# taz.de -- Streit über Bahnstrecke Hamburg–Hannover: Nun also doch ein Neubau
> Union und SPD im Bundestag wollen den Bau einer neuen Bahnstrecke
> zwischen Hamburg und Hannover. Verkehrswendeaktivisten jubeln,
> Naturschützer protestieren.
(IMG) Bild: Endlich wird wieder Strecke gemacht: hier an der Bahntrasse Berlin–Hamburg
Es ist heutzutage selten, dass trotz massiver Widerstände der Bau einer
komplett neuen Bahnstrecke in Deutschland beschlossen wird. Ebenso
ungewöhnlich ist die Allianz, die nun jubelt: Von Wirtschaftsverbänden über
CDU-Lokalpolitiker:innen bis hin zu Klima- und
Verkehrswendeaktivist:innen wird die Einigung der
Verkehrspolitiker:innen von Union und SPD im Bundestag zum Bau einer
zusätzlichen Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover gefeiert.
Die vorhandene Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover macht einen
relativ großen Bogen über Lüneburg, Uelzen und Celle und gilt in Teilen als
völlig überlastet. Abhilfe schaffen soll deshalb eine zusätzliche Trasse,
[1][die ohne größeren Umweg und in weiten Teilen entlang der Autobahn 7
verlaufen soll, ehe sie bei Celle an die bestehende Strecke Richtung
Hannover angebunden wird.]
Mehrere Ziele würden damit erreicht, wie die Verkehrspolitiker:innen
der Koalition in ihrer Beschlussempfehlung für das Bundestagsplenum in der
kommenden Woche aufzählen: Die „bestehenden verkehrlichen Engpässe auf der
Bestandsstrecke“ würden aufgelöst; die Fahrtzeit im Fernverkehr würde sich
zwischen den beiden Städten um 18 Minuten auf unter eine Stunde reduzieren;
der Neubau würde die Region um die Städte Soltau und Bergen „erstmalig
direkt und schnell auf der Schiene an die Metropolen Hamburg und Hannover“
anbinden; außerdem würde die Trasse den sogenannten
„Seehafenhinterlandverkehr“ zum beziehungsweise vom Hamburger Hafen
stärken.
## Jahrzehntelanger Widerstand gegen Neubautrasse
„Die Koalition scheint erkannt zu haben, dass nur diese Neubaustrecke
endlich die notwendigen Entlastungen für Pendlerinnen und Pendler sowie den
Schienengüterverkehr auf der überlasteten Strecke Hamburg–Hannover schaffen
kann“, sagt Kay Rabe von Kühlewein vom Verkehrsclub Deutschland (VCD)
Niedersachsen. Auch in Hamburg und Hannover sowie entlang der überlasteten
Strecke ist die Freude groß.
Doch gibt es auch seit Jahrzehnten einen massiven Widerstand gegen den
Neubau: In der ganzen Region vom Landkreis Harburg im Norden hinunter durch
die Lüneburger Heide bis in den Landkreis Celle finden sich die meterhohen
rot-gelben Holzkreuze, die als Protestsymbol auf den Feldern stehen. Lokale
Bürger:inneninitiativen beklagen, dass Orte und Landschaften
zerschnitten würden. Auch der Naturschutzbund (Nabu) ist strikt gegen den
Neubau. „Eine leistungsfähige Bahn und Naturschutz dürfen nicht
gegeneinander ausgespielt werden“, sagt der Landesvorsitzende Holger
Buschmann.
Hinzu kommt: Die Gegner:innen fühlen sich betrogen. [2][In einem
langwierigen Prozess war 2015 ein Kompromiss zwischen den verschiedenen
Interessengruppen unter dem Schlagwort „Variante Alpha E“ geschlossen
worden,] der im Kern einen Ausbau der Bestandsstrecke vorsah. Auch deshalb
hatte, anders als die Koalitionspartner von den Grünen, die
niedersächsische SPD unter ihrem Ministerpräsidenten Olaf Lies zuletzt
massiv versucht, die nun erfolgte Entscheidung zu blockieren.
Diese Einigung sei jedoch veraltet, entgegnen die
Verkehrspolitiker:innen von der Union und der SPD in ihrem
Beschluss. „Nach dem heutigen Planungs- und Erkenntnisstand reicht ein
ausschließlich auf den Ausbau der Bestandsstrecken gestütztes Konzept
jedoch nicht aus, um insbesondere die erforderlichen Kapazitätssteigerungen
zu erreichen.“ Gleichwohl sollen derlei „Abstimmungsprobleme und
Missverständnisse“ künftig vermieden werden. Damit sich die Situation auf
der bestehenden überlasteten Strecke nicht erst mit der Fertigstellung der
neuen Trasse verbessert, soll die ohnehin für 2029 [3][anvisierte
Generalsanierung] durch die Deutsche Bahn ein „ergänzendes Maßnahmenpaket“
erhalten.
Die Kosten für das Neubauprojekt werden auf rund 8,8 Milliarden Euro
beziffert. Die nötigen Mittel für die weiteren Planungen sollen im
Bundeshaushalt 2027 bereits eingeplant sein. Bis zu einer Fertigstellung
der Strecke dürfte es allerdings noch mindestens bis in die 2040er-Jahre
dauern.
17 Sep 2026
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## AUTOREN
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