# taz.de -- Frankreichs extreme Rechte: Dreister lügen mit Bardella
       
       > Der Chef der rechtsextremen Partei Rassemblement National Jordan Bardella
       > bestreitet nach wie vor, sich als junger Mann antisemitisch geäußert zu
       > haben.
       
 (IMG) Bild: Jordan Bardella spielt den Empörten und fühlt sich verunglimpft
       
       Noch spielt Jordan Bardella, der Vorsitzende des rechtsextremen
       Rassemblement National (RN) die Rolle des empörten Biedermanns, der von
       einer böswilligen Gerüchteküche verunglimpft wird. [1][Zu Monatsbeginn
       hatte das politisch linke französische Onlinemagazin Mediapart Diskussionen
       und Empfehlungen Bardellas auf Facebook und in seiner E-Mail-Kommunikation
       aus den Jahren 2013 bis 2015 publiziert]. Diese entlarvten ihn als
       jugendlichen Antisemiten. Allein die politische Ausrichtung von Mediapart
       macht seiner Ansicht nach diese Enthüllungen völlig unglaubwürdig.
       
       In seinem kategorischen Dementi war sich Bardella seiner Sache sicher und
       kündigte sogleich eine Verleumdungsklage an. Die Vorwürfe, er habe als
       junges Mitglied des damaligen Front National von Jean-Marie Le Pen
       Antisemitismus verbreitet und beispielsweise geschimpft, alle Banken
       gehörten den Juden, seien Fälschungen, behauptet Bardella bis heute.
       
       [2][Die RN-Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen] und die gesamte
       Parteiführung stellten sich geschlossen hinter ihn. Doch offensichtlich ist
       Bardella, und mit ihm auch Marine Le Pen, in eine wohl absichtlich
       gestellte Falle getappt. Denn Mediapart war in der Lage zu beweisen, dass
       es sich bei den zitierten antisemitischen Äußerungen nicht um Fakes handelt
       und Bardella in der fraglichen Periode unter dem Einfluss des notorischen
       Judenhassers Alain Soral stand.
       
       Je energischer Bardella sich nun wehrt und alles als Verleumdung
       zurückweist, desto mehr verstrickt er sich in seine eigenen Lügen. Dabei
       hatten die Journalisten von Mediapart ihn und seine Partei gewarnt und von
       Anfang an angekündigt, sie würden – gegebenenfalls auch vor Gericht – alle
       Belege aus sicheren Quellen vorlegen.
       
       ## Engagierter Flugblattverteiler
       
       Und während Bardella immer noch alles rundweg abstreiten wollte,
       publizierte Mediapart mehrere beglaubigte Dokumente, die namentlich aus dem
       Archiv von Facebook sowie Diskussionen per E-Mail stammen. Auch dass die
       dabei verwendeten User-Konten Bardella selber gehörten, konnte Mediapart
       belegen. Andere französischen Medien wie Libération und Le Canard enchaîné
       überprüften den Wahrheitsgehalt der Enthüllungen und lieferten zusätzliche
       Belege und Fakten, um Bardellas Ausreden zu widerlegen.
       
       Er hatte zunächst angegeben, nicht Autor dieser antijüdischen Äußerungen zu
       sein, aber auch behauptet: „Es ist falsch, dass ich 2012 bis 2013 für die
       Partei aktiv war.“ Nur hat aber der Rundfunksender Radio France
       International (RFI) in seinem Archiv eine Reportage von einer Wahlkampagne
       2013 im Pariser Vorort Gagny gefunden. Dort wird ein junger, sehr
       engagierter Flugblattverteiler des FN namens Jordan Bardella interviewt.
       Nach dem Gespräch kontaktierte er die RFI-Journalistin und bot ihr an,
       einen Kontakt zu seinen Parteifunktionären zu vermitteln.
       
       Bardella steht als Lügner da. Marine Le Pen hat ihn aber deswegen nicht
       fallen lassen. Auch alle anderen Sprecher des RN bleiben bei der Version,
       es handle sich um eine politisch voreingenommene Verleumdungskampagne.
       
       ## Haushohe Favoritin
       
       Noch immer gilt Bardella als designierter Premierminister, falls die
       RN-Kandidatin im Mai 2027 Staatspräsidentin werden sollte. Dass ein
       zukünftiger Regierungschef nicht zu den antisemitischen Ressentiments in
       seiner früheren Jugend stehen mag und dabei ungeniert lügt, scheint für sie
       kein Problem zu sein.
       
       Und offenbar auch für Le Pens und Bardellas Anhänger*innen nicht. Le
       Pens Popularitätswerte haben laut der jüngsten Umfragen wegen der
       Antisemitismus-Enthüllungen und der wahrheitswidrigen Entgegnungen kaum
       gelitten. Sie bleibt mit 33 bis 35 Prozent haushohe Favoritin für den
       ersten Wahlgang und würde nach derzeitiger Ausgangslage gegen alle
       denkbaren Gegner auch die Stichwahl gewinnen.
       
       16 Oct 2026
       
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