# taz.de -- Schulessen in Bremen: Doch nicht so bio
> Das Essen in Bremer Schulen und Kitas sollte bis 2025 zu 100 Prozent bio
> werden. Das wurde nicht erreicht. Trotzdem steht Bremen im Vergleich gut
> da.
(IMG) Bild: Bio oder nicht? Man sieht’s dem Schulessen nicht von außen an, weiß aber: Bremen hat seine Bio-Ziele nicht erreicht
Zu 100 Prozent biologisch soll es sein, regional angebaut und natürlich vor
allem: gesund – das waren die Ziele, die Bremen sich im 2018 beschlossenen
„[1][Aktionsplan 2025]“ für die Schulverpflegung gesetzt hatte. Nun zeigt
sich deutlich: Diese Ziele konnten nicht erreicht werden – nicht in den
Schulen und noch weniger in den Kitas.
2022 waren etwa [2][ein Viertel aller 5- bis 19-Jährigen in Deutschland
übergewichtig], acht Prozent litten an Adipositas. Übergewicht [3][in der
Kindheit] und Jugend kann sich ein Leben lang schädlich auf die Gesundheit
auswirken. Die Ernährung spielt eine [4][entscheidende Rolle] für die
kognitive Entwicklung, das Wachstum und die psychische Gesundheit von
Kindern. Antje Hebestreit vom Bremer Leibniz-Institut für
Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) sagt, dass gesundes
Schulessen maßgeblich dazu beitragen kann, ob Kinder lernen, gesund zu
essen: „Es ist einer der wichtigsten Hebel, die wir haben.“
Für das BIPS leitete Hebestreit die erste systematische Untersuchung des
Schulessens in Bremen. Hintergrund dieser Untersuchung ist der 2018 vom
Bremer Senat beschlossene „Aktionsplan 2025“. Ausgehend von nur 20 Prozent
Bio-Anteil in den städtischen Essen wollte Bremen diesen Anteil stufenweise
bis 2025 auf 100 Prozent erhöhen. Im Netzwerk der Biostädte, in dem Bremen
seit 2015 mit 30 anderen Städten ist, war Bremen die einzige Stadt mit
einem [5][100-Prozent-Ziel]: Berlin setzte sich 50 Prozent, Freiburg 30
Prozent, Münster nur 20 Prozent Bio-Anteil in den Schulessen als Ziel.
Bremen wurde aufgrund dieses Vorhabens 2024 von der EU als [6][„beste
Bio-Stadt“] Europas ausgezeichnet.
Dabei zeigte schon der [7][Zwischenbericht 2024], dass Bremen seine Ziele
nicht erreichen wird. Im Abschlussbericht des Projekts vermeldet Bremen nun
65 Prozent statt der angestrebten 100 Prozent Bio-Anteile im Schulessen.
Viele andere Städte erreichten ihre Ziele, Münster und Karlsruhe übertrafen
diese sogar. Doch auch wenn Bremen die 100 Prozent nicht erfüllt hat, liegt
die Stadt deutlich über dem Durchschnitt: Berlin vermeldete lediglich 50
Prozent Bio-Anteile (in Grundschulen), Freiburg und Münster 30 Prozent.
Was die Verpflegung von Kitas angeht, liegt Bremen mit 35 Prozent
Bio-Anteil im Vergleich mit 14 anderen „Biostädten“ im Durchschnitt.
Bremerhaven, das dem Aktionsplan 2025 nicht angehörte, schafft im
Durchschnitt nur sieben Prozent Bio-Anteile bei städtischen Essen.
Die BIPS-Studie zeigt zudem, dass 57 Prozent der städtischen Essen in
Bremen den gängigen Empfehlungen für gesunde Ernährung entsprechen, bei
vegetarischen Menüs 62 Prozent. Das sei deutlich weniger als das, was
möglich wäre, so das BIPS.
Allerdings dürften diese Daten aufgrund der unklaren Datenlage nicht
wirklich genau sein. Es fehlt nämlich eine einheitliche Methode zur
Erfassung der Bio-Anteile – manche berechnen diese nach der Menge, andere
nach ihrem monetären Anteil.
## Schlechte Vergleichbarkeit der Daten
Auch die Cateringanbieter liefern häufig nicht alle notwendigen Daten zur
Quantifizierung der Anteile. Zudem liegen nur eingeschränkte Informationen
darüber vor, wie regional die Lebensmittel tatsächlich sind – und
überhaupt: Was genau „regional“ bedeuten soll, schien nicht klar definiert
worden zu sein. Außerdem wurden die Daten, mit denen die Biostädte
verglichen wurden, zu unterschiedlichen Zeitpunkten erhoben: während
Bremens Daten aus dem aktuellen Abschlussbericht stammen, wurden [8][die
Daten der anderen Städte] im Januar/Februar 2024 erhoben.
Der Bremer Senat wertet die Ergebnisse des Aktionsplans dennoch
insbesondere aufgrund der Lernprozesse und der sich daraus etablierenden
Strukturen als Erfolg. Die Ziele des Aktionsplans sollen zukünftig
weiterverfolgt und sogar ausgeweitet werden. Bremen arbeitet seit 2025 an
einer [9][„Ernährungsstrategie“], um das gesamte Ernährungssystem
nachhaltiger, gesünder und gerechter zu gestalten. Diesmal zählt auch
Bremerhaven dazu.
15 Aug 2026
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(DIR) [8] https://www.oekolandbau.de/bio-fuer-die-region/bio-staedte/neue-zahlen-aus-den-biostaedten/
(DIR) [9] https://www.biostadt.bremen.de/biostadt/ernaehrungsstrategie-fuer-das-land-bremen-17089
## AUTOREN
(DIR) Amanda Böhm
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