# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Frankreich: Der Anti-Mélenchon von links
> Raphaël Glucksmann will Frankreichs Präsident Macron nachfolgen und eine
> linksliberale Alternative zu Mélenchon sein. Seine Chancen gelten als
> gering.
(IMG) Bild: Raphaël Glucksmann: Kandidat für die Sozialdemokraten bei Präsidentschaftswahl in Frankreich
Frankreichs bekannte Fernsehjournalistin Léa Salamé nimmt beim Sender
France 2 eine Auszeit. Dieses Mal nicht für einen Schwangerschaftsurlaub,
der Grund sind die politischen Ambitionen ihres Partners Raphaël
Glucksmann. Wenn er einen Wahlkampf führt, darf sie nicht wie bisher das
politische Tagesgeschehen kommentieren. Sie gibt ihrem Gefährten den
Vortritt. Wer weiß, vielleicht wird sie ja als Nachfolgerin von Brigitte
Macron Frankreichs nächste „First Lady“?
Nun hat Glucksmann am Sonntagabend auf dem privaten ersten Kanal TF1 in
offizieller Weise bestätigt, dass er bei den Präsidentschaftswahlen im
kommenden Frühling antreten will. Diese Kandidatur steht für ihn schon
lange fest, auch wenn er sie noch bei den „Primärwahlen“ formell absegnen
lassen möchte, die von den Sozialisten und anderen „gemäßigten“ linken
Parteien im Oktober organisiert werden.
Gemeinsam mit seiner prominenten Partnerin hat Glucksmann medial seinen
Wahlkampf längst begonnen. In der Illustrierten Paris Match ließen sich die
beiden innig verschlungen an einem Strand in Korsika fotografieren. Solche
Fotoreportagen sind heute fester Bestandteil der Wahlkampagnen. Sie sind
aber auch ein Risiko, weil die Reaktionen nicht immer wie erhofft
mehrheitlich positiv ausfallen. War es ein Zufall, dass ein paar Tage zuvor
im selben Hochglanzmagazin auch Präsident Emmanuel Macron in Badehose und
betont sportlicher Pose zu bewundern war?
## Nur eine blasse Kopie?
Glucksmanns Kritiker, die ihn ohnehin schon nur als blasse Kopie des
derzeitigen Staatschefs belächeln, hatten Grund zu hämischem Spott.
Natürlich wäre es allzu simpel, ihn mit seinem sozialliberalen Programm als
Neuauflage von Macrons Wahlkampf von 2017 abzutun. Anfänglich war er nur
ein „Fils-à-Papa“: der Sohn des Philosophen und [1][Totalitarismuskritikers
André Glucksmann]. Er ist immerhin seit 2019 EU-Abgeordneter der Place
publique, eine Partei, die er 2018 mit dem Argument gegründet hatte, die
Parti Socialiste sei nach den Niederlagen in Serie für ihn „tot“.
Nach seinem Politologie-Studium hatte er sich zuerst als Fernsehjournalist,
unter anderem mit Reportagen über die Revolution in der Ukraine, einen
Namen gemacht. Und von 2009 bis 2012 war er Berater des neoliberalen
Staatschefs Micheil Saakaschwili in Georgien. Dort heiratete er
Vizeministerin Eka Zguladze, mit der er einen Sohn hat.
Seine heutige strategische Stoßrichtung ist klar: Er möchte der linken
Wählerschaft als Alternative zum Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon dienen.
Der Gründer von La France insoumise (LFI) ist für ihn fast ebenso ein
Gegner wie die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Glucksmann lehnt jegliche
Wahlbündnisse mit LFI ab und macht ein Dogma daraus. Mélenchon will einen
Bruch, Glucksmann steht für Verständigung in der Mitte.
Doch der wichtigste Streitpunkt ist die Nahostpolitik. LFI ist solidarisch
mit den Palästinensern, Glucksmann dagegen lehnt es ab, die israelischen
Angriffe auf Gaza als „Genozid“ zu bezeichnen. Bisher liegt Glucksmann in
den Wahlumfragen mit etwa 10 Prozent klar hinter Mélenchon mit rund 15
Prozent. Doch der eigentliche Wahlkampf hat noch gar nicht begonnen.
Sowohl Mélenchon als auch Glucksmann sagen, dass sie an ihre Wahlchancen
glauben. Glucksmann liegt in den Umfragen noch zurück. Er setzt alles auf
die Karte, sich selbst als „linken Anti-Mélenchon“ und die französische
Linke mit ihrer Absage an alle Extreme als glaubwürdige Alternative zu
präsentieren.
24 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
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