# taz.de -- Angst vor neuer Schuldenkrise: „Trump tritt die Goldene Regel mit Füßen“
> Investoren verlangten für langfristige US-Anleihen zuletzt so viel wie
> seit fast 20 Jahren nicht mehr. Dies liegt auch an gestiegenen
> Militärausgaben.
(IMG) Bild: US-Finanzministerium in Washington
Donald Trump droht der von ihm selbst angehäufte Schuldenberg über den Kopf
zu wachsen. „Die USA stecken in einer handfesten Schuldenkrise“, warnt der
Ökonom Rudolf Hickel im Gespräch mit der taz. [1][Der US-Präsident] habe
weltweit das Vertrauen der Finanzmärkte in die USA erschüttert.
Der Bremer Finanzmarktexperte und Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe
Alternative Wirtschaftspolitik steht mit seiner Warnung vor den wachsenden
US-Staatsschulden nicht alleine da. „Man muss sich um die Stabilität der
globalen Anleihemärkte Sorgen machen“, sagte der neue Wirtschaftsweise
Gabriel Felbermayr der Nachrichtenagentur Reuters. Das Schuldenmachen sei
nun überall deutlich teurer. „Aber nicht nur das: Die Gefahr einer größeren
globalen Staatsschuldenkrise ist aktuell sehr hoch.“
Der Grund für die lagerübergreifende Sorge der Ökonom*innen: Weltweit sind
die Renditen, die Finanzinvestoren für Staatsanleihen verlangen, zuletzt
massiv in die Höhe geschossen. Besonders deutlich zeigte sich das gesunkene
Vertrauen der Finanzmärkte bei langfristigen US-Staatsanleihen. Knapp 5,3
Prozent verlangen Investoren dieser Tage für US-Anleihen mit einer Laufzeit
von 30 Jahren. Das ist so viel wie seit dem Beginn der Weltfinanzkrise 2007
nicht mehr.
„Trump treibt die Kosten mit seiner Politik nach oben“, warnt Hickel.
Zunächst hat er mit seiner Zollpolitik den globalen Handel gestresst, jetzt
sind die [2][Öllieferketten] durch den Krieg gestört, den der US-Präsident
seit Anfang März zusammen mit Israel gegen Iran führt. Die Folge ist, dass
die Inflation sowohl jenseits als auch diesseits des Atlantiks wieder
steigt. In der Eurozone lag sie im Juli bei 2,9 Prozent, wie das
EU-Statistikamt am Mittwoch mitteilte. Die Gefahr steigender Leitzinsen
durch die Zentralbanken dämpfen Erwartungen auf Wirtschaftswachstum.
## US-Notenbank in der Falle
Denn eine zu hohe Inflation bekämpfen Zentralbanken gerne mit
Zinserhöhungen, was wiederum auch die Renditen der Staatsanleihen in die
Höhe treibt. US-Ökonomen warnen deshalb, dass die Fed sich in einer Fiscal
Trap, fiskalischen Falle, befände. Eigentlich müsste die US-Notenbank wegen
der Inflation die Zinsen erhöhen. Doch dies würde die US-Zinsausgaben noch
weiter steigen lassen, was Trump zu verhindern versucht und deswegen Druck
auf die Fed ausübt. Denn bereits im vergangenen Jahr musste die
US-Regierung 970 Milliarden Dollar für den Schuldendienst berappen. Dieses
Jahr könnte es sogar mehr als 1 Billion Dollar sein.
„Das ganze Wirrwarr, das Trump erzeugt, lassen sich die Finanzmärkte gut
bezahlen“, sagt auch Thomas Theobald vom Institut für Makroökonomie und
Konjunkturforschung der taz. „Es ist aber noch keine akute
Staatsschuldenkrise.“ Was den Finanzmarktexperten optimistischer stimmt als
Ökonom Hickel: Der US-Schuldenstand ist derzeit nicht auf Rekordniveau.
Ende 2025 belief sich der Schuldenberg gemessen an der
US-Wirtschaftsleistung auf knapp 124 Prozent. Zum Vergleich: Ende 2020
waren es rund 130 Prozent.
Nichtsdestotrotz haben die USA ein strukturelles Problem. Ihre Schulden
sind nicht tragfähig. „Trump tritt die Goldene Regel mit Füßen“, sagt
Hickel. Damit verweist der Ökonom auf eine Einsicht, wonach es durchaus
sinnvoll sein kann, wenn der Staat Schulden macht. Wenn er nämlich damit
Investitionen in die öffentliche Infrastruktur finanziert, die sich
wiederum in Wirtschaftswachstum niederschlagen. So kann der Staat seine
Schulden über steigende Steuereinnahmen refinanzieren.
Doch Trump bläht derzeit vor allem seinen Militärapparat auf. Ende Juli
genehmigte das US-Repräsentantenhaus dem Pentagon ein Rekordbudget. Dies
sieht für nächstes Jahr Haushaltsmittel in Höhe von 1,15 Billionen Dollar
vor – fast ein Drittel mehr als das diesjährige Budget. Doch schafft mehr
Geld für Waffen nicht sonderlich viel Wachstum. „Dadurch können die
steigenden Staatsschulden nicht mit mehr Wachstum refinanziert werden“,
sagt Hickel.
Ökonom Theobald weist zudem auf die Steuergeschenke hin, die Trump Reichen
und Megareichen bereits im vergangenen Jahr mit seiner „[3][Big Beautiful
Bill]“ machte. Der US-Präsident nannte sie „die größte Steuersenkung in der
Geschichte“. „Auch da wurden die Staatsschulden nicht effizient verwendet,
um Wachstum zu schaffen“, so Theobald.
All das lässt eben offenbar das Vertrauen in die USA auf den Finanzmärkten
schwinden und die Renditeerwartungen steigen. Doch die US-Regierung hat
noch ein weiteres Problem, das die Ökonomen mit Interesse beobachten: Auf
der Suche nach frischem Kapital gerät die US-Regierung immer mehr in
Konkurrenz mit den großen IT-Konzernen. Die wiederum brauchen das Geld, um
in riesige Rechenzentren zu investieren, damit sie bei der KI-Wette nicht
den Anschluss verlieren.
19 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
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