# taz.de -- Generalsanierungen auf der Schiene: Baupläne der Deutschen Bahn verzögern sich um Jahre
> Bahnchefin Palla will ehrgeizige, aber realistische Ziele verfolgen. 40
> Generalsanierungen bis 2036? Das war offenbar zu ehrgeizig. Was die DB
> nun plant.
(IMG) Bild: Die Sanierungen dauern länger, hier die Bahnstrecke Berlin–Hamburg im Jahr 2025
dpa | Die Deutsche Bahn fährt ihren Pünktlichkeitszielen hinterher,
Hauptgrund dafür ist nach Ansicht des Konzerns die marode Infrastruktur.
Nun wird klar: Das vielerorts baufällige Netz wird die Züge in Deutschland
wohl noch deutlich länger ausbremsen als zunächst gedacht. Denn die
Generalsanierung wichtiger Strecken wird nach Aussage von Bahnchefin Evelyn
Palla länger dauern.
Eine Überarbeitung des Konzepts habe gezeigt, dass vier solcher Sanierungen
pro Jahr zu viel seien, sagte Palla vor Journalisten in Berlin. Sie rechne
in Zukunft mit zwei, bei besonderen technischen Notwendigkeiten auch drei
Generalsanierungen pro Jahr. Das überarbeitete Konzept werde derzeit mit
dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt und solle bald vorgestellt werden.
Genaue Jahreszahlen wollte Palla nicht nennen.
Die Bahn hatte im zweiten Halbjahr 2024 zwischen Mannheim und Frankfurt
(Riedbahn) mit den Generalsanierungen begonnen. Das Konzept sah im Kern
mehrmonatige Vollsperrungen vor, damit nicht im laufenden Betrieb saniert
werden muss.
Für die Generalsanierungen wurden rund 40 Strecken ausgewählt. Ursprünglich
war das Ziel, Anfang der 2030er Jahre all diese Sanierungen abzuschließen.
Zuletzt war dann [1][von 2036 die Rede]. Nach der Überarbeitung des
Konzepts könnte es sein, dass die Sanierungen nicht mehr innerhalb der
2030er Jahre abgearbeitet werden können.
## Knackpunkt Sondervermögen für Infrastruktur
Als Gründe für die Anpassung nannte Palla neben Erfahrungen aus den ersten
Großbaustellen auch die Frage, wie viel Geld im Sondervermögen des Bundes
für alle Generalsanierungen in Summe zur Verfügung stehen wird. „Wir werden
die Anzahl der Korridorsanierungen pro Jahr an das Finanzierungsvolumen
anpassen“, sagte Palla. Zudem sei zuletzt deutlich geworden, dass vier
große Sanierungen die Kapazitäten im gesamten Netz zu sehr verringerten.
Neben der Riedbahn wurden die Strecken Emmerich–Oberhausen,
[2][Hamburg–Berlin], Hagen–Wuppertal–Köln und Nürnberg–Regensburg
grundlegend saniert. Derzeit laufen Bauarbeiten auf den Verbindungen
Obertraubling–Passau und Troisdorf–Wiesbaden. Im Oktober starten zudem die
Arbeiten zwischen Berlin und Hannover (Berlin–Lehrte).
Bei den bisherigen Sanierungen kam es in einigen Fällen zu Verzögerungen,
auch das [3][Bauvolumen musste verringert werden]. Nach den
Wiedereröffnungen gab es teils viele Störungen. Auf einer Strecke in NRW
fiel erst nach der Sanierung auf, dass eine Brücke marode ist und nicht
mehr mit voller Last befahren werden kann.
Das Konzept gilt in der Branche im Kern als alternativlos, weil die
Infrastruktur jahrzehntelang nicht ausreichend in Schuss gehalten wurde und
auf manchen Strecken wohl nur eine radikale Sanierung mit Vollsperrung
hilft. Die Probleme bei den ersten Generalsanierungen haben aber auch zu
viel Kritik geführt. Der Verband der privaten Güterbahnen ärgert sich vor
allem über [4][zu lange Umwege für den Güterverkehr], der Interessenverband
Allianz Pro Schiene beklagt immer wieder gebrochene Versprechen beim
Bauvolumen.
## Palla: Umleiterstrecken vor Sanierung besser vorbereiten
„Die Korridorsanierungen mit mehrmonatigen Vollsperrungen dürfen nicht zum
Dauerzustand werden“, sagte Geschäftsführer Dirk Flege zu den neuen Plänen
der DB. „Bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts muss der Sanierungsstau
aufgelöst sein. Insofern kann der Zeitplan nicht beliebig gestreckt
werden.“
Palla kündigte an, dass Strecken nach grundlegenden Sanierungen künftig
nicht von einem Tag auf den anderen wieder mit voller Last in Betrieb
genommen werden. Man habe etwa aus der Sanierung Hamburg–Berlin gelernt,
„dass es keinen Stichtag gibt, an dem wir die Strecke aufmachen, und dann
funktioniert alles wie am Schnürchen“. Es brauche nach einer grundlegenden
Sanierung eine sogenannte Hochlaufphase.
Wichtig sei auch, dass die [5][sogenannten Umleiterstrecken] vor Beginn
einer Generalsanierung angemessen ertüchtigt seien für zeitweise deutlich
mehr Verkehr. Ein Beispiel ist hier die Korridorsanierung zwischen Berlin
und Hannover: Weil eine parallel verlaufende Strecke nicht rechtzeitig
elektrifiziert werden konnte, müssen die Fahrgäste 14 Monate lang einen
Umweg mit 80 Minuten mehr Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover hinnehmen.
„Es geht auch um das Thema, welches Leistungsversprechen wollen wir konkret
abgeben“, sagte Palla. „Welche Zustandsnote wollen wir erreichen? Welche
Baufreiheit garantieren wir? Das wird unterschiedlich sein dann, weil wir
auch nicht immer dasselbe machen“, so die Bahnchefin. Bei der Sanierung der
Infrastruktur sei es insgesamt wichtig, künftig die Bereiche Bauen und
Fahren besser in Balance zu bringen.
## Was die Bahnchefin in den kommenden Monaten noch plant
Die Südtirolerin [6][leitet den Bahn-Konzern] seit knapp einem Jahr. Für
die nächsten Monate hat sie neben Sanierung der Infrastruktur drei weitere
Schwerpunktthemen ausgemacht: die Sicherheit an Bahnhöfen und in den Zügen,
den Konzernumbau und eine neue Herangehensweise beim Fernverkehr. Dieser
solle wieder stärker „das Aushängeschild der Deutschen Bahn“ werden.
„Wir wollen das Produkt ICE auf ein neues Level heben“, sagte Palla.
Details wollte sie nicht verraten, es gehe aber nicht um sauberere Züge
oder eine funktionierende Innenausstattung. „Es geht um das Kundenerlebnis,
um das Produkt ICE an sich.“ Man habe sich viele Konzepte in anderen
Ländern angeschaut und die Frage gestellt: „Was könnte in Deutschland
funktionieren? Was finden wir gut, was finden wir nicht gut?“, sagte Palla.
Der genaue Plan soll in den kommenden Wochen vorgestellt werden.
10 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Sanierung-der-Bahnstrecke-Hamburg-Berlin/!6155978
(DIR) [2] /Generalsanierung-Hamburg-Berlin/!6156091
(DIR) [3] /Medienbericht-zu-Sparmassnahmen/!6035117
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(DIR) [6] /Eveyln-Palla-wird-die-neue-Bahn-Chefin/!6111328
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