# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Drohne über Litauen abgeschossen, EU vertagt Sanktionen
       
       > Nato-Kampfflugzeuge schießen eine Drohne im litauischen Luftraum ab.
       > Derweil blockiert die Slowakei weiterhin eine Verlängerung der
       > Russland-Sanktionen.
       
 (IMG) Bild: Kampfflugzeug bei einer Nato-Übung: Nach ersten Erkenntnissen flog die Drohne wahrscheinlich von Belarus aus nach Litauen ein
       
       Kampfflugzeuge schießen Drohne über Litauen ab
       
       Kampfflugzeuge der Nato haben über Litauen nach Regierungsangaben eine
       [1][Drohne] abgeschossen. Das unbemannte Flugobjekt sei kurz nach
       Mitternacht von italienischen Eurofightern vom Himmel geholt worden, teilte
       das Verteidigungsministerium in Vilnius mit. Die Behörden hatten die
       Bevölkerung mehrerer Regionen des baltischen EU- und Nato-Landes zuvor über
       eine mögliche Bedrohung aus der Luft alarmiert. Genauere Angaben zu
       Herkunft und Typ der abgeschossenen Drohne gab es zunächst nicht.
       
       „Ich danke den Einsatzkräften der Allianz für ihre schnelle Reaktion“,
       schrieb Präsident Gitanas Nauseda auf der Plattform X. „Angesichts der
       zunehmenden Aggression Russlands gegen die Ukraine ist diese Bereitschaft
       für unsere Region von entscheidender Bedeutung. Gemeinsam mit unseren
       Nato-Verbündeten wird Litauen seinen Luftraum verteidigen.“ Es war
       Berichten zufolge das erste Mal, dass eine Drohne über Litauen abgeschossen
       wurde.
       
       Nach Angaben des Leiters des nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas
       Vitkauskas, wurde die Drohne über einem ländlichen Gebiet nahe dem Dorf
       Pratkunai abgeschossen, das rund 50 Kilometer südöstlich der zweitgrößten
       Stadt Kaunas liegt. Nach ersten Erkenntnissen flog die Drohne
       wahrscheinlich vom Gebiet von Belarus nach Litauen ein, wie er im
       litauischen Rundfunk sagte. Informationen über Opfer oder Schäden gebe es
       bislang nicht. Im Abschussgebiet seien Trümmerteile einer Drohne gefunden
       worden, die nun untersucht werden.
       
       Litauen grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an
       Russlands Verbündeten Belarus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine
       fühlt sich das Land in besonderem Maße bedroht. Litauens
       Militärgeheimdienst liegen nach Regierungsangaben Informationen vor, wonach
       Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten
       erwägen könnte.
       
       Die Bundeswehr baut derzeit eine deutsche Panzerbrigade in Litauen auf. Der
       gefechtsbereite und eigenständig handlungsfähige Kampfverband mit 4.800
       Soldaten soll bis 2027 einsatzfähig sein. (dpa)
       
       Erneuter EU-Streit wegen Russland-Sanktionen
       
       In der EU gibt es derweil erneut Streit um Russland-Sanktionen. Wie ein
       Sprecher der derzeitigen irischen Ratspräsidentschaft mitteilte, konnten
       sich die Mitgliedstaaten nicht darauf einigen, an diesem Dienstag
       auslaufende Strafmaßnahmen gegen rund 3.000 Personen, Einrichtungen und
       Unternehmen wie ursprünglich geplant um zwölf Monate zu verlängern.
       Vereinbart werden konnte demnach nur eine Verlängerung um sieben Tage bis
       Mitternacht am 22. September. Bis dahin sollen nun weitere Gespräche über
       Streitfragen geführt werden.
       
       Grund für die Querelen ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur
       insbesondere die Forderung der Slowakei, die EU-Sanktionen gegen den
       russischen Oligarchen Alischer Usmanow aufzuheben. Das Land droht demnach,
       die Verlängerung aller Strafmaßnahmen zu blockieren, wenn Usmanow nicht von
       der Liste genommen wird. Laut Diplomaten wurde die Slowakei dabei zuletzt
       auch von Frankreich unterstützt.
       
       Die Financial Times berichtete am Abend, Frankreichs Lobbyarbeit sei Teil
       eines Plans, in Aserbaidschan inhaftierte französische Staatsbürger
       freizubekommen. Die frühere Sowjetrepublik setzt sich schon länger selbst
       für die Streichung Usmanows von der EU-Liste ein. Die Regierung in Paris
       äußerte sich zunächst nicht zu den Gründen für ihre Positionierung.
       
       Der slowakische Außenminister Juraj Blanar hatte bereits im Frühjahr
       bestätigt, dass die Slowakei den Oligarchen im Kampf gegen die
       EU-Sanktionen unterstützt. Nach einem damaligen Bericht von Radio Free
       Europe soll der slowakische Ministerpräsident Robert Fico einen Brief des
       türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan weitergeleitet haben, in dem
       dieser sich für Usmanow einsetzte. Erdogan begründete dies demnach damit,
       dass sich Usmanow um eine stärkere Öffnung der turksprachigen Staaten
       gegenüber dem Westen verdient gemacht habe. Zu diesem Kreis zählt neben der
       Türkei auch Aserbaidschan.
       
       Andere EU-Staaten wollten die von der Slowakei ausgehende Forderung bis
       zuletzt nicht unterstützen. Als Risiko gilt, dass die Aufhebung der
       Sanktionen gegen Usmanow anderen Russen Argumente für Klagen gegen
       Strafmaßnahmen geben könnte. (dpa)
       
       Laut Klitschko wieder Tankstelle bei russischem Angriff auf Kyjiw getroffen
       
       Russland hat erneut ‌die ukrainische Hauptstadt Kyjiw ‌mit Drohnen
       angegriffen und dabei [2][wieder eine Tankstelle getroffen]. Ein Mensch sei
       verletzt worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko am Dienstag auf dem
       Kurznachrichtendienst Telegram mit. Auch ein Lagerhaus sei getroffen
       worden. Den ukrainischen Behörden zufolge hat Russland zuletzt seine
       Angriffe auf Tankstellen ausgeweitet. Aus Russland meldeten die Behörden
       ihrerseits neue ukrainische Angriffe. In der südrussischen Hafenstadt
       Taganrog habe ein Raketenangriff unter anderem erneut eine Lagerhalle des
       Online-Händlers Ozon beschädigt. Zudem habe ein Drohnenangriff ‌eine
       Industrieanlage in der Region Samara an der Wolga getroffen. Um welche
       Anlage es sich handelte, wurde nicht genannt. In der Region befinden sich
       große Ölraffinerien.
       
       Am Montag hatte [3][US-Präsident Donald Trump] erklärt, dass die Ukraine
       und Russland sich darauf geeinigt hätten, gegenseitig keine Energieanlagen
       mehr zu attackieren. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte
       daraufhin, Kyjiw sei bereit, diesen US-Vorstoß zu unterstützen, wenn
       Washington garantieren könne, dass Russland tatsächlich zu einem Ende des
       Krieges bereit sei. Russland äußerte sich zunächst nicht dazu. (rtr)
       
       15 Sep 2026
       
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