# taz.de -- Actionfilm „Masters of the Universe“: Erst reden, dann zuschlagen
       
       > „Masters of the Universe“ will die klassischen Actionfilmregeln
       > unterlaufen. Doch Superheld He-Man muss irgendwann vom Wort zum Schwert
       > wechseln.
       
 (IMG) Bild: Superheld He-Man im rosa Hemd mit seinen Mitstreitern: die „Masters of the Universe“ im Einsatz
       
       „Masters of the Universe“ beginnt mit den ganz großen Fragen. Schafft auch
       der männliche Teil der Welt es, zu mehr als Draufhauen als
       Konfliktstrategie zu finden? Eigentlich eine interessante Frage, zumal im
       Actionfilm, dessen ganze Logik allzu oft auf der Faszination von in mehr
       oder weniger fadenscheinige Handlung eingebetteter, schnell montierter
       Gewalt aufbaut.
       
       Travis Knights „Masters of the Universe“ greift die hypermaskuline
       Legendenwelt der Action-Puppen um He-Man und Konsorten aus den frühen
       1980er Jahren auf. Es ist der zweite Film aus dem [1][Relaunch der
       Filmproduktion des Puppenherstellers Mattel nach dem Megaerfolg von Greta
       Gerwigs „Barbie“ (2019)]. Knight nähert sich dem He-Man-Universum, das
       Anfang der 1980er Jahre eine damals sehr zeitgeistige Mischung aus
       Fantasiewelt und Steroid-Body-Building-Kultur aufgriff, mit einem ebenso
       naheliegenden, wie in der Umsetzung dennoch überraschenden Schritt: dem in
       die Meta-Debatte.
       
       „Masters of the Universe“ zeigt, beginnend mit der Kindheit, den Werdegang
       seines Protagonisten. Adam, der erst später zu He-Man werden soll, findet
       es deutlich attraktiver, mit seinem sprechenden Tiger Cringer zu spielen,
       als fortwährend sich den Erniedrigungen des Kampftrainings zu unterziehen.
       Doch zu Adams Leidwesen gehört Kampftraining durch Duncan, den Anführer der
       königlichen Leibgarde, zu den Kernbeschäftigungen eines heranwachsenden
       Prinzen von Eternia.
       
       Adam kann nicht kämpfen und will nicht kämpfen. In dieser Hinsicht dürfte
       es für ihn sogar eine Erleichterung sein, dass kurz darauf Skeletor und
       seine böse Gefolgschaft Eternia erobern. Adam kann als Einziger durch ein
       magisches Portal in die Heimat seiner Mutter, die Erde, entkommen.
       Unpraktischerweise kommt ihm beim Sturz durch das Portal das magische
       Schwert abhanden, das die Macht von Schloss Greyskull, dem Familiensitz von
       Adams Familie, birgt und ihm die Möglichkeit gibt, zurückzukehren.
       
       ## Er ist in der Lage, Konflikte verbal zu lösen
       
       15 Jahre verbringt Adam (nun als Erwachsener: Nicholas Galitzine) auf der
       Erde und führt ein alltägliches Leben. Er teilt sich eine Wohnung mit einem
       Mitbewohner, der als emotionales Ventil heimlich Schnulzen auf dem Sofa der
       WG guckt, und arbeitet in einer Personalabteilung, wo er Konflikte
       schlichtet. Knight zeigt Adam als muskelbepackten Mann, der jedoch dem
       visuellen Klischee zum Trotz in der Lage ist, Konflikte verbal zu lösen und
       Zugang zu seinen Emotionen hat.
       
       Dass dieses Gegenbild in einem geradezu ikonisch aufgeladenen rosafarbenen
       Hemd, das Adam trägt, ebenfalls zum Klischee gerinnt, kann man dem Film je
       nach Haltung des*der Zuschauer*in nachsehen oder als Vorbote kommender
       Probleme des Films sehen.
       
       Jedenfalls: Die Sehnsucht nach seiner Familie und die Suche nach dem
       verlorenen Schwert lassen Adam nicht los. Die Wände seines Zimmers sind
       übersät mit Zeichnungen, und in seiner Erinnerung hat er den Helden seiner
       Kindheit Namen gegeben, die ihre Kampfkräfte auf den Punkt bringen. Die
       Suche nach dem Schwert jedoch scheint aussichtslos, bis er eines Tages
       einen Hinweis auf einen Rollenspielladen bekommt, in dem das Schwert Teil
       einer Ausstellungsfigur ist. Als dann noch seine Kindheitsfreundin Teela
       (Camilla Mendes) auftaucht, als Adam auf einer Stadtautobahn von einem
       felligen Fantasiewesen angegriffen wird, ist der Weg nach Hause offen.
       
       ## Entgegen der klassischen Ikonografie eines Actionhelden
       
       Etwa das erste Drittel des Films funktioniert der Versuch Knights und des
       Drehbuchteams aus Chris Butler, den Brüdern Aaron und Adam Nee und David
       Callaham (der auch an allen drei Expendables-Filmen sowie [2][Patty Jenkins
       „Wonder Woman 1984“] mitschrieb), Adam/He-Man gegen den Strich zu bürsten,
       trotz einiger Grobschlächtigkeit, durchaus. Drehbuch und Inszenierung
       zeigen Adam als knuffigen Antihelden, mit einem Männlichkeitsentwurf, der
       der klassischen Ikonografie eines Actionhelden entgegensteht.
       
       Doch die Ikonografie He-Mans war eben immer schon etwas anders. Zwar griff
       die erste Live-Action-Verfilmung von 1987 von Gary Goddard für die
       B-Film-Produktionsfirma Cannon Group eher das Klischeebild vom
       muskelbepackten Helden auf (Dolph Lundgren, damals Darsteller von He-Man,
       hat im aktuellen Film einen kurzen Cameo-Auftritt), die bereits zuvor
       entstandene Animationsserie „Masters of the Universe“ wurde jedoch früh
       auch in ihrer Offenheit für schwule Lesarten entdeckt. Die Welt aus
       halbnackten, muskelbepackten, schwitzenden Männern in Lederharnessen und
       die Doppeldeutigkeiten von Schwertern als Metaphern für Penisse führten zu
       einer lebendigen Fan-Kultur.
       
       Das Drehbuch zum aktuellen Film greift diese Lesarten in einer Sprache
       voller sexueller Doppeldeutigkeiten auf, macht an den Ursprung dieser
       Lesart in schwuler Popkultur aber nur das Zugeständnis, Adam das Love
       interest in Gestalt seiner Kindheitsfreundin Teela zu verwehren.
       
       ## Männer bleiben am Ende einfach Männer
       
       Und auch in Sachen progressivere Männlichkeit sind es dieses Mal die guten
       Vorsätze, die im magischen Portal, das Adam zurückbringt nach Eternia,
       verloren gehen. Das rosa Hemd und Adams Überzeugungen, dass Konflikte
       anders zu lösen sind als durch Gewalt, taugen jetzt nur noch für Lacher.
       Und auch sonst entscheidet sich der Film mit der Rückkehr nach Eternia und
       der Konfrontation mit Skeletor wieder für klassischere Formen der
       Figurenzeichnung.
       
       „Masters of the Universe“ kehrt zu einem manichäischen Kampf Gut gegen Böse
       zurück und blinkt in Richtung Retro-Mode mit einem Soundtrack, der einem in
       endlosen Gitarrenthemen mit viel Flanger und Delay den Geist der 1980er
       Jahre einem mit so viel Appeal entgegenhaucht, als hätte man am Morgen nach
       einer Party aus Versehen in einen vollen Aschenbecher geatmet.
       
       Das rosa Hemd und der Gegensatz Reden – Zuschlagen wandeln sich in „Masters
       of the Universe“ von einem Bild, das zumindest verkürzt auf eine Kritik an
       patriarchalen Männlichkeitsformen verweist, zu einem sinnentleerten Running
       Gag. Dieser legt offen, dass schon die Kritik im ersten Teil zu kurz griff.
       [3][Feministische Theoretikerinnen wie bell hooks] haben wiederholt darauf
       hingewiesen, dass die Auseinandersetzung mit Männlichkeiten individuell und
       gesellschaftlich sein muss.
       
       Das Drehbuchteam von „Masters of the Universe“ verweigert diesen Schritt
       und belässt Adams Hadern mit einer „Heldenmännlichkeit“ im Bereich des
       privaten Spleens. Doch – in Paraphrase des wohl meist zitierten
       Horkheimer-Diktums: Wer vom Patriarchat nicht reden will, soll auch von der
       Männlichkeit schweigen. Darin begegnen sich denn auch große Teile jener
       schwulen Fan-Fiction, die der Film halbherzig als subkulturelles Gegenbild
       aufgreift, mit dem Mainstream-Appeal des He-Man-Franchises überhaupt.
       
       Am Ende wird man sich als Zuschauer*in selbst entscheiden müssen, ob man
       eher den inkonsequenten Versuch würdigen möchte, das gegenwärtige
       Actionfilm-Einerlei zu durchbrechen und das Genre einer anderen
       Männlichkeitskonstruktion zu öffnen, oder ob man von der Inkonsequenz und
       dem Sturz in die Ridikülisierung abgestoßen wird. Im ersten Fall ist
       „Masters of the Universe“ einen Gang ins Kino durchaus wert, im letzteren
       guckt man vielleicht doch lieber was anderes.
       
       So oder so: Versuch und Scheitern in „Masters of the Universe“ umreißen
       präzise Handlungsspielraum und Grenzen einer politischen Öffnung des
       kommerziell wichtigsten Mainstream-Genres der Gegenwart, des
       Superheldenfilms. Diversitätsstrategien dienen hier lediglich der
       Erweiterung des Feldes möglicher Zuschauer, ohne die Balance einer
       Abstrahlung progressiver Konzepte in den Mainstream auch nur zu versuchen.
       
       3 Jun 2026
       
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