# taz.de -- Actionfilm „Runner“: Kloppen war früher besser
       
       > Im Actionthriller „Runner“ gehen zwei ungleiche Kuriere auf gefährliche
       > Mission. Der Film nimmt sich kaum ernst, ist nostalgisch und
       > unterhaltsam.
       
 (IMG) Bild: Auch dem Vogel darf nichts passieren: Hank (Alan Ritchson) und Ben (Owen Wilson) in „Runner“
       
       Die 1980er und 90er sind seit Längerem so was von zurück (oder waren nie
       weg): in der Mode, [1][in der Musik (Robyn!)] und auch im Kino. Retrocharme
       und Erinnerungen verkaufen sich gut, sicher wegen der popkulturellen
       Sozialisation der Millennials, vielleicht manchmal auch, weil die Welt
       früher einfacher war. Scott Waugh scheint all das zu wissen, denn seine
       Adrenalin-Orgie „Runner“ ist ein Film gewordener Anachronismus, der wie
       direkt aus den 90ern hergebeamt wirkt.
       
       Darin arbeitet Ex-Navy-Seal – natürlich! – Hank (Alan Ritchson) als Runner,
       als Kurier für sensible bis zweifelhafte Frachten. Als der am Flughafen
       eine Spenderleber abholen soll, auf die im Krankenhaus von Brisbane ein
       sterbenskrankes Mädchen wartet, überschlagen sich die Ereignisse. Der
       medizinische Kurier Ben (Owen Wilson) labert ihm ein Kotelett an die Backe,
       bald schon knallt und kracht es, weil die örtliche Mafia unter Kartellboss
       Damián (Rodrigo Santoro) samt der angeheuerten, durchtätowierten Biker-Gang
       ebenfalls Interesse an dem unbezahlbaren Organ hat.
       
       Damit ist man schon mittendrin in einer Geschichte, die auf einen
       Bierdeckel passt und in keinerlei Hinsicht Gefangene macht. Dieser Hank,
       gespielt von einem hulkmäßig riesigen Alan Ritchson, hat – klar! – eine
       schwierige Vergangenheit und ist alles andere als der „sanfte Riese“, wie
       sein Boss ihn nennt. Der wortkarge Mann vermöbelt, erschießt oder ersticht
       seine Gegner mit einem Fahrradsattel, dass die Bruce Willis, Sylvester
       Stallones und [2][Jason Stathams] dieser Welt vor Freude Pipi in den Augen
       bekämen. Dass er einmal sogar wörtlich als „großer amerikanischer
       Actionheld in Topform“ bezeichnet wird, ist einer von nicht wenigen Winken
       mit der Bazooka.
       
       „Runner“ nimmt sich selbst nicht sehr ernst und bedient sich ohne große
       Erneuerungsambitionen im Handwerkskasten des klassischen
       Jungs-Action-Kinos. Klar geben Hank und Ben ein ungleiches Buddycouple ab,
       und klar ist da mit Damián ein angemessen fieses Antagonisten-Arschloch mit
       Mutterkomplex. Man kann das alles unterkomplex oder doof finden in seiner
       überaffirmativen Überdrehtheit samt emotionalisierendem Sounddesign und
       Rockmusik bei den Kampfszenen. Aber hey: Spaß macht dieser Quatsch doch
       allemal!
       
       ## Hier wirkt alles noch handgemacht
       
       Ohne wirkliche Erholungspausen jagen die beiden Helden im Jeep entlang der
       Gold Coast durch die Hauptstadt des australischen Bundesstaates Queensland,
       auf die der Film ganz nebenbei Lust macht – vielleicht das nächste
       Reiseziel? Ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Mädchen droht zu sterben,
       die Bösen die Überhand zu gewinnen und das Organ in der beschädigten
       Kühlbox einzugehen.
       
       Retro ist in „Runner“ dabei vor allem auch die Action, und zwar im besten
       Sinne. Hier wirkt alles noch analog handgemacht, zerschellen und
       explodieren echte Autos auf echten Straßen – ein schöner Kontrapunkt gegen
       die in ihrer Unermesslichkeit und Künstlichkeit oft ermüdend drögen
       CGI-Schlächter im Blockbuster-Franchise. Heraus sticht vor allem eine
       Verfolgungsjagd gegen Ende, bei der die Kamera zwischen den rasenden
       Karosserien hin und her wechselt und eine erstaunliche Unmittelbarkeit
       erzeugt.
       
       Auch der Showdown ist ein analoges Spektakel alter Schule. Wer schon immer
       mal wissen wollte, wie man das Innere eines Krankenhauses akkurat zerlegen
       kann, dem sei „Runner“ ebenfalls ans Herz gelegt. Scherben, zertrümmerte
       Türen und Wände, eine blutverschmierte Klopperei bis auf die Knochen. Alles
       dabei und so schön übersichtlich mit klaren Fronten und Motivationen. Schon
       verrückt, wie viel Nostalgie nach leichter zu fassenden Zeiten so ein
       unterhaltsamer Actionkalauer mit triggern kann.
       
       21 Sep 2026
       
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