# taz.de -- Duma-Scheinwahlen in Russland: Wladimir Putin sichert sich Durchmarsch
       
       > Die Kreml-Partei Einiges Russland zieht laut Staatsangaben als stärkste
       > Kraft in das Parlament ein. Drei weitere Parteien, die die
       > Fünfprozenthürde nehmen, sind auf Linie.
       
 (IMG) Bild: Nach der Schließung des Wahllokals in Podolsk bei Moskau wird ausgezählt – Überraschungen wird es keine geben
       
       Alles nach Plan: Aus den russischen Duma-Wahlen vom 18. bis 20. September,
       den ersten seit dem Beginn von Russlands vollumfänglichem Angriffskrieg
       gegen die Ukraine, ist die Kreml-Partei Einiges Russland erwartungsgemäß
       als Siegerin hervorgegangen. Angaben der Zentralen Wahlkommission zufolge
       kommt die Partei nach Auszählung von 95,18 Stimmzetteln auf 57,83 Prozent.
       
       Darüber hinaus werden drei weitere Parteien, allesamt auf Kreml-Linie, im
       Parlament vertreten sein: Die Kommunistische Partei (KPRF) erhielt 13,81,
       die Liberaldemokratische Partei (LDPR) 8,98 sowie die Partei „Neue Leute“
       7,96 Prozent der Stimmen. Auch bei den Direktmandaten (die Hälfte der
       insgesamt 450 Sitze) hat Einiges Russland mit 208 Abgeordneten die Nase
       vorn.
       
       Zusammen mit den Listenstimmen ergibt das insgesamt 355 Mandate, eine satte
       „verfassungsrechtliche Mehrheit“. Mit dieser „positiven Nachricht“ wartete
       die staatliche Nachrichtenagentur Tass bereits nach der Hälfte der
       ausgezählten Stimmen auf. Die Wahlbeteiligung lag offiziellen Angaben
       zufolge bei 59,32 Prozent und damit höher als 2021 (51,72 Prozent).
       
       Etwas ungewöhnlich war auch die „Begleitmusik“ zu dem Urnengang. In der
       Nacht zu Sonntag krachte es mehrmals in Moskau und Umgebung. [1][Mindestens
       zwei Menschen starben bei einer der heftigsten ukrainischen Drohnenattacken
       in der Hauptstadtregion.] Präsident Wladimir Putin hatte jedoch die
       Parlamentswahlen trotz des fortdauernden Krieges gegen die Ukraine nicht
       verschieben wollen. Wer sich entschieden hatte, zur Wahl zur gehen, konnte
       schwerlich ignorieren, in welchem Kontext sie stattfand.
       
       ## Schlechte Wirtschaftslage
       
       Der Sieg der Partei Einiges Russland stand bereits im Voraus fest, und das
       trotz andauernder ukrainischer Drohnenattacken, einer veritablen Bezinkrise
       sowie einer sich stetig verschlechternden Wirtschaftslage. Denn andere
       Szenarien sind in Putins Russland gar nicht denkbar. Die Exiljournalistin
       und Ex-Parlamentsberichterstatterin Farida Rustamowa sprach von der wohl
       „ereignislosesten, langweiligsten und konkurrenzlosesten Dumawahlkampagne
       in der neuesten Geschichte Russlands“.
       
       Doch folgen die präsentierten Resultate einer gewissen Logik. Im
       Putin'schen Machtsystem dienen Wahlen seiner Legitimation. Egal wie die
       Weltlage aussieht – am Ende muss der Sieger glänzen oder sich sogar selbst
       überbieten. Im März 2024 hatte Putin bei den Präsidentschaftswahlen 87
       Prozent der Stimmen geholt.
       
       Die vielleicht einzige Überraschung war das Ergebnis der Partei Gerechtes
       Russland. Ihr gelang es nicht einmal, die Fünfprozenthürde zu überwinden.
       Das ist insofern bemerkenswert, als die in den nuller Jahren als
       zusätzliches Standbein des Kremls ins Leben gerufene Partei voll auf Linie
       ist. Offenbar ist sie in Zeiten, in denen über politische Inhalte nicht
       einmal mehr ansatzweise offen debattiert werden darf, überflüssig.
       Profitiert hat davon Einiges Russland.
       
       Noch deutlicher zeigte sich das am [2][Umgang mit der liberalen
       Jabloko-Partei]. Mit ihrem unverhohlenen Antikriegsprogramm und ihrem
       Slogan „Für Frieden und Freiheit“ hätte Jabloko durchaus Chancen auf
       Zuspruch gehabt. Doch per Beschluss des Obersten Gerichts vom August war
       die zunächst zugelassene Liste der Partei von einer Teilnahme an der Wahl
       ausgeschlossen worden. In 43 Regionen waren letztlich nur noch 99
       Kandidat:innen für ein Direktmandat im Rennen.
       
       ## Abstimmung in annektierten Gebieten
       
       Lediglich in die parlamentarische Vertretung des Gebietes Nowgorod zieht
       Jabloko voraussichtlich mit einem Ergebnis von 6,2 Prozent ein. „Frieden,
       Freiheit und ein Leben ohne Angst – das sind Werte, die in den Herzen und
       Seelen der Menschen Widerhall gefunden haben“, hieß es in einer
       Stellungnahme des Nowgoroder Parteiverbandes.
       
       Auch in den von Russland völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen
       Gebieten fand die Abstimmung statt. In der Region Donezk hätten laut
       offiziellen Angaben bereits bis Freitag 75 Prozent der Wähler (mehr als
       eine 1 Million Menschen) vorzeitig ihre Stimme abgegeben.
       
       Besonders beeindruckend seien die Fotos gewesen, auf denen Wähler „auf
       Baumstümpfen“ ihre Stimme abgegeben hätten – in Anwesenheit von
       Militärangehörigen, die Sturmhauben getragen und Gefechtswaffen in den
       Händen gehalten hätten, sagte Ksenija Smoljakowa vom unabhängigen Projekt
       „Atlas der Wahlen“ dem russischsprachigen Dienst der BBC.
       
       Mit den realen Präferenzen der Wahlberechtigten haben die offiziellen
       Ergebnisse wenig gemein. Jetzt darf mit Spannung erwartet werden, wie der
       Kreml seine mit Wahlmanipulation auf allen Ebenen erreichte Mehrheit
       umsetzt.
       
       21 Sep 2026
       
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