# taz.de -- Russland vor der Wahl: Wahlschein ausfüllen oder doch ungültig machen?
       
       > In Russland wird das Parlament neu gewählt, das Ergebnis aber steht schon
       > fest. Für Kriegsgegner ist es eine schwere Zeit, doch drei Optionen haben
       > sie noch.
       
 (IMG) Bild: Was tun? Die Tafel wirbt für die Partei Einiges Russland im Vorfeld der anstehenden Parlamentswahl
       
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       [2][Novaya Gazeta Europe] öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach
       Russland. Den ganzen Text [3][lesen Sie hier auf Russisch]. 
       
       Vom 18. bis 20. September 2026 [4][wählt Russland eine neue Staatsduma].
       Für Kriegsgegner ist es eine schwere Zeit. Der Sieg der Kremlpartei steht
       bereits fest, und die föderale Liste von der Partei Jabloko wurde von der
       Wahl ausgeschlossen. Sie war die einzige Partei, die sich gegen den
       Angriffskrieg in der Ukraine ausgesprochen hat. Es ist die erste Wahl seit
       Beginn der russischen Großinvasion in die Ukraine.
       
       Alle anderen zur Wahl zugelassenen Parteien sind für eine Fortsetzung der
       sogenannten „militärischen Spezialoperation“. Die schon im Parlament
       vertretenen Parteien unterstützen den Kremlkurs nahezu geschlossen. Die
       wenigen Kandidaten, die gegen den Krieg sind und in einzelnen Wahlkreisen
       antreten, stehen landesweit unter ständigem Druck.
       
       Wähler, die gegen den Krieg sind, stecken in einer Zwickmühle. Sollen sie
       den Wahlzettel ausfüllen oder der ohnehin vollständig vom Kreml
       kontrollierten Duma-Wahl fernbleiben? [5][Novaya Gazeta Europe] hat die
       wichtigsten Strategien zusammengestellt.
       
       Option 1: Jabloko wählen und den Stimmzettel für die Parteiliste ungültig
       machen 
       
       Jabloko ruft seine Anhänger dazu auf, am letzten Wahltag, dem 20.
       September, persönlich und mit einem Papierstimmzettel zu wählen. Wo noch
       Jabloko-Kandidaten in Direktwahlkreisen antreten, sollen diese unterstützt
       werden. Den Stimmzettel für die Parteiliste empfiehlt die Partei hingegen
       ungültig zu machen, indem mehrere Parteien angekreuzt werden.
       
       Jabloko begründet den Schritt damit, dass die Parlamentsparteien zentrale
       Entscheidungen des Kremls, darunter den Krieg, repressive Gesetze und
       Einschränkungen der Bürgerrechte, geschlossen unterstützt haben. Zugleich
       wächst der Druck auf Jabloko-Kandidaten: Bislang wurden bereits 19
       Direktkandidaten von der Duma-Wahl ausgeschlossen. 118 Kandidaten treten
       noch in 47 Regionen Russlands an.
       
       Option 2: Jede Partei außer Einiges Russland wählen 
       
       Zunächst unterstützten Julia Nawalnaja und der Fonds zur
       Korruptionsbekämpfung Jabloko als einzige Partei mit einer öffentlich
       erklärten Friedensposition. Nach dem Ausschluss der Jabloko-Liste änderten
       sie ihre Strategie: In den Direktwahlkreisen empfehlen sie, den Vorschlägen
       des „Smart Voting“ zu folgen. Bei der Listenwahl hingegen raten sie dazu,
       für jede Partei außer Einiges Russland zu stimmen. Sie ist Staatspartei und
       hat in der Staatsduma die absolute Mehrheit.
       
       Laut Nawalnaja sollte der Ausschluss Jablokos auch die Wähler demotivieren
       und vom Urnengang abhalten. Genau darauf dürfe man sich jedoch nicht
       einlassen, so Nawalnaja.
       
       Auch der Oppositionspolitiker Maxim Katz hält einen Boykott für einen
       Fehler, da eine niedrige Wahlbeteiligung den Behörden zugutekommt. Er
       empfiehlt je nach Wahlkreis entweder den stärksten Gegner des Kandidaten
       von Einiges Russland oder den politisch akzeptabelsten Kandidaten – und
       Jabloko dort, wo dessen Kandidaten noch antreten. Der Journalist Dmitri
       Kolesew argumentiert ebenfalls, dass der Kreml ein Interesse daran habe,
       möglichst viele oppositionell eingestellte Wähler von der Wahl
       fernzuhalten.
       
       Die Politikwissenschaftlerin Jekaterina Schulmann betrachtet die Wahl
       weniger als Wettbewerb um Duma-Mandate als vielmehr als Test der Loyalität
       gegenüber der Staatsführung. Für die Organisatoren sei vor allem der
       Stimmenanteil von Einiges Russland entscheidend. Jede Stimme für eine
       andere Partei senkt somit den demonstrierten Rückhalt für die Regierung.
       
       Option 3: Die „Wahl“ boykottieren 
       
       Das von Garri Kasparow mitgegründete Forum Freies Russland bezeichnet die
       Abstimmung als „Farce“, die politischen Wettbewerb vortäuschen und die
       bestehende Staatsführung legitimieren soll, einschließlich der Abstimmung
       in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine.
       
       Das Forum argumentiert, eine Teilnahme stärke das Regime, statt es zu
       schwächen. Die russische Opposition solle sich stattdessen auf die
       Unterstützung der Ukraine und eine Niederlage des Putin-Regimes
       konzentrieren.
       
       Russland wählt, aber was steht wirklich zur Wahl? [6][Im Podcast „Freie
       Rede“] erklärt Arnold Chatschaturow, Redakteur bei Novaya Gazeta Europe,
       warum die Duma-Wahl für den Kreml mehr als nur eine politische Inszenierung
       ist. Sie dient vor allem als Test, wie viel Macht Putin noch hat.
       
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       16 Sep 2026
       
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