# taz.de -- Agrarexperte über Lebensmittel: „Konventionelle Produkte müssen teurer werden“
> Landwirtschaftliche Bio–Kleinbetriebe müssen sich zusammenschließen. Aber
> das alleine hilft noch nicht, sagt Agrarexperte Michael Böhm.
(IMG) Bild: Gut für die Gesundheit und für die Umwelt auch: Apfelsaft aus Streuobst
taz: Herr Böhm, eine gemeinsame Verkaufsplattform für Kleinproduzenten von
Streuobstwiesen: Ist das ein Zusammenschluss mit Zukunft?
Michael Böhm: Kooperation ist ein ganz wichtiges Instrument, um
zukunftsfähig zu sein: Kooperation auf horizontaler Ebene, also unter
landwirtschaftlichen Betrieben untereinander, Stichwort Mengenbündelung.
Aber auch vertikale Kooperationen zwischen Streuobstwiesenbesitzern,
Mostereien bis hin zum Verkaufspunkt. Das kann der Hofladen oder der
Lebensmitteleinzelhandel sein.
taz: Das Ministerium für Verbraucherschutz in Baden-Württemberg möchte
Rahmenbedingungen schaffen, die gewährleisten, dass 30 bis 40 Prozent der
landwirtschaftlichen Wirtschaftsfläche bis 2030 unter ökologischen
Bedingungen bewirtschaftet werden. Was für Rahmenbedingungen müssen das
sein?
Böhm: Das können Förderinstrumente sein, die dann genau da ansetzen, wo es
jetzt Schwierigkeiten gibt. Zum Beispiel beim Absatz über Kantinen,
Krankenhäuser und Schulen. Dem wurde über lange Zeit nicht so sehr
Augenmerk geschenkt. Kantinen brauchen oft verarbeitete Produkte. Und wenn
die in der Region verarbeitet werden, dann dienen diese
Verarbeitungsanlagen auch für andere Vertriebskanäle, zum Beispiel den
Lebensmitteleinzelhandel.
taz: Welche Rolle spielen der Discounter und der Lebensmitteleinzelhandel
inzwischen beim Vertrieb nachhaltiger Produkte?
Böhm: Der konventionelle Lebensmittelgroßhandel, zu denen Rewe, Edeka, aber
auch Drogeriemärkte gehören, spielt eine maßgebliche Rolle, [1][weil er
zwei Drittel des Biomarkt-Marktvolumens einnimmt.] Er ist eine wichtige
Vertriebsquelle.
taz: Verwässert der Discounter das Bioprodukt?
Böhm: Nein, er verwässert das Image insofern nicht, weil die meisten
Bioprodukte auch im Discount von den Bioverbänden zertifiziert sind und sie
ähnlichen Standards entsprechen wie ein Produkt, das ich im Hofladen kaufen
kann. Grundlage ist immer die EU-weit geltende Bioverordnung. Nur habe ich
im Hofladen Eigenschaften rund um das Produkt, die ich im Discounter nie
bekommen werde. Das ist Authentizität, die Nähe zum Erzeuger, oft auch
Exklusivität.
taz: Steigt denn das Umsatzvolumen der Direktvermarktung?
Michael Böhm: Hofläden und Automaten funktionieren besonders gut in
touristischen Gebieten. Ob die Direktvermarktung für Bio insgesamt eine
stärkere Bedeutung hat, haben wir uns im Zeitraum 2021 bis 2024 angeschaut
und da sind die Steigerungen des Umsatzes klar erkennbar. Die Umsätze
liegen inzwischen bei 10 Prozent des gesamten Bio-Markts.
taz: Die Produktion von Bio zielt ja auch auf eine Umgestaltung der
Landwirtschaft. Allein die Vernetzung der Produzenten wird aber zum
Beispiel die Streuobstwiesen nicht retten.
Michael Böhm: Stimmt. Es geht auch um die Honorierung der Umweltleistungen,
die ich als Erzeugerbetrieb in bestimmten Produktionsweisen habe. Und da
ist die Streuobstwiese ein gutes Beispiel, weil ich mit einem
Streuobstbetrieb mit Hochstammbäumen Umweltleistungen erbringe, die andere
Obstbauern in der Form nicht erbringen. Stichwort Artenvielfalt. Deshalb
sind wir der Meinung, [2][dass sehr viele landwirtschaftliche Produkte zu
billig sind angesichts der Umweltschäden, die sie generieren], oder der
nicht erfolgten Umweltleistungen. Und wenn ich das Preisgefüge anschaue,
dann ist es aus unserer Sicht nicht so, dass Bio billiger werden muss im
Einzelhandel, sondern die konventionellen Produkte müssten einen höheren
Produktpreis haben, wenn man die Umweltkosten, die sie verursachen,
einpreisen würde. Das wäre ein Durchbruch für all diejenigen, die regional
wirtschaften, weil sie dann konkurrenzfähiger werden gegenüber der
industriellen Fertigung.
24 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Edith Kresta
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