# taz.de -- Auszeichnung für Kaffeevisionär: Dunkler Fleck im Lebenswerk
       
       > Michael R. Neumann hat sein Unternehmen zum Kaffee-Weltmarktplayer
       > gemacht. Dafür wurde er jetzt ausgezeichnet. Doch er trägt Mitschuld an
       > Vertreibungen.
       
 (IMG) Bild: Ende der 1990er Jahre stieg die NKG auch in den Kaffeeanbau ein: In Uganda wurden dabei etwa 400 Familien vertrieben
       
       Die Zahlen sind imposant. 20 Mitarbeiter:innen hatte der Betrieb
       seines Vaters als Michael R. Neumann in den 1960er Jahren einstieg. Heute
       arbeiten rund 3.000 Menschen für die Neumann Kaffee Gruppe (NKG), die 2024
       weltweit rund 13,6 Millionen Sack Kaffee umschlug. Das sind knapp 10
       Prozent der weltweiten Kaffeeproduktion. Doch obwohl das weltweit durch ein
       Netz von Tochterunternehmen in den Kaffee produzierenden Ländern vertretene
       Unternehmen rund 4 Milliarden Euro Umsatz macht, ist Firmenpatriarch
       Michael R. Neumann für viele ein Unbekannter.
       
       Der heute 90-jährige Kaffeevisionär, der die Bundesregierung in den 1980er
       Jahren bei der Justierung eines fairen, weltweit geltenden Kaffeeabkommens
       beriet, hat viel getan, um die produzierende Seite der Lieferkette sichtbar
       zu machen: die Bauern und Bäuerinnen in den Kaffeeländern. Die hat Neumann
       immer im Blick gehabt.
       
       In Brasilien, Kolumbien, aber auch den USA hat er seine Nase tief ins
       Kaffeebusiness gesteckt und hatte keine Scheu, kleine Kaffee-Fincas zu
       besuchen. Die Kleinbäuer:innen, die das Gros der aromatischen Bohnen
       weltweit produzieren, seien die eine Instanz in der Lieferkette; die
       Konsument:innen die andere, so Neumann in einem seiner Vorträge vor
       Fachpublikum.
       
       Mit dieser Einstellung ist der Hamburger Kaufmann gut gefahren. Er hat
       strapazierfähige Kontakte zu Lieferanten geknüpft, über Dekaden Projekte
       mit der deutschen Entwicklungshilfeagentur, der Deutschen Gesellschaft für
       Internationale Zusammenarbeit, durchgeführt. Ziel war es, kleinbäuerliche
       Strukturen zu stärken – und so besseren, nachhaltigeren und faireren Kaffee
       zu produzieren.
       
       ## Einstieg in den Kaffeeanbau
       
       Ende der 1990er Jahre stieg die NKG, längst ein Big Player im Kaffeehandel,
       auch in den Kaffeeanbau ein: Drei große Plantagen, eine in Brasilien, eine
       in Mexiko und die dritte in Uganda wurden unter dem NKG-Logo aufgebaut.
       Zentrale Idee war es sicherlich, die gesamte Lieferkette innerhalb der NKG
       zu kontrollieren.
       
       Doch damit ging das Unternehmen baden, denn die für den Aufbau der
       Kaweri-Plantage in Mubende von der ugandischen Regierung gekauften 2.512
       Hektar Land hatte das Militär 2001 [1][kurzfristig und überaus brutal
       geräumt]. Etwa 400 Familien, die teilweise länger als 12 Jahre dort gelebt
       hatten, wurden [2][laut der Menschenrechtsorganisation Fian] vertrieben.
       Bis heute seien [3][mindestens 153 Familien nicht entschädigt] worden, sagt
       [4][Peter Kayiira], ehemaliger Dorflehrer und Sprecher der Familien. Er war
       mehrfach in Hamburg, doch direkte Gespräche mit der NKG hat es nie gegeben.
       
       Der Umgang mit den Vertriebenen und das Aussitzen dieses Konflikts über
       mehr als 20 Jahre, hat dem Image der NKG nicht gutgetan. Der Fall Mubende
       sorgt auch für einen dunklen Fleck auf Neumanns Lebenswerk, für das die
       Hamburger Sparkasse und das Hamburger Abendblatt den Vorzeige-Unternehmer
       nun im Rahmen ihres Gründerpreises ausgezeichnet haben.
       
       Viel zu lange schon steht die Frage im Raum, weshalb Neumann nicht in der
       Lage war, Verantwortung für eine Fehlentscheidung zu übernehmen, die 400
       Familien die Lebensgrundlage gekostet hat.
       
       15 Sep 2026
       
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