# taz.de -- Zentralbank hebt Zinsen an: EZB bremst für niedrigere Inflation das Wachstum
       
       > Um die Inflation zu senken, hebt die EZB die Zinsen an. Der Schritt hat
       > negative Folgen für Verbraucher*innen, Unternehmen und die öffentliche
       > Hand.
       
 (IMG) Bild: Sie ist Europas oberste Notenbankerin: EZB-Chefin Christine Largarde
       
       Die Europäische Zentralbank (EZB) hebt zum zweiten Mal seit dem Beginn des
       Irankrieges die Leitzinsen an. Dies hat der EZB-Rat am Donnerstag nach
       seiner Sitzung in Berlin beschlossen. „Der [1][Konflikt im Nahen Osten]
       erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen
       längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben“, teilte die
       Notenbank mit. Damit steigen die drei Zinssätze, mit denen die
       Geschäftsbanken Geld bei der EZB parken oder sich leihen können, um 0,25
       Prozentpunkte auf 2,50, 2,65 beziehungsweise 2,90 Prozent.
       
       Ökonom*innen haben diesen Schritt erwartet. Dennoch ist er umstritten.
       Mit der Zinsanhebung versucht die EZB die Inflation einzudämmen.
       Preisstabilität zu gewährleisten, ist ihre oberste Aufgabe, die Schaffung
       von Arbeitsplätzen oder Wirtschaftswachstum sind dabei zweitrangig. So
       nimmt die Notenbank mit der Zinsanhebung eine Dämpfung der Konjunktur in
       Kauf. Denn mit höheren Leitzinsen steigen auch die Zinsen für Unternehmen
       und Verbraucher*innen, die dadurch Investitionen und Konsum, also ihre
       Nachfrage, einschränken. Und das dämpft eben nicht nur die Nachfrage,
       sondern auch das Wirtschaftswachstum.
       
       Die EZB hat zuletzt im Juni die Zinsen angehoben. Damals stiegen die drei
       wichtigsten Zinssätze ebenfalls um 0,25 Prozentpunkte. Es war der erste
       Zinsschritt der europäischen Notenbank als [2][Reaktion auf den Irankrieg],
       in dessen Rahmen durch die Blockade der Straße von Hormus insbesondere die
       Preise an den Tankstellen stiegen. Trotzdem ging die Inflation noch nicht
       zurück. Sie ist sogar gestiegen. Betrug sie im Juni 2,8 Prozent, so waren
       es laut dem EU-Statistikamt Eurostat im August vermutlich 3,3 Prozent.
       
       Ohne die Preissteigerungen bei Energie würde die Inflation jedoch bei
       lediglich 2,2 Prozent liegen und dabei weitaus näher am EZB-Ziel von 2
       Prozent, bei dem die Notenbank Preisstabilität gewährleistet sieht. Doch
       Sprit & Co verteuerten sich im August im Vergleich zum Vorjahresmonat in
       der Eurozone um durchschnittlich 14,3 Prozent.
       
       In Deutschland spürten die Verbraucher*innen die Auswirkungen des
       Irankrieges nicht ganz so deutlich. Die Inflationsrate lag in der
       Bundesrepublik im August bei 2,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am
       Donnerstag mitteilte. Trotzdem mussten die Autofahrenden auch hierzulande
       deutlich mehr Geld an den Zapfsäulen lassen als ein Jahr zuvor. Tankstellen
       verlangten für Kraftstoffe diesen August 27,7 Prozent mehr als im
       Vorjahresmonat.
       
       Allerdings gab es in der Vergangenheit bereits deutlich höhere
       Inflationsraten. Im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine stieg die
       Teuerung etwa auf Raten von knapp 9 Prozent. Deswegen gibt es durchaus auch
       kritische Stimmen bezüglich des Zinsentscheids.
       
       „Die Europäische Zentralbank kann die aktuellen Inflationstreiber durch
       Zinserhöhungen nicht wirksam bekämpfen, sie hat aber dennoch erneut die
       Finanzierungskosten für die ohnehin stark belastete Wirtschaft erhöht“,
       sagte Silke Tober vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung
       (IMK). Und auch bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ist
       man angesichts der EZB-Entscheidung nicht gerade euphorisch: „Die
       Zinserhöhung der EZB ist angesichts des weiterhin bestehenden Preisdrucks
       zwar nachvollziehbar, sie ist für viele Unternehmen aber nur unter
       Schmerzen zu verdauen“, sagte DIHK-Chefanalyst Volker Treier.
       
       Unterdessen werden nicht nur Unternehmen und Verbraucher*innen die
       steigenden Zinsen spüren. Auch [3][Finanzminister Lars Klingbeil (SPD)]
       wird sich über die Entscheidung der EZB nicht freuen. Knapp 42 Milliarden
       Euro muss er bereits im Haushalt für kommendes Jahr für den Schuldendienst
       einplanen. Bis 2030 wird sich dieser Ausgabenposten vermutlich auf 80,7
       Milliarden Euro fast verdoppeln. Und das liegt nicht allein an den
       zusätzlichen Schulden, die der Bund für Investitionen in Infrastruktur und
       Militär aufgenommen hat. Auch die gestiegenen Zinsen, die die öffentliche
       Hand für neue Kredite, bereits zahlen muss, lassen die Ausgaben für den
       Schuldendienst ansteigen. Und höhere Leitzinsen bedeuten, dass auch der
       Staat höhere Zinsen für neue Kredite zahlen muss.
       
       10 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /US-Militaer-Angegriffener-iranischer-Oeltanker-versenkt/!6210528
 (DIR) [2] /-Nachrichten-im-Iran-Krieg-/!6211636
 (DIR) [3] /Klingbeils-Haushalt/!6211648
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simon Poelchau
       
       ## TAGS
       
 (DIR) EZB
 (DIR) Geldpolitik
 (DIR) Inflation
 (DIR) Konjunktur
 (DIR) Zinsen
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) GNS
 (DIR) Haushalt
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Federal Reserve
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Angst vor neuer Schuldenkrise: Das Wachstum muss den Finanzmärkten ausreichen
       
       Der deutsche Staat genießt international die beste Bonität. Doch wegen
       steigender Schulden ist die Bewertung in Gefahr, warnt die Bundesbank.
       
 (DIR) Angst vor neuer Schuldenkrise: „Trump tritt die Goldene Regel mit Füßen“
       
       Investoren verlangten für langfristige US-Anleihen zuletzt so viel wie seit
       fast 20 Jahren nicht mehr. Dies liegt auch an gestiegenen Militärausgaben.
       
 (DIR) Ex-Fed Chef Greenspan gestorben: „Mr Dollar“ ist tot
       
       Zur Freude linker Ökonomen: Alan Greenspan stand unter vier Präsidenten an
       der Spitze der US-Notenbank Fed – und prägte die Geldpolitik weltweit.