# taz.de -- Begegnung am Wahlwerbestand: Die Wut muss raus
> Wer demokratisch gewählt wurde, kommt als Kooperationspartner infrage?
> Darüber gehen die Meinungen auseinander am Stand vom BSW.
Ich habe das noch nie getan, aber dieses Mal konnte ich nicht anders: Ich
habe jemanden von einem Wahlwerbestand angesprochen, an der Hauptstraße in
Berlin-Schöneberg. Der Stand war vom BSW, das ich insbesondere seit der
Wahl in Sachsen-Anhalt und den Gesprächen mit deren Vertretern verabscheue.
Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließen sie nicht aus, sagte deren
Spitzenkandidatin neben Alice Weidel im Ersten. Wut stieg in mir auf. Und
diese Wut musste ich nun an dem Wahlwerbestand in Schöneberg entladen.
Shame on you, sagte ich. Und kurz darauf war ich in ein Gespräch
verwickelt, in dem ich eigentlich gar nicht sein wollte.
Das sei Demokratie, die Zusammenarbeit mit einer Partei, die in
Sachsen-Anhalt weit mehr als 40 Prozent eingeholt hätte. Die AfD sei ja
demokratisch gewählt worden, sagte der Typ vom BSW-Stand.
Aber das sind Antidemokraten. Und sie sind rechtsextrem, erwiderte ich.
Weil das der Verfassungsschutz sagt?, fragte der BSW-Typ und grinste
dämlich.
Nein, weil es etliche Belege dafür gibt. Und für ihre
Verfassungsfeindlichkeit auch, sagte ich, versuchte dabei, nicht zu erregt
zu klingen.
Dann fing der BSW-Typ mit Corona an, mit der Impfung, und ich überlegte,
wie ich schnell aus dem Gespräch entfliehen könnte. Plötzlich blieb eine
ältere Frau an dem Stand stehen und ich war unsicher, auf welcher Seite sie
war. Sie trug ein grünes Haarband, war Typ Hippie, was ja nach den
Coronaprotesten nicht mehr eindeutig als links einzuordnen war.
Schämen Sie sich, rief die Frau mit bebender Stimme. Wenn Sie mit der AfD
in Sachsen-Anhalt wirklich kollaborieren werden, dann breche ich Ihnen das
Bein, sagte sie. Der BSW-Typ lächelte wieder dämlich und wollte schon etwas
antworten, aber da zog die Hippie-Frau schon wieder ab. Und ich nutzte die
Gelegenheit und verschwand mit ihr.
16 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Eva Müller-Foell
## TAGS
(DIR) Kolumne Szene
(DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
(DIR) Sachsen-Anhalt
(DIR) BSW
(DIR) Social-Auswahl
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt: Sie ging, als es kühler wurde
In der U-Bahn zitiert eine Touristin Heine, die Wahlergebnisse wirken nach.
Zur gleichen Zeit kommt die Nachricht, dass meine Großmutter gestorben ist.
(DIR) Wahlkampf mit allen Mitteln: Berliner Zähne
In Mariendorf und Tempelhof-Ost steht das Thema Verkehrspolitik hoch im
Kurs. Chaos gibt es dort auf den Straßen genug.
(DIR) Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: Unter der Regenbogenflagge
Noch bevor die AfD in Sachsen-Anhalt haushoch gewinnt, steht in Berlin eine
Gruppe von Männern unter einer Flagge. Mit grimmigen Gesichtern holen sie
tief Luft.
(DIR) Das Leben der Bundesligamaskottchen: Rote Linien
Es gibt Dinge, über die man besser keine Witze macht. Zum Beispiel über den
Berliner Fußball und mögliche zarte Bande zwischen Braunbär und Ritter.