# taz.de -- Krieg in Jemen: Huthi melden Tote und Dutzende Verletzte bei Angriff
> Die Gewalt in Jemen eskaliert weiter. Nachbar Saudi-Arabien scheint
> seinen Mekka-Verteidigungspakt mit der Türkei und Pakistan in den Fokus
> rücken zu wollen.
(IMG) Bild: Dieses Foto der Huthi soll erfolgreiche Angriffe auf von Saudi-Arabien unterstützte Kräfte zeigen
afp/dpa | Bei einem Luftangriff in der jemenitischen Provinz Tais sind nach
Angaben der Huthi-Rebellen mindestens sieben Menschen getötet und 40
weitere verletzt worden. Die [1][saudische Luftwaffe] habe eine
Einkaufsgegend um den zentralen Markt von Tais angegriffen, berichtete die
Huthi-Fernsehsender Al-Masirah. Der Sender zeigte Aufnahmen von hohen
Rauchwolken und eine zerstörte Lagerhalle, in der unter anderem
Lebensmittel in Kartons aufgetürmt waren. Die Angaben lassen sich nicht
unabhängig überprüfen.
Das Huthi-Gesundheitsministerium warf Saudi-Arabiens Luftwaffe ein
„abscheuliches Verbrechen“ vor. Diese würde zivile Ziele in Tais direkt und
vorsätzlich angreifen.
Truppen der international anerkannten Regierung in Jemen teilten mit, ihre
Luftwaffe habe in dem Gebiet ein Lager und Fahrzeuge der Huthi angegriffen.
Die Regierungstruppen werden von Saudi-Arabien unterstützt. Schon am
Samstag hatten sie Angriffe auf Huthi-Kämpfer und auf Waffenlager im Osten
und Süden der strategisch wichtigen Provinz gemeldet.
## Gefechte in mehreren Landesteilen
Im Zuge des Irankriegs ist der Bürgerkrieg in Jemen wieder schwer
eskaliert. In mehreren Landesteilen kommt es zu Gefechten. Mindestens
125.000 Menschen wurden durch die neuen Kämpfe vertrieben. Die Kämpfe
spielen sich auch im Hochland in Nähe der wichtigen Meerenge Bab al-Mandab
ab.
Die Regierung rief zu einer allgemeinen Mobilisierung auf und forderte die
Jemeniten auf, sich der Armee und den Sicherheitskräften anschließen.
Huthi-Kämpfern, die ihre Waffen niederlegen und die Miliz verlassen, wurde
eine Amnestie angeboten.
Die Huthi erklärten, Saudi-Arabien sei innerhalb von 24 Stunden etwa zwei
Dutzend weitere Angriffe in Jemen geflogen und seit Beginn der neuen
Eskalation mehr als 1.000 solcher Angriffe.
## Neue Warnungen in Saudi-Arabien
Saudi-Arabien [2][sieht sich seit dem neuen Vormarsch der Huthi auch neuen
Angriffen ausgesetzt]. Der saudische Zivilschutz gab in den vergangenen
Tagen neue Warnungen aus für Chamis Muschait und Abha im Süden – mutmaßlich
[3][wegen neuer Angriffe der mit Iran verbündeten Huthi].
Saudi-Arabien scheint auch öffentlich an das neue Bündnis mit der Atommacht
Pakistan und der Türkei erinnern zu wollen, deren Militär zu den stärksten
im Nahen Osten zählt. Militärchefs der drei Länder trafen sich am Freitag
in Riad und sprachen über die aktuelle Bedrohung für Saudi-Arabien. Ihr
Mekka-Verteidigungspakt enthält eine Beistandsklausel, wonach ein Angriff
auf eine Partei als Angriff auf alle gewertet wird. Bisher sind allerdings
weder Pakistan noch die Türkei aktiv in den Jemenkrieg eingetreten.
## Schulen in Riad stellen für eine Woche auf Fernunterricht um
In Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad sind Eltern von den Schulen darüber
informiert worden, dass der Unterricht ihrer Kinder für eine Woche auf
Fernunterricht umgestellt wird. Der kurzfristig entschlossene Plan geht aus
E-Mails hervor, die der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag vorlagen. Ein
offizieller Grund für die Umstellung wurde nicht mitgeteilt. Saudi-Arabien
wird im Zuge des Konflikts in der Golfregion derzeit fast täglich von der
pro-iranischen Huthi-Miliz im Jemen angegriffen.
„Wir wurden soeben von den saudi-arabischen Behörden darüber informiert,
dass die Schulen die ganze Woche über geschlossen bleiben müssen“, hieß es
in zwei separaten Nachrichten, die AFP vorlagen. „Wenn eine Entscheidung
eine ganze Schulgemeinschaft eine ganze Woche lang betrifft, verdienen
Familien klare Kommunikation und Transparenz hinsichtlich der Gründe
dafür“, kritisierte ein in Riad lebender Elternteil gegenüber AFP. „Es ist
eine Entscheidung in letzter Minute. Wir haben keine Ahnung, was los ist“,
sagte ein in Riad lebender libanesischer Staatsbürger.
Am Samstag hatte eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition, die
die Huthi-Miliz in Jemen bekämpft, erklärt, sie habe Drohnen und
ballistische Raketen abgefangen, die auf das Königreich abzielten. Die
Huthi in Jemen haben nach einem jahrelangen Waffenstillstand im Juli die
Angriffe wieder aufgenommen und den Irankrieg damit auf den Jemen
ausgeweitet. Der UN-Sicherheitsrat hatte die jüngsten Angriffe von
Huthi-Kämpfern auf Saudi-Arabien verurteilt und darauf hingewiesen, dass
dabei „Zivilisten, darunter Frauen und Kinder“, verletzt worden seien.
## Saudi-Arabien ruft Welt zum Schutz der freien Schifffahrt in der
Golfregion auf
Saudi-Arabien hat die internationale Gemeinschaft zum Schutz der freien
Schifffahrt in der Golfregion aufgerufen. „Der Schutz der internationalen
Schifffahrt und der Lieferketten ist eine gemeinsame Verantwortung, die
ernsthafte internationale Zusammenarbeit erfordert“, sagte Saudi-Arabiens
Außenminister Faisal bin Farhan am Samstag vor der UN-Vollversammlung in
New York. Er verwies dabei auf die Straße von Hormus, die Meerenge Bab
al-Mandab und den Golf von Aden.
Der saudi-arabische Chefdiplomat forderte „die Wiederherstellung der
Verhältnisse in der Straße von Hormus auf dem Stand vor dem 28. Februar,
ohne die Erhebung jeglicher Gebühren oder Steuern“. An diesem Tag hatten
die USA und Israel mit Angriffen den Irankrieg begonnen. Teheran hält
seitdem die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus weitgehend
blockiert, die USA verhängten ihrerseits eine Seeblockade iranischer Häfen.
Bin Farhan warf der internationalen Gemeinschaft Versäumnisse in der
Golfregion vor. „Die internationale Gemeinschaft ist ihrer Verantwortung
nicht nachgekommen, allem entgegenzutreten, was den internationalen Frieden
und die Sicherheit bedroht“, sagte er in New York.
Saudi-Arabien leidet neben der instabilen Lage in der Straße von Hormus
seit Juli auch unter einer Seeblockade der pro-iranischen Huthi-Miliz in
Jemen. Diese greift seither Ziele im Königreich an. Nach einer
Blitzoffensive übernahm die Miliz Mitte des Monats die Kontrolle über große
Teile der jemenitischen Küste an der strategisch wichtigen Meerenge Bab
al-Mandab. Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf
von Aden und damit dem Indischen Ozean. Sie ist eine wichtige Route für den
internationalen Schiffsverkehr, besonders für den Export saudi-arabischem
Öls.
27 Sep 2026
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