# taz.de -- Antirassimus in Mecklenburg-Vorpommern: „Denkt an die Kommunen“
       
       > Aman Anosh will junge migrantische Menschen in Mecklenburg-Vorpommern
       > stärken – und trotz erstarkender Rechtsextremisten im Bundesland halten.
       
 (IMG) Bild: Aman Anosh will Migrantische Stimmen im Meck-Pom stärken
       
       Aman Anosh macht sich große Sorgen, dass viele Migrant*innen überlegen,
       aus Mecklenburg-Vorpommern wegzuziehen. „Eine Frau mit Kopftuch hat mir
       erzählt, dass ihr beim Aussteigen aus dem Bus plötzlich jemand auf den Kopf
       schlug. So etwas macht Angst. Die Menschen fühlen sich allein und wissen
       nicht, an wen sie sich wenden sollen“, sagt der 32-Jährige aus Afghanistan.
       Mit 157 rechtsmotivierten Angriffen in [1][Mecklenburg-Vorpommern] wurde
       2025 erneut ein Höchststand erreicht. Das dokumentierte die Beratungsstelle
       für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in
       Mecklenburg-Vorpommern (Lobbi). Das Hauptmotiv war dabei Rassismus.
       
       Anosh lebt seit 2018 in Rostock und arbeitet seit 2020 für das
       Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern, seit einem Jahr
       koordiniert er deren Promotor*-innenProgramm. „Wir wollen globale
       Perspektiven in Mecklenburg-Vorpommern sichtbarer machen und
       zivilgesellschaftliche Strukturen stärken“, sagt Anosh. Die
       Promotor*innen gehen gezielt auf Initiativen und Vereine zu und klären
       mit ihnen, wie sie deren Arbeit konkret unterstützen können. Seit April ist
       auch Jugend Spricht Teil des Promotor*innenprogramms.
       
       Die migrantische Jugendorganisation hat Aman Anosh vor sieben Jahren
       gegründet, mittlerweile hat er die meisten Aufgaben abgegeben, engagiert
       sich aber weiter ehrenamtlich in dem Verein. Damals war Anosh gerade erst
       nach Rostock gekommen, um Dienstleistungsmanagement zu studieren. „Ich habe
       drei Jahre darum gekämpft, überhaupt studieren zu können. Ich bin damals
       daran verzweifelt, dass alle gesagt haben, ich soll lieber eine Ausbildung
       machen.“ Andere Migrant*innen fragten ihn, wie er es geschafft hat, ein
       Studium zu machen. So kam er auf die Idee, Jugend Spricht zu gründen. Der
       Verein will junge migrantische Menschen stärken.
       
       Dieses Ziel sieht er ganzheitlich: „Wir kämpfen jedes Jahr darum, dass wir
       als zivilgesellschaftliches Programm [2][wieder Geld erhalten]. Die AfD
       will diese Strukturen abschaffen.“ Zusammen mit seiner Schwester Hafiza
       Qasimi gründete er 2025 das Start-up „Wannadate“. Dort stellen sie
       Energiekugeln aus Datteln und Nüssen her. „Das ist ein Rezept unserer
       Kindheit“, sagt er. Für ihn ist das aber nicht nur ein Start-up. „In der
       Antirassismusarbeit habe ich versucht, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten,
       aber sie haben wenig Interesse gezeigt. Meine Schwester und ich haben uns
       deshalb entschieden, eine parallele Struktur zu schaffen, um Menschen zu
       empowern – seht her, man kann auch ein Start-up gründen.“
       
       Anosh beobachtet, dass es in Mecklenburg-Vorpommern immer schwerer wird,
       sich für die Zivilgesellschaft einzusetzen. Er erzählt von einer Kollegin,
       die migrantische Frauen im ländlichen Raum an der Grenze zu Polen
       unterstützt. „In ihrer Kommune ist die AfD stärkste Kraft, und jedes Mal,
       wenn sie eine Veranstaltung organisieren will, versucht die AfD das zu
       verhindern.“ Anosh fordert, in Bezug auf Rechtsextremismus mehr an die
       Kommunen zu denken, in denen die AfD schon jetzt zuweilen die stärkste
       Partei ist.
       
       Anosh lebt seit acht Jahren in Rostock und ist gut vernetzt. Aber auch ihm
       kommen manchmal Zweifel: „In Afghanistan habe ich mich politisch engagiert
       und mein Leben riskiert. Und langsam frage mich, ob es hier auch so ist und
       ob es sich lohnt, sich für die Zivilgesellschaft einzusetzen.“
       
       Doch aktuell verfolgt er sein Ziel: „Ich möchte, dass viele junge,
       migrantische Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bleiben und sich für die
       Gesellschaft einsetzen.“
       
       Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellen
       wir Engagierte aus der Zivilgesellschaft vor
       
       14 Sep 2026
       
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