort
gilt die „Wilayat Faqih“, übersetzt die „Vormundschaft des
Rechtsgelehrten“. Der Oberste Führer ist also lediglich Statthalter in der
Absenz des eigentlichen Führers der Gemeinschaft. Dieser ist im
schiitischen Glauben seit Jahrhunderten in einem Status der „Okkultation“,
also des Verborgenseins vor der Welt, und soll beizeiten als Herrscher
zurückkehren.
In die Kerbe, dass das saudi-arabische Königshaus ungeeignet sei, schlägt
auch Iran: Der damalige Ayatollah [6][Ali Chamenei erklärte etwa nach einer
Massenpanik 2016,] dass muslimische Nationen darüber beraten sollten, die
Kontrolle des Hauses Al Saud dort zu beenden. Die Golfstaaten bezeichneten
dies als Aufwiegelung.
Mitarbeit: Lisa Schneider
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Konflikt-zwischen-Saudis-und-Huthis/!6214749
(DIR) [2] /Krieg-mit-den-Huthis/!6213233
(DIR) [3] https://x.com/CJFCSpox/status/2100014957244961101
(DIR) [4] /Meerenge-Bab-al-Mandab/!6212764
(DIR) [5] https://www.saba.ye/en/news3704011.htm
(DIR) [6] https://www.tasnimnews.ir/ar/news/2016/09/07/1180939/%25D8%25A7%25D9%2584%25D8%25A5%25D9%2585%25D8%25A7%25D9%2585-%25D8%25A7%25D9%2584%25D8%25AE%25D8%25A7%25D9%2585%25D9%2586%25D8%25A6%25DB%258C-%25D8%25A2%25D9%2584-%25D8%25B3%25D8%25B9%25D9%2588%25D8%25AF-%25D8%25BA%25DB%258C%25D8%25B1-%25D8%25AC%25D8%25AF%25DB%258C%25D8%25B1%25DB%258C%25D9%2586-%25D8%25A8%25D8%25A5%25D8%25AF%25D8%25A7%25D8%25B1%25D8%25A9-%25D8%25A7%25D9%2584%25D8%25AD%25D8%25B1%25D9%2585%25DB%258C%25D9%2586-%25D8%25A7%25D9%2584%25D8%25B4%25D8%25B1%25DB%258C%25D9%2581%25DB%258C%25D9%2586-%25DB%258C%25D8%25AC%25D8%25A8-%25D8%25AA%25D8%25B4%25DA%25A9%25DB%258C%25D9%2584-%25D9%2584%25D8%25AC%25D9%2586%25D8%25A9-%25D9%2584%25D8%25AA%25D9%2582%25D8%25B5%25DB%258C-%25D8%25A7%25D9%2584%25D8%25AD%25D9%2582%25D8%25A7%25D8%25A6%25D9%2582-%25D8%25A8%25D8%25B4%25D8%25A3%25D9%2586-%25D9%2585%25D9%2586%25D9%2589-%25D9%2581%25DB%258C%25D8%25AF%25DB%258C%25D9%2588
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(DIR) Najm Aldain Qasem
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