# taz.de -- Korruption in der Ukraine: Nach Diktat ganz plötzlich verreist
> Der ukrainische Generalstaatsanwalt Krawtschenko tritt eine Dienstreise
> ins Ausland an. Am Dienstag soll das Parlament über seine Entlassung
> abstimmen.
(IMG) Bild: Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko hat nun eine immer-währende Dienstreise angetreten
Eigentlich sollte man meinen, dass Spitzenbeamte, die den vorletzten Tag im
Amt sind, keine Dienstreisen mehr ins Ausland machen. Doch Derartiges ist
am Montag geschehen. Seit dem Morgen ist der amtierende ukrainische
Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko außer Landes – angeblich auf
Dienstreise. Ihm sei es wichtig, so Krawtschenko auf Telegram, die
internationalen Partner der Ukraine zu informieren, wie die ukrainischen
Antikorruptionsbehörden einzuschätzen seien.
Wer ihn für diese Mission beauftragt hat, geht aus seiner Erklärung nicht
hervor. „Im Rahmen dieser Reise ist eine Reihe von Treffen geplant, bei
denen ich beabsichtige, die internationalen Partner über die tatsächliche
Lage im System der Antikorruptionsbehörden zu informieren. Ich will auf die
Konzentration unkontrollierten Einflusses durch diese Behörden sowie die
Risiken eingehen, die eine solche Praxis für die staatliche Souveränität,
die Rechtsstaatlichkeit und die demokratischen Institutionen der Ukraine
mit sich bringt“, [1][so Krawtschenko auf Telegram].
Nach Informationen des ukrainischen Webportals Ukrajinska Pravda hatte
Krawtschenko Montags kurz nach zwei Uhr morgens in einem Dienstwagen die
Grenze überquert. Ob die Reise wirklich nach Brüssel führt, ist indes
fraglich. Nach Angaben der Ukrajinska Prawda hält er sich aktuell in
Litauen auf.
Krawtschenko geht genau einen Tag vor der für seine Zukunft entscheidenden
Sitzung des ukrainischen Parlamentes auf „Dienstreise“. Am Dienstag wird
nach Angaben des Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei „Diener des
Volkes“, David Arachamia, das Parlament über Krawtschenkos
Entlassungsgesuch vom 7. September abstimmen. Präsident Selenskyj
persönlich hat das Parlament schriftlich aufgefordert, den
Generalstaatsanwalt zu entlassen.
## Offene Fragen
Vor diesem Hintergrund dürfte klar gewesen sein, dass sich im Parlament die
entsprechenden Mehrheiten für Krawtschenkos Entlassung finden lassen
werden. Und so ist die Frage offen, wer den Dienstreiseantrag von
Krawtschenko unterschrieben und dessen ungehinderte Überquerung der Grenze
ermöglicht haben könnte.
Als eine seiner letzten Amtshandlungen hatte Krawtschenko wenige Stunden
vor seiner Ausreise den Direktor des Nationalen Antikorruptionsbüros Nabu,
Semen Krywonos, angezeigt. Er wirft ihm unter anderem Fälschung offizieller
Dokumente vor. So soll Kriwonos 2008 fiktiv die Vaterschaft für ein fremdes
Kind übernommen haben, um als Vater eines angeblich minderjährigen Kindes
einer Strafverfolgung zu entgehen.
Ihm war vorgeworfen worden, mit unlauteren Mitteln Wahlkampf für die Partei
der Politikerin Julia Timoschenko gemacht zu haben. Außerdem, so
Krawtschenko, hätten Nabu und die spezialisierte
Antikorruptionsstaatsanwaltschaft Sapo bei den jüngsten Durchsuchungen
geschützte Unterlagen aus Verfahren gegen Mitarbeiter der
Antikorruptionsbehörden erhalten. Zudem seien wichtige Dokumente seiner
Darstellung zufolge kopiert und gestohlen worden.
## Erhebliche Bargeldsummen
Es ist durchaus möglich, dass Krawtschenko selbst Korruptionsvorwürfe
drohten. [2][In der vergangenen Woche waren Serhij Kropywa, ein
hochrangiger Angehöriger der Generalstaatsanwaltschaft, sowie seine
Weggefährtin Elisabeta Iwachnenko von den ukrainischen
Antikorruptionsbehörden Nabu und Sapo festgenommen worden.]
Bei Hausdurchsuchungen in den Räumen der Generalstaatsanwaltschaft hatten
die Antikorruptionsbehörden teuren Schmuck und erhebliche Bargeldsummen
gefunden. Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für
internationale Zusammenarbeit im Büro des Generalstaatsanwalts, wird die
Annahme von Bestechungsgeldern für den Schutz betrügerischer Callcenter
vorgeworfen. Ungefähr zwei Millionen Euro hätte Serhij Kropywa unter
Mitwirkung von Iwachnenko, so der Staatsanwalt der Sonderermittlungsbehörde
(SAP), gewaschen.
14 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
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(DIR) Generalstaatsanwalt
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