# taz.de -- Senatswahlen in Frankreich: Noch mehr rechte Männer im Altherrenklub
> Nach den Wahlen zur Hälfte der Senatssitze in Frankreich kann Marine Le
> Pens rechtsextremes Rassemblement National erstmals eine Fraktion bilden.
(IMG) Bild: Der Rassemblement National (RN) hat bei den Wahlen weitere Sitze gewonnen
Nach den Wahlen zu 178 der 348 Sitzen des französischen Senats an diesem
Sonntag ist die extremen Rechte erstmals in der Lage, eine eigene Fraktion
im „Oberhaus“ zu bilden. Das Rassemblement National (RN) von [1][Marine Le
Pen] verfügt dank der Alliierten der Union des Droites pour la République
(UDR) von Eric Ciotti neu über 15 Senatoren (+12).
Ciotti ist ein [2][Ex-Parteichef der Konservativen] und wurde mit der Hilfe
des RN Bürgermeister von Nizza. Nun hat er sich umgekehrt für die extreme
Rechte als nützlicher Partner erwiesen. Er rief die „aufrichtigen
Patrioten“ in seiner früheren Partei Les Républicains (LR) auf, sich ihm
und der Präsidentschaftskandidatin Le Pen anzuschließen.
Als kleine oder zweite Parlamentskammer repräsentiert der Senat nicht
direkt das Volk, sondern die Territorien und die Stabilität der
Institutionen. Er gilt traditionell als konservativ, langsam und
politischen Änderungen abgeneigt. Große Verschiebungen in der politischen
Zusammensetzung sind selten.
Le Pen selber feiert die Ergebnisse der Senatswahl als einen „historischen
Sieg“, der weitere Erfolge ankündige. Le Pen äußerte sich entrüstet über
das Ansinnen gewisser Gegner, die ihre Fraktion mit einem „Cordon
sanitaire“ in Senat isolieren wollen, wie dies namentlich der
sozialistische Senator Patrick Kanner vorschlug. Solche Wünsche seien
„ehrlos“, protestierte Le Pen. Die Zeitung Le Monde erachtet es als
„beunruhigendes Warnsignal“, dass die extreme Rechte vor allem dank ihrer
lokalen Verankerung in ländlichen Regionen so kräftig zulegen konnte.
Abgesehen von diesem Vormarsch der Rechtspopulisten, der an den
Mehrheitsverhältnissen insgesamt nichts ändert, bleibt im Senat fast alles
beim Alten. Oder besser gesagt, bei DEN Alten. Die zweite Kammer gilt als
Altherrenklub. Der Altersdurchschnitt im Senat liegt mit über 60 um 8 Jahre
höher als bei den Abgeordneten der Nationalversammlung. Und trotz aller
Bestrebungen, die Geschlechterparität zu fördern, sitzen im Senat fast zwei
Drittel Männer.
Den Ausgang der Senatswahl (alle drei Jahre für die Hälfte der Sitze)
bestimmen stets die Kräfteverhältnisse der letzten und vorletzten
kommunalen, regionalen und nationalen Wahlen. Weil die Rechtspopulisten von
RN und UDR bei den Kommunalwahlen im Frühling dieses Jahres und zuvor auch
bei der vorgezogenen Wahl der Abgeordneten 2024 stark abgeschnitten hatten,
ist ihr Erfolg vom Sonntag die logische Folge. Aus denselben Gründen kann
[3][Jean-Luc Mélenchons Linkspartei La France insoumise (LFI)] mit zwei
Mandaten erstmals in den Senat einziehen.
Es hätten für LFI zweifellos ein paar Sitze mehr sein können, doch die
politische Linke ist im Vorfeld der Präsidentenwahl, bei der sie mit einem
halben Dutzend Möchtegernkandidaten antritt, heftiger zerstritten denn je.
Und auch am Tag danach deutete nichts darauf hin, dass diese Parteien aus
dem Wahlergebnis Lehren ziehen und sich aus Pragmatismus zusammenraufen
wollen.
Die Sozialisten und Grünen können sich glücklich schätzen, dass sich ihre
Verluste in Grenzen halten, und die Kommunisten sind stolz wie auf einen
Sieg, weil sie ihren Besitzstand von 18 Sitzen wahren können.
Die Konservativen halten im Senat ihre Festung. Zusammen mit den Partnern
der bürgerlichen Zentrumsparteien verfügen sie weiterhin über eine
Mehrheit. Sie können so wie in der Vergangenheit ermöglichen,
Regierungsvorlagen entweder zusammen mit der Fraktion der „Macronisten“
durchzuwinken oder sie hinauszuzögern. Wie im nationalen Rahmen, ist diese
Mitte-rechts-Koalition manchmal für die Regierung, manchmal in der
Opposition.
28 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Praesidentschaftswahl-in-Frankreich/!6213031
(DIR) [2] /Konservative-in-Frankreich/!5902393
(DIR) [3] /Praesidentschaftswahl-in-Frankreich-Jean-Luc-Melenchon-als-Tueroeffner-fuer-die-extreme-Rechte/!6176126
## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
## TAGS
(DIR) Marine Le Pen
(DIR) Schwerpunkt Rassemblement National
(DIR) Schwerpunkt Frankreich
(DIR) Senatswahl
(DIR) Rechtsextremismus
(DIR) Männer
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Proteste an Schulen und Universitäten: Frankreichs Regierung hat den Flächenbrand zu verantworten
Paris will einen harten Sparkurs durchsetzen und die junge Generation wehrt
sich. Statt zu handeln, wird die Linke beschuldigt, die Proteste
anzuheizen.
(DIR) Brennende Barrikaden in Frankreich: Der wütende Frust der jungen Generation
An Schulen in ganz Frankreich protestieren Schüler gegen Lehrermangel und
marode Infrastruktur. Die Regierung vermutet die Linke als Drahtzieher.
(DIR) Präsidentschaftswahl in Frankreich: Le Pen startet durch, aber einer schmollt
In Frankreich startet die Rechtspopulistin Marine Le Pen den Wahlkampf. Die
Stimmung in ihrer Partei ist ungetrübt – zumindest fast.
(DIR) Frankreichs extreme Rechte: Le Pen macht Schleierverbot zu ihrem Wahlkampfschlager
Wieder einmal nutzt Marine Le Pen gezielt antiarabische Ressentiments für
ihren Wahlkampf. Diesmal fordert sie ein Verhüllungsverbot in der
Öffentlichkeit.
(DIR) Präsidentschaftswahl in Frankreich: Der Anti-Mélenchon von links
Raphaël Glucksmann will Frankreichs Präsident Macron nachfolgen und eine
linksliberale Alternative zu Mélenchon sein. Seine Chancen gelten als
gering.