# taz.de -- Opfer rechtsextremen Terrors: Wahlaufruf für Berliner Linken-Spitzenkandidatin Eralp
> Überlebende und Angehörige der Opfer rechter Anschläge rufen dazu auf, in
> Berlin die Linke Elif Eralp zu wählen. Sie sei eine Stimme gegen
> Rassismus und Antisemitismus.
(IMG) Bild: Angehörige der NSU-Opfer, unter ihnen Semiya Şimşek, bei einem Protest im Oktober vor dem Brandenburger Tor
Überlebende und Angehörige der Opfer der gravierendsten rechtsextremen
Terroranschläge der jüngeren deutschen Vergangenheit rufen in einer
gemeinsamen Erklärung dazu auf, die [1][Linken-Spitzenkandidatin Elif
Eralp] zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin zu wählen. Jede Stimme
für sie sei „ein klares Zeichen gegen rechtsextreme Gewalt und Bedrohung,
gegen Hass und Spaltung“, heißt es in dem Schreiben, das der taz exklusiv
vorliegt.
Zu den insgesamt zehn Unterzeichner:innen gehören die Geschwister
[2][Semiya und Abdulkerim Şimşek], deren Vater vom NSU ermordet wurde,
[3][Sibel und Hasan Leyla], deren Sohn beim Attentat auf das OEZ in München
getötet wurde, [4][Çetin Gültekin], der seinen Bruder in Hanau verlor, und
[5][Ismet Tekin], Überlebender der antisemitisch motivierten Tat in Halle.
Initiiert wurde das Schreiben von [6][Seda Başay-Yıldız], einst
NSU-Nebenklageanwältin und Rechtsbeistand mehrerer Operfamilien aus Hanau.
Unterzeichnet hat ebenso [7][Mehmet Daimagüler], ebenfalls
NSU-Nebenklageanwalt.
In dem Brief heißt es: „Viele von uns haben das Gefühl, dass wir uns
rechtfertigen sollen, statt selbstverständlich dazuzugehören. Wir wollen
ein anderes Land und ein anderes Berlin, eines, in dem wir ohne Angst
leben, unsere Stimmen erheben und unsere Rechte verteidigen können.“ Es
gehe um „eine Stadt, in der migrantisches Leben, jüdisches Leben,
muslimisches Leben, queeres Leben und alle anderen Lebensweisen sichtbar
und geschützt sind, nicht gefährdet“. In Elif Eralp sehen sie eine
Mitstreiterin: „Als Politikerin und Juristin tritt sie für diejenigen ein,
die bedroht werden, und kämpft für alle, die ausgegrenzt oder missachtet
werden.“ Eine Stimme für Eralp sei „eine Stimme gegen jede Form von
Rassismus und gegen Antisemitismus“.
Im Gespräch mit der taz sagt Başay-Yıldız, sie kenne Eralp schon seit
vielen Jahren, etwa von Veranstaltungen nach dem Attentat in Halle. Eralp
habe „immer an der Seite der Betroffenen gestanden“, so die Anwältin. Der
Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt habe sie motiviert, ihre Unterstützung
für Eralp, die denselben migrantischen Background wie sie selbst habe, zu
organisieren. Başay-Yıldız sagt: „Die Wahl von Elif Eralp in Berlin wäre
ein wichtiges, auch bundespolitisches Signal, dass nicht alles zu spät,
nicht alles verloren ist.“
## „Was soll sie noch anderes machen?“
In eine ganz andere Richtung geht ein am Montag bekannt gewordener Brief
von Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, in dem er
Grüne und SPD auffordert, nicht mit der Linken zu koalieren. Darin heißt
es: „Eralp möge als Person über jeden Zweifel erhaben sein“, gleichzeitig
aber schaffe sie es nicht, „Antisemiten und militanten und
terrorismusaffinen Antizionisten Einhalt zu gebieten“. Başay-Yıldız dagegen
betont, Eralp habe sich „eindeutig positioniert“ und fragt: „Was soll sie
noch anderes machen?“
Unterdessen hat ein antisemitischer Angriff in Berlin in der Nacht auf
Freitag in der Torstraße für Entsetzen gesorgt. Dabei sollen nach
Polizeiangaben zwei Männer eine Frau auf ihren Davidstern angesprochen und
antisemitisch beleidigt haben. Schließlich sei einer der beiden mit einer
zerbrochenen Glasflasche auf sie losgegangen. Die Frau erlitt
Schnittverletzungen an der Hand.
[8][In einer gemeinsamen Erklärung] verurteilen die
Linken-Landesvorsitzenden und Elif Eralp den Angriff. Das Tragen eines
Davidsterns müsse immer und überall gefahrlos möglich sein. „Niemals werden
wir zulassen, dass Antisemitismus in unserer Stadt wieder um sich greift.“
Eine Reaktion gab es auch von Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf: „Es wird
eine zentrale Aufgabe der nächsten Landesregierung sein, den Kampf gegen
Antisemitismus zu intensivieren, damit Berlin die Stadt der Freiheit
bleibt, in der Jüdinnen und Juden gut und sicher leben können“, so Graf
weiter.
Zuletzt hatte Graf angesichts eines [9][gerappten Aufrufs zur Intifada] bei
einer Linken-Wahlkampfveranstaltung in Neukölln [10][betont], keine
Regierung zu bilden, die vom Kreisverband der Linken Neukölln „abhängig“
ist. Auch Eralp hatte sich von dem Vorfall scharf distanziert.
14 Sep 2026
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