# taz.de -- Beziehungen zwischen Kanada und der EU: Kanada möchte „engere Bande“ mit Europa
> Von der Leyen hat ein Assoziierungsabkommen mit Kanada vorgeschlagen.
> Dessen Premier Mark Carney begrüßt den Vorstoß. Trump ist erzürnt.
(IMG) Bild: Schon mal symbolisch näher zusammengerückt: Kanadas Premier Mark Carney und EU-Grünen-Fraktionschefin Terry Reintke
Selten war das Europaparlament so gut gelaunt wie beim Empfang von Mark
Carney. Kurz vor der Rede des kanadischen Premiers am Donnerstag in
Straßburg hatte US-Präsident Donald Trump neue Drohungen ausgestoßen. Doch
die Parlamentarier ließen sich davon nicht beeindrucken.
Sie machten Selfies mit dem blendend aufgelegten Ehrengast aus Ottawa.
Grünen-Fraktionschefin Terry Reintke hatte für den „historischen Moment“
ein rotes Canada-Trikot übergestreift. Die Fotografen liefen ihr hinterher,
Carney lächelte mit Reintke in die Kameras.
Was er dann sagte, war tatsächlich voller historischer Referenzen – sogar
Goethe erwähnte er. Doch wer auf Details zum neuen europäisch-kanadischen
Pakt gehofft hatte, den Carney mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
Leyen ausarbeiten will, wurde enttäuscht.
Anders als [1][von der Leyen am Vortag] sprach Carney in seiner immer
wieder von Beifall unterbrochenen Rede nicht von einer „assoziierten“
EU-Mitgliedschaft. Allerdings sagte er: „Wir begrüßen diesen Vorstoß.“ Die
Mehrheit der Kanadierinnen und Kanadier wolle „viel engere Bande“ mit
Europa.
Nach von der Leyens Rede hatte Trump die Idee als „Schwachsinn“ bezeichnet.
Auch EU-Diplomaten haben Zweifel. Im Europarecht ist eine Mitgliedschaft
„light“ nicht vorgesehen.
Aber eine Ambitionsstufe niedriger ist vieles möglich. Carney plädierte für
eine engere Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik, bei der
Energieversorgung, im Finanzwesen und beim Thema Industrie. „Wir haben 34
kritische Rohstoffe und jede Form von Energie“, warb er. Auch der
Studierendenaustausch soll weiter ausgebaut werden.
## Eine „Allianz der Zukunft“
Das Wichtigste seien aber die gemeinsamen Werte. „Wenn wir nicht gemeinsam
unsere Zukunft gestalten, dann werden dies andere tun – mit einem sehr
anderen Narrativ“, erklärte Carney. Es gehe darum, zusammen eine „Allianz
der Zukunft“ aufzubauen.
Das sei aber nicht gegen die USA oder andere Länder gerichtet, betonte der
Kanadier. Er schlage keinen dritten Block vor, der mit den Großmächten
rivalisieren solle. Gemeinsam mit Europa wolle Kanada „stark genug werden,
damit uns niemand dominieren kann“.
Dies war ein kaum verhohlener Seitenhieb auf Trump. Der MAGA-Mann hat
Kanada [2][in einen Handelskrieg verwickelt], Carney leistet energisch
Gegenwehr. Dies hat ihn zum Idol für viele Europäer gemacht, die sich auch
von der EU mehr Standhaftigkeit gegen Trump erhofft hatten. 2025 hat von
der Leyen einem ungleichen Handelsdeal zugestimmt, der für die USA
vorteilhafter ist als für die EU.
## Trump droht mal wieder
Nun droht womöglich ein neues Kräftemessen. Trump hatte den Europäern am
späten Mittwoch mit Strafen gedroht, falls die Pläne für eine assoziierte
EU-Mitgliedschaft umgesetzt werden. „Wenn sie das tun, werde ich das als
eine feindselige Handlung betrachten“, sagte Trump. Dann werde er „sehr
drastische Zölle erheben oder den Handel mit Europa in vielen Bereichen
einstellen“.
Carney wehrte auch diese Attacke ab. „Niemand wird uns vorschreiben, mit
wem wir international Vereinbarungen treffen dürfen“, sagte er in
Straßburg. Die Allianz mit Europa sei „eine positive Initiative, das ist
meine Antwort an den amerikanischen Präsidenten“.
Die EU reagierte wesentlich vorsichtiger. Die engere Verzahnung der
Partnerschaft mit Kanada richte sich nicht gegen andere, sondern diene der
gemeinsamen Stärke, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Man lasse sich
von Zolldrohungen nicht einschüchtern, hieß es in Paris.
Wie es nun weitergeht, ist unklar. „Aus Handelspartnern müssen jetzt auch
Zukunftspartner werden“, sagte der Chef des Handelsausschusses im
Europaparlament, Bernd Lange. Allerdings haben bisher nicht einmal alle 27
EU-Länder den Ceta-Freihandelsvertrag mit Kanada ratifiziert.
## Noch mehr sind auf der europäischen Warteliste
Für Partnerschaften mit Drittstaaten und neue Mitglieder sind die 27
EU-Staaten zuständig – die EU-Kommission kann nur Vorschläge machen, das
Europaparlament kommt normalerweise erst ganz zum Schluss ins Spiel. Neben
Kanada stehen [3][auch noch die Ukraine] und Moldau sowie die
Westbalkanstaaten auf der europäischen Warteliste.
Parlamentspräsidentin Roberta Metsola sagte, man dürfe keine Angst vor
neuen Ideen haben. Carney erklärte bei einer Pressekonferenz mit Metsola,
er warte jetzt auf Vorschläge der EU-Kommission. Von der Leyen hatte mit
ihrem Vorstoß offenbar auch ihn überrascht.
Ein erster Prüfstein dürfte der nächste EU-Kanada-Gipfel am 29. und 30.
Oktober sein. Dann wird sich auch zeigen, was die 27 Mitgliedstaaten von
dem Assoziierungsplan von der Leyens halten. Die deutsche Bundesregierung
hatte in einer ersten Reaktion am Mittwoch zurückhaltend reagiert. Berlin
begrüße zwar die Initiative für eine besonders enge Partnerschaft mit
Kanada, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius. Mit Blick auf eine
„assoziierte Mitgliedschaft“ ergänzte er: „Aber ich denke, wir sollten
über den Begriff auch noch mal nachdenken.“
17 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Von-der-Leyen-zur-Lage-der-EU/!6213636
(DIR) [2] /Zollstreit-zwischen-USA-und-Kanada/!6206303
(DIR) [3] /EU-Sonderstatus/!6180845
## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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