# taz.de -- Tierschutzpartei im Wahlkampfmodus: Wahlomat-Sieger der Herzen
       
       > Das Wahlprogramm der „Partei Mensch Klima Tierschutz“ lässt kaum Wünsche
       > für das links-liberale Herz offen. Doch die harte politische Realität
       > sieht anders aus.
       
 (IMG) Bild: Schützt die Tiere!
       
       Ginge es alleine um die Zustimmung für ihr Wahlprogramm, würde die „Partei
       Mensch Klima Tierschutz“, wie sie mit vollem Namen heißt, wahrscheinlich
       die absolute Mehrheit holen. [1][Laut einer Studie des Karlsruher Instituts
       für Technologie] stimmen die Parteipositionen der Tierschutzpartei am
       stärksten mit dem Stimmungsbild der Bevölkerung überein – mit 66 Prozent
       erreichte die sozial-ökologische Kleinpartei den mit Abstand höchsten Wert
       in der Auswertung des Mathematikers Andranik Tangian.
       
       Tatsächlich [2][lässt das 96‑seitige Wahlprogramm] kaum Wünsche für das
       links-liberale Herz offen. Die Tierschutzpartei ist mindestens so sozial
       wie die Linken und ökologischer als die Grünen: kostenlose Öffis,
       flächendeckend Tempo 30, Mietendeckel bei landeseigenen
       Wohnungsunternehmen, Klimaneutralität bis 2035, Vergesellschaftung
       umsetzen, Kita-Betreuung verbessern.
       
       Obendrauf gibt es, na klar, den namensgebenden Tierschutz. Als einzige
       Partei wirbt sie auf ihren Plakaten mit der Einführung eines stadtweiten
       Taubenmanagements. Außerdem fordert die Partei ein Verbot von
       Tierversuchen: „Wir achten jedes Lebewesen als Individuum, was eigene
       Bedürfnisse hat“, sagt Spitzenkandidat Nico Poschinski der taz.
       
       Doch die harte politische Realität sieht leider anders aus, und so
       erreichte die Tierschutzpartei bei der Wiederholungswahl 2023 nur magere
       2,4 Prozent und zog nicht ins Abgeordnetenhaus. Immerhin konnte die Partei
       in die Bezirksparlamente – wo die 3‑Prozent-Hürde gilt – von
       Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Spandau einziehen,
       verfehlte aber auch dort die nötige Fraktionsstärke von 3 Abgeordneten.
       
       Nur 2,4 Prozent: Der Grund dürfte sein, dass viele potenzielle
       Wähler:innen nicht ihre Stimme für eine Partei verschwenden wollen, die
       wahrscheinlich an der 5-Prozent-Hürde fürs Abgeordnetenhaus scheitern wird.
       Zumal sich die Forderungen nach einem Taubenmanagement auch in den
       Wahlprogrammen von Grünen und Linken finden lassen.
       
       Dennoch will Poschinski das Argument des taktischen Wählens nicht gelten
       lassen: „Für eine linke Regierung braucht es zwingend die
       Tierschutzpartei.“ Drohe ein rot-grün-rotes Bündnis an der „roten Linie“
       der SPD zu scheitern, die Vergesellschaftung umzusetzen, könnte eine
       Tierschutzpartei, die die 5-Prozent-Hürde geknackt hat, das Zünglein an der
       Waage sein. „Wer eine CDU-Regierung verhindern will, muss Tierschutzpartei
       wählen“, sagt Poschinski.
       
       17 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://nachrichten.idw-online.de/2025/08/07/kit-experte-zur-bundestagswahl-das-neue-wahlsystem-ist-nicht-optimal
 (DIR) [2] https://berlin.tierschutzpartei.de/kurzwahlprogramm-berlin-2026.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
       ## TAGS
       
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