# taz.de -- Hamburger Anwälte gegen rechts: Aufstand gegen den AfD-nahen Vorsitzenden
       
       > Die Mitglieder des Versorgungswerks der Hamburger Rechtsanwälte haben
       > ihren Vorsitzenden abgesägt: Er war mit rechtspopulistischen Positionen
       > aufgefallen.
       
 (IMG) Bild: Voll von Hass und Diffamierungen: von Julian Reichelt geführtes rechtsradikales Portal Nius
       
       Anfangs war der Vorsitzende des Versorgungswerks der Hamburger
       Rechtsanwälte noch erfreut, dass die diesjährige Mitgliederversammlung am
       14. September so großen Zulauf erhielt. Doch am Ende des Abends im Hotel
       Grand Elysée kippte Jörn Weitzmanns Stimmung: Zur eigenen Überraschung war
       der langjährige Vorsitzende abgewählt worden. Weil er immer häufiger durch
       rechtspopulistische und rassistische Kommentare in sozialen Medien
       aufgefallen war, sägten ihn die Hamburger Rechtsanwälte ab – 90 Prozent
       stimmten gegen eine Wiederwahl Weitzmanns.
       
       Fehler in der langjährigen Amtsführung waren ihm nicht vorgeworfen worden.
       Seit Februar 2005 führte Weitzmann das Versorgungswerk mit seinen rund
       12.000 Mitgliedern. Es verwaltet über eine Milliarde Euro, um die
       Altersrente für ihre Mitglieder aufzubauen. Stehen die
       Mitgliederversammlungen an, kamen früher um die 50 Mitglieder zusammen.
       Diesmal waren es mehr als 500, wie zuerst das Portal „Legal Tribune Online“
       (LTO) berichtete.
       
       Die Abwahl zeige, dass die Selbstverwaltung der Anwaltschaft stabil ist,
       sagt Oliver Islam. Der Anwalt hatte die Abwahl mit angeschoben. Als bei der
       Versammlung unter dem Tagesordnungspunkt 11a die Wiederwahl Weitzmanns
       anstand, ergriff sein Kollege Janwillem van de Loo das Wort und führte aus,
       er habe „überrascht“ wahrgenommen, wie sich Weitzmann bei LinkedIn und X –
       früher Twitter – präsentiert.
       
       Van de Loo hielt dem Vorsitzenden unter Applaus vor, regelmäßig die
       rechtsextreme AfD zu verharmlosen, Corona-Verschwörungsmythen zu
       verbreiten, die Abschaffung der Europäischen Union zu fordern und gegen
       queere Menschen zu hetzen.
       
       ## Jurist habe den Boden der Verfassung verlassen
       
       Die Vorhaltungen sind dokumentiert. Die Dokumentation umfasst über 75
       Seiten, die der taz vorliegen. Von März 2025 bis Mai 2026 sind Posts
       erfasst. Am 6. Dezember vergangenes Jahr etwa postete Weitzmann: „Die
       deutsche Brandmauer bröckelt – und das ist gut so. Der Meinungskorridor ist
       in Deutschland beunruhigend eng (…) Doch der Widerstand dagegen wächst.“ Im
       Mai wiederum repostete er einen Kommentar des rechtslastigen Autors Roland
       Tichy, der einen „Kniefall vor der Trans-Community und der Lobby der
       Geschlechtsumwandler“ beklagt. Ein paar Tage zuvor hatte er eine Aussage
       geteilt, nach der „jedes Recht auf Leben verwirkt“ hätte, wer Kinder quäle.
       
       Am 7. Mai dieses Jahres griff er einen Post von Stefan Homburg auf, der bei
       einem Corona-Symposium der AfD-Bundestagsfraktion auftrat. Im Post beklagt
       Homburg die Pandemiemaßnahmen und forderte, dass die „Verantwortlichen
       verurteilt werden“ müssten. Auch die Ansicht von Julian Reichelt, Chef des
       rechten Krawallportals „Nius“, teilte Weitzmann, wonach durch die
       „islamistische Macht“ das „christlich-abendländische Deutschland“ auf
       „Dauer nicht überleben“ würde.
       
       Anfangs versuchte Weitzmann, der als Fachanwalt für Insolvenzrecht tätig
       ist, noch den Vorhaltungen zu widersprechen und betonte, nicht rechts außen
       zu stehen. Solche Vorwürfe seien doch nur „Totschlagargumente“. Überzeugen
       konnte das aber nicht mehr: Bei der Wahl stimmten dann 431 Mitglieder gegen
       den Vorsitzenden und nur 36 für ihn. Der bisherige Vize Horst Bonvie wurde
       zum Vorsitzenden gewähnt.
       
       Weitzmann äußerte sich nach seiner Abwahl gegenüber LTO entrüstet. Er wehre
       sich „entschieden gegen das Etikett 'rechtsradikal’“. Hingegen betonte
       Rechtsanwalt Islam hinterher, die Anwaltschaft müsste sich wehren, wenn
       drohe, dass ihre Repräsentanten den Boden der Verfassung verlassen könnten.
       
       21 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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