# taz.de -- Schlafhygiene: Flutlicht im Schlafzimmer
> Wenn der neue Tag da ist, will ich das mitbekommen, statt ihn in einer
> dunklen Höhle zu verschlafen. Gefährde ich meine Gesundheit?
(IMG) Bild: Das Licht vor unseren Fenstern, gefühlt zumindest
Wenn ich schlafen gehen muss, bin ich meistens ein bisschen enttäuscht.
[1][Ich würde viel lieber noch länger lesen, rumräumen, malen,] die nächste
Folge der Thrillerserie schauen. Die Stunden, die ich gezwungenermaßen mit
geschlossenen Augen rumliegen muss, fühlen sich wie Verschwendung an. Die
Vorhänge in meinem Schlafzimmer sind deshalb cremeweiß. Wenn der neue Tag
da ist, will ich das mitbekommen, statt ihn in einer dunklen Höhle zu
verschlafen.
Genau das wäre aber gesünder, haben Forscher:innen der Tulane University
in New Orleans herausgefunden: in einem absolut dunklen Zimmer schlafen.
Denn Licht im Schlaf, sogar in geringen Mengen, schadet dem Herzen, lese
ich in der im [2][European Heart Journal erschienenen Studie]. Die
Forscher:innen haben sofort meine Aufmerksamkeit.
Für die Untersuchung trugen die 11.017 Teilnehmer:innen eine Woche lang
einen Lichtsensor um ihr Handgelenk, So sollte evaluiert werden, wie viel
Licht die Probanden über Nacht abbekommen. Bei manchen waren es 0 Lux, sie
schliefen also in kompletter Dunkelheit, andere Teilnehmende waren 3 Lux
ausgesetzt. Das entspricht einem leuchtenden Handybildschirm auf dem
Nachttisch oder dem Licht, das durch einen Türspalt fällt.
Nach drei Jahren wurden die Herzen aller Proband:innen anhand von
MRT-Bildern untersucht. Bei den Teilnehmer:innen, die mehr Licht ausgesetzt
waren, hatte sich die linke Herzkammer vergrößert, die Herzwand war dicker
und die Pumpfunktion des Herzens hatte abgenommen.
Ich lese das und bin entsetzt. Vergangenen Winter, als Berlin wochenlang
unter einer Eisdecke lag, reflektierte der Schnee das Licht der
Straßenlaternen so stark, dass ich im Bett lag und dachte, jemand hätte
eine Flutlichtanlage vor meiner Tür installiert.
Vielleicht sollte ich doch etwas an meiner Schlafhygiene ändern, denke ich
und suche online nach verdunkelnden Rollos. Solche, die auf der
Fensterseite mit einer lichtundurchlässigen Folie bezogen sind und bisher
Beklemmungen in mir auslösten.
Muss ich mir jetzt Sorgen um mein Herz machen, weil es bei mir nachts nicht
dunkel wird? Ich telefoniere mit Ingo Fietze, er leitet das
[3][Interdisziplinäre Schlafmedizinische Zentrum der Berliner Charité] und
bereitet gerade eine Studie zu den Auswirkungen von Licht auf den Schlaf
vor. Wer schlecht schläft, hat einen höheren Puls und einen höheren
Blutdruck, und das belastet das Herz, erklärt Fietze.
Ein abgedunkeltes Zimmer sei daher wichtig für gesunden Schlaf, genauso wie
eine ruhige Umgebung. Da gebe es mit maximal 30 Dezibel einen Grenzwert,
bei Licht sei das noch nicht der Fall.
Trotzdem sollte man die Ergebnisse der Studie als junge, gesunde Schläferin
nicht zu eng sehen, beruhigt mich Fietze. Er verweist auf den
Altersdurchschnitt der Proband:innen, der sei relativ hoch – 61,1 Jahre
waren die Studienteilnehmer:innen im Schnitt. „Wenn man nur bei
jungen, gesunden Schläfer:innen messen würde, würde sich das Licht nicht
aufs Herz auswirken“, glaubt Ingo Fietze.
Herzkranke Menschen sollten aber unbedingt auf den Schlaf achten, sagt der
Schlafforscher, statt nur über die zurückgelegten Schritte und die
Ernährung nachzudenken.
Ich lösche das Verdunkelungsrollo aus meinem Onlinewarenkorb. Aber wenn
wieder Schnee liegt, werde ich es mit einer Schlafmaske versuchen.
5 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://nationalgeographic.de/wissenschaft/2021/03/revenge-bedtime-procrastination-der-ewige-schlafaufschub/
(DIR) [2] https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehag563/8770409
(DIR) [3] https://schlafmedizin.charite.de/
## AUTOREN
(DIR) Sophie Fichtner
## TAGS
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