# taz.de -- Thriller „Shadow Chase“ mit Jackie Chan: Er versteht noch old school zu agieren
       
       > Regisseur Larry Yang hat seinen Actionthriller „Shadow Chase“ dem Star
       > Jackie Chan auf den Leib geschrieben. Nun erscheint der Film als
       > Video-on-Demand.
       
 (IMG) Bild: Der Bulle alter Schule (Jackie Chan) und die Nachwuchspolizistin (Zhang Zifeng) in „Shadow Chase“
       
       Die glorreichen Tage des Hongkong-Kinos sind lange vorbei. Manche der
       großen Regisseure aus besseren Zeiten, wie Tsui Hark oder Dante Lam, filmen
       heute erschreckend willig heroische Epen im Dienst der festlandchinesischen
       Industrie. [1][John Woo pendelt, vom Glück verlassen, seit einigen Jahren
       zwischen Hollywood und der Heimat]. Ringo Lam ist tot, Johnnie To hat seit
       sieben Jahren keinen Film mehr gedreht.
       
       Und selbst der Stern des lange populärsten Schauspielers in Hongkong,
       Jackie Chan, ist trotz vollständiger Anpassung an die KP-Ideologie seit
       langem am Sinken. Die angestrebte Wende vom Slapstick- und
       Martial-Arts-Helden zu ernsteren Rollen hat nicht richtig geklappt. Was
       nicht überrascht: So unfassbar virtuos beweglich sein Körper auch war, eine
       Kunst des Ausdrucks für sich, so limitiert waren und blieben seine
       Darstellungskünste.
       
       Zu seinem Glück kam dann Larry Yang, 1981 in China geboren, mit Abschlüssen
       in Edinburgh und Peking. Ein talentierter Drehbuchautor und Regisseur, wenn
       auch kein ganz großer Meister. Aber ein riesiger Fan Jackie Chans. Gleich
       zwei Filme und Rollen hat Yan dem verehrten Helden auf den alternden Leib
       geschrieben. Erst, 2023, „Ride On“, die etwas sentimentale Geschichte eines
       verschuldeten Stuntmans und seines treuen Pferds, das ihm die
       Schuldeneintreiber zu nehmen versuchen.
       
       Und nun „Shadow Chase“, einen Actionthriller, der das Alter des nun über
       siebzigjährigen Helden ausdrücklich thematisiert. Im Kern ist der Film ein
       Remake eines Hongkong-Films, und zwar des Thrillers „Eye in the Sky“ aus
       dem Jahr 2007. Weite Teile des damals schon ziemlich komplizierten
       Bankräuber-Plots sind direkt aus dem Original übernommen, wenn auch im
       Update auf die Kryptowährungsgegenwart noch einmal verkompliziert.
       
       Sogar Tony Leung Ka-Fai spielt, deutlich gealtert, wieder die
       Gangsterfigur, die nun den Namen „Shadow“ bekommt. (Dieser Tony Leung ist
       „Big Tony“, nicht zu verwechseln mit dem Namensvetter aus „In the Mood For
       Love“, „Little Tony“ – der ist gerade in [2][Ildikó Enyedis schönem
       Baumfilm „Silent Friend“] in deutschen Kinos zu sehen.)
       
       ## Den Martial-Arts-Nahkampf noch nicht verlernt
       
       Neu ist der Schauplatz, nämlich nicht mehr Hongkong, sondern die andere,
       portugiesisch geprägte Ex-Kolonie Macao, deren Reize zwischen spektakulären
       Neubauten, riesigen Hochhausriegeln und alten Gassen der Film nach allen
       Regeln der Kunst auszubeuten versteht. Hinzugefügt ist aber vor allem die
       Rolle, die Jackie Chan spielt. Der Gangster, und mehr noch seine von ihm
       einst adoptierte Schar von Hacker- und High-Tech-Kids, haben bei einem
       Diebstahl die neuesten Überwachungssoftware- und KI-Techniken der Polizei
       übertölpelt.
       
       Darum braucht es jemanden, der noch old school zu agieren versteht:
       Auftritt Jackie Chan, als aus dem Ruhestand geholter Ex-Polizist, der nun
       die Jugend in Analogtechnik schult. Das sind einerseits koordinierte
       Verfolgungs- und Beobachtungskünste. Andererseits hat er trotz aller
       O-Beinigkeit auch den Martial-Arts-Nahkampf noch nicht verlernt. Und
       bekommt, vom gnädig flott agierenden Schnitt sehr unterstützt, ausgiebig
       Gelegenheit, sein Können noch einmal vorzuführen.
       
       Erzählt wird für die jüngeren Generationen auch die Geschichte einer
       Nachwuchspolizistin (Zhang Zifeng), die sich erst über [3][„Gaslighting“]
       beschwert und dann ihrerseits reichlich Gelegenheit zur Bewährung bekommt.
       Atemberaubend ist die Einstiegssequenz, absoluter State of the Art der
       Action am Draht. Danach spürt man immer mal wieder die zum Original
       hinzugefügten vierzig Zusatzminuten, aber es ist durchweg eine Freude,
       Jackie Chan und Tony Leung als frisch geölte siebzigjährige Blitze über die
       Jugend triumphieren zu sehen.
       
       5 Feb 2026
       
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