# taz.de -- Konflikt zwischen Saudis und Huthis: Saudi-Arabien blickt sich hilfesuchend um
       
       > Der Angriff auf Riad markiert den Höhepunkt der Eskalation zwischen der
       > Huthi-Miliz und den Saudis. Können Letztere auf internationalen Beistand
       > setzen?
       
 (IMG) Bild: Huthi-Soldaten in Sanaa: In diesem Monat sind bereits andere strategische saudische Ziele getroffen worden
       
       Die letzte Woche stellte so etwas wie den wahr gewordenen saudischen
       Albtraum dar. Vorläufiger Höhepunkt der Eskalation zwischen der
       [1][Huthi-Miliz] im Jemen und Saudi-Arabien war ein Raketen- und
       Drohnenangriff auf die saudische Hauptstadt Riad und ihren Flughafen am
       Samstag. Mehrere Raketen wurden auch an anderen Orten des Landes
       abgefangen, hieß es von amtlicher saudischer Seite. Angaben über die Zahl
       der Angriffe oder die Schäden wurden nicht gemacht.
       
       Der Angriff auf den Flughafen, der ein Treibstofflager getroffen hat, aber
       keinen großen Schaden anrichtete, dürfte vor allem psychologische Ziele
       gehabt haben; die Bilder von Rauch über dem Flughafen sollten wohl vor
       allem ein Gefühl der Unsicherheit unter der saudischen Bevölkerung säen.
       Die Huthis bezeichneten den Angriff als Antwort auf saudische Luftangriffe
       auf ihre Positionen im Jemen.
       
       Der Angriff ist kein Einzelfall. In diesem Monat sind bereits andere
       strategische saudische Ziele getroffen worden mit massiven Auswirkungen auf
       die saudische Ölwirtschaft. Am dramatischsten war der Angriff auf eine
       Pumpstation der saudische Ost-West-Öl-Pipeline, der wichtigsten Umgehung
       der Meerenge von Hormus. Dort wird das im Osten Saudi-Arabiens produzierte
       Öl nicht über den Arabischen Golf, sondern über eine Pipeline quer durchs
       Land zum Roten Meer gepumpt.
       
       Der Angriff ging wahrscheinlich von schiitischen Milizen im Irak aus und
       hatte zur Folge, dass die Pipeline zeitweise geschlossen wurde. Inzwischen
       läuft sie wieder, mit welcher Kapazität ist unklar. Am Tag darauf eroberten
       die [2][Huthis im Jemen] von den jemenitischen Regierungstruppen die Insel
       Perim im Roten Meer, die an der Meerenge Bab El-Mandab gelegen ist. Die
       jemenitischen Regierungstruppen werden von Saudi-Arabien unterstützt.
       
       ## Erst die Pipeline, dann die Meerenge
       
       Damit hatten die Saudis innerhalb von 36 Stunden zunächst temporär ihre
       Pipeline verloren und kurz darauf die Sicherung einer Meerenge, die neben
       der Meerenge von Hormus für den Export ihres Öls von entscheidender
       Bedeutung ist.
       
       Nun stellt sich die Frage, wie Saudi-Arabien auf die Angriffe reagieren
       wird. Zweimal telefonierte der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman
       letzte Woche mit dem US-Präsidenten Donald Trump und forderte von ihm
       militärische Unterstützung. Zumindest öffentlich sagte Trump kurz vor den
       Midterm-Wahlen nichts zu. Möglich ist, dass die USA Aufklärung bei der
       Zielauswahl für die [3][saudische Luftwaffe] angeboten haben, aber
       keinerlei direkten Einsatz von US-Personal im Jemen.
       
       Hilfesuchend blicken die Saudis auch auf die Länder des Mekka-Militärpakts,
       der erst vergangenen Monat zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan
       geschlossen worden war. Die Saudis wollen damit ihre Sicherheitsarchitektur
       diversifizieren, nachdem die US-Stützpunkte in Saudi-Arabien im Irankrieg
       mehr Angriffsfläche als Schutz geboten haben.
       
       Doch auch im Mekka-Pakt hat sich bisher keine konkrete militärische Hilfe
       gegen die Huthis materialisiert. Aus der Türkei heißt es, man sei bereit zu
       helfen. Der türkische Außenminister Hakan Fidan sprach davon, dass die
       Saudis militärische Unterstützung in einigen technischen Bereichen
       bräuchten und die Türkei bereit wäre, diese zu geben. Was das beinhaltet,
       ist unklar; aber mit Sicherheit keine türkischen Truppen.
       
       ## Was heißt „physische“ Unterstützung?
       
       Auch Generalleutnant Ahmed Sharif Chaudhry, ein Sprecher des pakistanischen
       Militärs, sagte am Donnerstag gegenüber der saudischen Zeitung Arab News,
       dass Islamabad diplomatisch und „physisch“ an der Seite Saudi-Arabiens
       stehe. Seine anschließende Erläuterung des Worts „physisch“ macht
       allerdings zahlreiche Interpretationen möglich. „Wir werden so weit gehen
       wie nötig“, sagte er. Auch der saudische Versuch, gemeinsam mit Ägypten
       eine maritime Allianz zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer
       zusammenzuzimmern, zeigt bisher wenig konkrete Ergebnisse.
       
       Welche Früchte die saudischen Bemühungen um militärische Unterstützung am
       Ende tragen werden, bleibt abzuwarten. Doch weder die USA noch die Türkei,
       Pakistan oder Ägypten scheinen derzeit bereit, sich direkt am Konflikt
       zwischen Huthis und Saudis zu beteiligen.
       
       20 Sep 2026
       
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