# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Frankreich: Le Pen startet durch, aber einer schmollt
       
       > In Frankreich startet die Rechtspopulistin Marine Le Pen den Wahlkampf.
       > Die Stimmung in ihrer Partei ist ungetrübt – zumindest fast.
       
 (IMG) Bild: Le Pen und Bardella, das glücklichste Paar rechts der Demokratie seit 1945
       
       „Ist Marine Le Pen unbesiegbar?“, fragt das Sonntagsblatt La Tribune du
       Dimanche. Das denken in Frankreich nicht alle. Doch laut allen Wahlumfragen
       liegt seit Wochen die Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National
       (RN) mit einem klaren Vorsprung im Rennen um die Nachfolge von Emmanuel
       Macron. Im ersten Durchgang könnte sie laut den Meinungsforschern auf
       Anhieb 33 bis 36 Prozent der Stimmen bekommen. Und bisher zeichnet sich
       kein Gegner oder eine Gegnerin ab, die in der Lage wäre, sie in der
       Stichwahl zu besiegen.
       
       „Marine Présidente, Marine Présidente!“, rufen ihre Anhänger siegesgewiss
       während ihrer Rede, mit der sie in ihrer nordfranzösischen Wahlhochburg
       Hénin-Beaumont in den Wahlkampf startet. [1][Dass sie im Juli vom
       Berufungsgericht wegen Unterschlagung von Geldern des EU-Parlaments zu
       einem Jahr Haft verurteilt wurde], war ihrer Popularität in keiner Weise
       abträglich.
       
       Die „sozialen“ Akzente ihres Programms kommen besonders gut an. Le Pen
       verspricht, sie werde sich für die Erhaltung der Kaufkraft einsetzen und
       den Zugang zu Sozialwohnungen erleichtern. Wie in anderen Bereichen möchte
       sie eine „nationale Präferenz“ einführen, die in Frankreich
       verfassungswidrig wäre, für sie aber ein „natürliches Recht und gerecht“
       ist. Auch verspricht sie, das [2][Rentenalter] wieder auf 62 Jahre zu
       senken.
       
       Ihre ungebrochene Popularität erklärt sich wahrscheinlich weniger mit ihren
       Wahlversprechen als mit der Unzufriedenheit ganzer Bevölkerungsschichten
       vor allem im ländlichen Frankreich. Le Pen macht außerdem geltend, dass die
       Rechtspopulisten als einzige politische Kraft in den letzten Jahrzehnten
       nicht an der Macht waren und darum nicht für die Misere verantwortlich
       gemacht werden könne.
       
       ## Nur Bardella schmollt
       
       Bei einer derart günstigen Ausgangslage müsste sich die Rechtspopulistin,
       die zum vierten Mal bei den Präsidentschaftswahlen antritt, eigentlich im
       Wahlkampf gar nicht groß anstrengen. Auf den ursprünglich geplanten
       Rundgang auf dem Straßenmarkt verzichtet sie am Sonntag und damit auch auf
       die dort erwarteten Szenen mit „Antifa“-Demonstranten.
       
       Beim Auftritt vor ihrem Heimpublikum gab es keinerlei störende
       Nebengeräusche. Nur einer schmollte auf der Tribüne der Parteiprominenz:
       [3][Der RN-Vorsitzende Jordan Bardella hat es nicht verdaut, dass nicht er
       antreten wird, sondern seine Chefin.]
       
       Nicht nur hat diese noch am Tag der Urteilsverkündung am 7. Juli öffentlich
       ihre Kandidatur bestätigt, ohne ihn vorher in Kenntnis zu setzen. Sie hat
       sich auch öffentlich von Bardellas wirtschaftsliberalen Positionen
       distanziert und dessen engsten Berater aus dem Dienst entlassen. Ihn macht
       Le Pen für die Spannungen, die in den letzten Wochen an der RN-Spitze
       sichtbar wurden, verantwortlich.
       
       Offiziell bezeichnet sie Bardella immer noch als ihren Premierminister nach
       ihrer Wahl zur Staatschefin im Mai 2027. Vom noch vor Monaten angekündigten
       „Binom“, einem Duo gleicher Partner, ist indes keine Rede mehr. Bardella
       wird ins zweite Glied zurückversetzt.
       
       ## Reuig zur Tante zurückgekehrt
       
       Die Leitung der Kampagne von Marine Le Pen übernehmen – wie früher zur Zeit
       von Jean-Marie Le Pens Front National – die engsten Vertrauten aus dem
       Familienkreis: ihre Schwester Marie-Caroline und deren Mann, der
       EU-Abgeordnete Philippe Olivier, sowie deren Tochter Nolwenn, die mit 27
       Jahren Kommunikationschefin der Wahlkampagne wird. Sie war Bardellas
       Freundin, bis dieser sie für eine Bourbonenprinzessin sitzen ließ.
       
       Auch eine andere Nichte von Marine Le Pen spielt nun wieder eine wichtige
       Rolle in der Organisation, und dies unweigerlich auf Kosten von Bardella:
       Marion Maréchal-Le Pen, die 2022 den rechtsradikalen Konkurrenten Éric
       Zemmour unterstützt hatte, ist reuig zu ihrer Tante zurückgekehrt und
       weicht nun nicht mehr von ihrer Seite.
       
       14 Sep 2026
       
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