# taz.de -- BSW vor Wahl in Berlin: Wahlkampf mit Wanderpredigerin
> Mit viel Optimismus rechnet sich das BSW Chancen bei der Berlin-Wahl aus.
> Auf Landesebene wird die Partei aber wohl keine Rolle spielen – anders
> als in einigen Bezirken.
(IMG) Bild: BSW-Wahlkampfmobil: Der Wagenknecht-Tanklaster – hier in Halle (Saale) – war zuletzt auch in Berlin-Lichtenberg unterwegs
Dass dem BSW in Berlin nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus am Sonntag eine
ähnlich zentrale Rolle zukommen wird [1][wie in Sachsen-Anhalt], ist
unwahrscheinlich. Zum einen dümpelt die Partei [2][in den meisten Umfragen]
bei 3 bis 4 Prozent herum und kratzt nur in einem Insa-Wahltrend an der
5-Prozent-Hürde. Zum anderen wären die Wagenknecht-Getreuen selbst im Fall
eines Einzugs in das Berliner Landesparlament wohl nicht das Zünglein an
der Waage bei den Koalitionsverhandlungen, da [3][die wahrscheinlichen
Bündnisse] auch ohne das BSW auf eine Mehrheit kämen.
Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp hat dem BSW ohnehin schon eine Absage
erteilt. Eine Koalition mit der Partei könne sie sich „absolut nicht
vorstellen“, sagte sie in einem Podcast des Portals Politico. „Das BSW hat
sich gerade angedient, zum Steigbügelhalter für eine rechtsextreme Partei
in Sachsen-Anhalt zu werden.“ Es komme für sie nicht infrage, so eine
Partei zu unterstützen.
Trotz – oder gerade wegen – dieser Ausgangslage bemüht sich das Berliner
BSW‑Spitzenpersonal um Zweckoptimismus und Durchhalteparolen. Man spüre
Rückenwind, sagte Landeschef und Spitzenkandidat Alexander King [4][bei
einer Wahlveranstaltung in der vergangenen Woche]. Die Menschen sollten
sich „nicht durch Umfragen ins Bockshorn jagen lassen“.
## Halbherzige Abgrenzungsversuche
Gleichzeitig unternimmt King halbherzige Versuche, sich von der AfD
abzugrenzen. Die inhaltlichen Schnittmengen auf Landesebene seien
„überschaubar“, sagte er dem RBB. „Ich sehe da keine Grundlage für
Zusammenarbeit.“
Doch wofür die Partei im Land Berlin überhaupt stehen will, ist unklar. Wie
auch anderswo setzt sie hier voll auf ihr Alleinstellungsmerkmal, die
„Friedenspolitik“. Übersetzt heißt das: ein Ende der Russland-Sanktionen
und Verhandlungen mit Putin. Und versucht nebenbei, die Unzufriedenheit
über die Bundesregierung abzugreifen. „Weg mit Merz“, plakatiert das BSW in
ganz Berlin.
## Diffuses Sammelbecken
Das BSW ist deshalb auch in Berlin ein diffuses Sammelbecken für
enttäuschte Altlinke, Wagenknecht-Anhänger, Russland-Fans – und die
verstreuten Reste der Coronaproteste. Die Schwurbel-Partei „Die Basis“, die
nicht antritt, hat ihre Anhänger*innen zur Wahl des BSW aufgerufen.
Was dabei am 20. September herauskommt, ist unklar – sowohl was den
Wahlerfolg als auch was die strategische Ausrichtung betrifft. Das könnte
auf Bezirksebene noch wichtig werden. Dort gilt ohnehin nur eine
3-Prozent-Hürde für den Einzug in die Bezirksparlamente – und in
Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg, wo die Partei bei der Bundestagswahl
2025 11 beziehungsweise 10 Prozent erzielte, könnte sie durchaus eine
relevante Rolle spielen.
## Braunes Rathaus von BSW-Gnaden?
In Marzahn-Hellersdorf etwa, wo die AfD auf ein hohes Ergebnis hofft,
könnte dann durch BSW-Enthaltungen womöglich gar ein AfD-Bürgermeister ins
Rathaus einziehen. Landeschef King lässt den Bezirksverbänden freie Hand.
Doch das ist Zukunftsmusik. Erst mal bekommt das Berliner BSW jetzt noch
einmal Hilfe von der obersten Wanderpredigerin Sahra Wagenknecht. Die
Parteigründerin tritt am Freitag auf dem Alexanderplatz auf, ganz
ostalgisch neben der Weltzeituhr. Vielleicht ist dann ja auch wieder der
Tanklaster mit ihrem Konterfei dabei, der schon vergangene Woche durch
Lichtenberg und zuvor durch Halle an der Saale gedieselt war. Ob’s hilft?
17 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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