# taz.de -- Europäische Raumfahrt: Wenigstens kleine Brötchen backen
> Europa lädt zum Internationalen Raumfahrt-Gipfel ein. Trotzdem ist es bis
> zu den großen Erfolgen noch ein weiter Weg.
(IMG) Bild: Ab in den Orbit: Das deutsche Unternehmen Isar Aerospace startete am 5.9.2026 von Norwegen aus eine zweistufige Spectrum-Rakete
Erfolg und Scheitern liegen in der europäischen Raumfahrt nicht nur
technisch, sondern auch politisch eng beisammen. So konnte zwar
Forschungsministerin Dorothee Bär nach dem erfolgreichen Start der
deutschen Kleinrakete „[1][Spectrum]“ Anfang der Woche jubeln: „Deutschland
kann [2][Raumfahrt]“. Dagegen lief beim ersten Internationalen
Raumfahrtgipfel, zu dem Frankreich und Deutschland nach Paris eingeladen
hatten, einiges schief. Bundeskanzler Merz hatte seine Teilnahme
kurzfristig abgesagt.
Da half es auch nichts, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
am gestrigen Donnerstag versuchte, mit ihrer ersten Rede zur
Raumfahrtpolitik die Wogen zu glätten. Die Sterne sind der Europäischen
Union ein großes Anliegen; sie trägt sie im Wappen.
Der neue Wettlauf ins All hat zwei zentrale Treiber. Einer ist die
technisch-wirtschaftliche Entwicklung des Branchensegments, das „New Space“
genannt wird. Viele kleine Start-ups tummeln sich hier, bauen Satelliten
und „Mikro-Launcher“ für den kostengünstigen Weg in die Erdumlaufbahn oder
spezialisieren sich auf Anwendungen der Fernerkundung.
## EU will Weg ins All alleine meistern können
Der zweite mehr politische Faktor heißt „technologische [3][Souveränität]“:
Europa darf nicht darauf warten, dass andere Mächte ihm den Weg ins All
ebnen, sondern muss eigene technologische Fakten schaffen, so die Botschaft
des Pariser Gipfels. „Europa nimmt sein Schicksal selbst in die Hand, auch
im Weltraum“, sagte Frankreichs Präsident zur Eröffnung der Konferenz mit
2.000 Experten aus aller Welt, die sich über die langfristige Sicherung von
Raumfahrtkapazitäten, Erdbeobachtung und den Klimaschutz aus dem All
austauschten.
„Wir müssen investieren und innovativ sein, um ein starkes Europa
aufzubauen, das selbst im Weltraum unabhängig ist“, betonte Macron und
kündigte die Mobilisierung von 5 Milliarden Euro zur Stärkung des
europäischen Raumfahrtsektors an. Insgesamt wurden über 50 internationale
Projekte und Abkommen unterzeichnet.
Im Streit sind die Regierungen in Berlin und Paris derzeit über das
EU-Satellitennetzwerk IRIS2, das als europäisches Gegenstück zu „Starlink“,
dem Satelliten-Internet-System von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX,
aufgebaut werden soll. Frankreich wolle damit vor allem seine französischen
Raumfahrtkonzerne pampern, während der deutsche Mittelstand das Nachsehen
hat, so ein Kritikpunkt von deutscher Seite. Auch die geschätzten Kosten
(15 Milliarden Euro) und das Timing laufen aus dem Ruder.
Die Botschaft der deutschen Raumfahrtministerin Bär in Paris dagegen:
„Small is beautiful“. Die 28 Meter lange Rakete der Münchner Gründerfirma
Isar Aerospace schaffte es von der Startrampe in Norwegen in den niedrigen
Erdorbit von 500 Kilometer und setzte dort fünf Kleinsatelliten von
Uni-Wissenschaftlern aus.
„Für unsere universitäre Forschung ist dieser Erfolg ein Meilenstein“,
sagte Klaus Brieß vom Fachgebiet Raumfahrttechnik der TU Berlin, die einen
Kleinstsatelliten für die Photovoltaik-Forschung an Bord hatte. „Das
verkürzt für uns Forscher die Wartezeiten auf einen Startplatz in Zukunft
drastisch.“
11 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Manfred Ronzheimer
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