# taz.de -- Hype um Peptide: Das molekulare Versprechen
       
       > Peptide sollen einen Boost für Gesundheit, Fitness und Schönheit bringen.
       > Aber was nutzen sie wirklich? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
       
 (IMG) Bild: Peptide, wie zum Beispiel Insulin werden deshalb meist gespritzt
       
       Peptide für die Gesundheit, so lässt sich ein Hype betiteln. Von
       Influencern werden sie als Alleskönner im Sinne der Selbstoptimierung
       angepriesen, und selbst der Gesundheitsminister der USA Robert F. Kennedy
       jr. will sie fördern.
       
       Angefangen bei Produkten wie Kollagen, die schon lange als Wundermittel der
       Verjüngung beschworen werden, kommen nun immer neue [1][Peptide] mit teils
       obskuren Namen hinzu. Sie heißen BPC-157 oder TB-500. Das generelle
       Versprechen: jünger aussehen, schneller heilen, größere Muskeln – all das
       kann verlockend klingen. Nur wissenschaftlich steckt oft wenig dahinter.
       Aber von vorn.
       
       ## Was sind Peptide überhaupt und wozu brauchen wir sie?
       
       Peptide sind kleine Schnipsel aus Aminosäuren – das sind die Bausteine, aus
       denen auch [2][Proteine] bestehen. Was genau „klein“ bedeutet, ist nicht
       ganz eindeutig definiert. Eine Übersichtsarbeit aus 2023 spricht etwa von
       typischerweise 2 bis 50 Aminosäuren, die entweder als Kette oder als Kreis
       angeordnet sind. Größere Aminosäure-Anordnungen heißen dann Proteine.
       
       „Im allgemeinen Sprachgebrauch werden diese Begriffe allerdings oft
       schwammiger verwendet“, sagt Mario Thevis, Professor und Leiter des
       Instituts für Biochemie am Zentrum für Präventive Dopingforschung der
       Deutschen Sporthochschule Köln. „Grundsätzlich können wir unter Peptiden
       eine Vielzahl an Wirkstoffen verstehen.“
       
       Im Körper wirken sie vor allem als Signalmoleküle für die Kommunikation
       zwischen Zellen, über die wichtige Prozesse gesteuert werden. Ein bekanntes
       Beispiel: Insulin, das als sogenanntes Peptidhormon mitverantwortlich für
       die Regulierung des Blutzuckers ist. Andere wirken sich etwa auf den
       Blutdruck oder das Sättigungsgefühl aus.
       
       ## Wie gelangen Peptide in den Körper?
       
       Natürlicherweise stellt der Körper Peptide selbst her. Teils werden dazu
       einzelne Aminosäuren komplett neu zusammengesetzt, teils werden sie gezielt
       von größeren Proteinen abgespalten oder entstehen als Nebenprodukt des
       Proteinstoffwechsels.
       
       Die – in jedem Fall benötigten – Aminosäuren können wir teilweise selbst
       produzieren oder bekommen sie durch den Abbau körpereigener Proteine.
       Wichtig ist aber auch die Aufnahme aus der Ernährung, vor allem bei
       essenziellen Aminosäuren, die der Körper nicht herstellen kann.
       
       Peptide als Ganzes aber künstlich zuzuführen, ist nicht so einfach. „Die
       meisten peptidischen Wirkstoffe bleiben nicht intakt, wenn ich sie über den
       Magen aufnehme“, sagt Mario Thevis. Vielmehr würden sie im Magen-Darm-Trakt
       ebenfalls wieder in kleinere Bruchstücke oder einzelne Aminosäuren zerlegt.
       Stoffe wie Insulin werden deshalb meist gespritzt, damit der Körper sie
       tatsächlich als Ganzes nutzen kann.
       
       ## Gibt es medizinische Anwendungen von Peptiden?
       
       Verschiedene Peptide sind bereits als Arzneimittel zugelassen. Insulin ist
       wohl das bekannteste Beispiel. Zudem wird das Peptidhormon Oxytocin bei
       schwierigen Geburten zur Einleitung der Wehen genutzt. Viel in den
       Schlagzeilen waren in letzter Zeit die sogenannten Abnehmspritzen. Sie
       enthalten die [3][Peptidhormone Semaglutid] oder Tirzepatid. Mit ihrer
       Hilfe kann Diabetes Typ 2 behandelt werden, im Besonderen aufgrund der
       unterstützenden Wirkung bei der Gewichtsreduktion.
       
       Ein essenzieller Punkt aller zugelassenen Arzneimittel: Ihre Wirksamkeit
       wurde in klinischen Studien nachgewiesen und die Qualität wird sorgfältig
       kontrolliert.
       
       ## Und was ist nun mit Peptiden wie Kollagen? Kann man sie auch so nehmen
       und helfen sie tatsächlich gegen das Altern?
       
       Das Peptid Kollagen wird vor allem in der Hautpflege angepriesen. Es soll –
       so die Versprechen von Herstellern – die Haut jünger aussehen lassen, teils
       auch die Haare üppiger und die Nägel stärker machen. Eigentlich ist
       Kollagen ist ein Strukturprotein, das mit steigendem Alter weniger vom
       Körper produziert wird. Die Idee der Industrie: Wer es als
       Nahrungsergänzungsmittel aufnimmt, etwa als Pulver im Kaffee, bleibt
       optisch jünger.
       
       Tatsächlich zeigen verschiedene Untersuchungen mit Menschen, wie Kollagen
       Falten reduziert. Ein Haken an der Sache ist aber, dass solche Studien
       meist von der Industrie finanziert werden und somit nicht unabhängig sind.
       Zudem werden oft nur wenige Testpersonen untersucht und die Qualität ist
       insgesamt fraglich. Dazu kommt: Nur, weil eine Studie signifikante Effekte
       sieht, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch sichtbare Wirkungen
       gibt. Im echten Leben steht niemand mit einem Lineal da, um die Tiefe der
       Falten zu messen – wäre eine Veränderung um ein paar Prozente wirklich
       merklich, selbst wenn die Studie sie als „signifikant“ bezeichnet?
       
       Unabhängige Fachleute gehen davon aus, dass Kollagen als
       Nahrungsergänzungsmittel nicht sichtbar wirkt und dass eine ausgewogene,
       proteinreiche Ernährung vollkommen ausreicht. Die Verbraucherzentrale
       betont zudem: Andere Maßnahmen wie Sonnenschutz, Nikotinverzicht und ein
       gesunder Lebenswandel hätten eine größere Wirkung.
       
       ## Wie viel ist an den Versprechen der Influencer dran, dass Peptide uns
       fitter machen können?
       
       Neuer als Kollagen sind Peptide mit wenig eingängigen Namen wie BPC-157,
       TB-500, CJC-1295 und MOTS-c. Sie sollen vor allem das Interesse von
       Hobbysportlerinnen und -sportlern wecken – insbesondere, weil sie im
       Profisport als Dopingmittel verboten sind.
       
       „Hinter den Namen stecken unterschiedliche Versprechen“, sagt Mario Thevis.
       „BPC-157 und TB-500 beispielsweise sollen vor allem die Wundheilung und die
       Regeneration unterstützen.“ Die wissenschaftliche Evidenz dafür sei jedoch
       vergleichsweise spärlich. Bisherige Reviews und Untersuchungen beziehen
       sich auf Tiermodelle und betonen jeweils deutlich, dass Studien mit
       menschlichen Testpersonen fehlen.
       
       Etwas deutlicher ließen sich laut Thevis CJC-1295 und MOTS-c einordnen,
       denn dort sei zumindest der jeweilige Wirkmechanismus nachgewiesen.
       Ersteres erhöht die Blutkonzentration von Wachstumshormonen, was wiederum
       Muskelwachstum unterstützt und die Fettverbrennung steigert. MOTS-c wirkt
       sich auf die Energiegewinnung in den Zellen aus und könnte so die
       Leistungsfähigkeit steigern. Doch selbst hier fehlen überzeugende klinische
       Studien, wie wissenschaftliche Reviews darlegen.
       
       Auch lasse sich über die Auswirkungen von im Internet beworbenen Mitteln
       beim Menschen nur spekulieren, betont Thevis: „Vor allem, weil es bei
       Produkten, die über internetbasierte Plattformen verkauft werden, selten
       eine Qualitätskontrolle gibt.“ So könne niemand sicher sein, ob überhaupt
       drin ist, was draufsteht. Um Muskeln zu bilden oder zu erhalten, gehört
       Sport außerdem zwingend dazu. Selbst, wenn die Peptide tatsächlich wirken
       sollten, könnten sie lediglich das Training unterstützen, nicht aber
       ersetzen. Ob kleinste Veränderungen durch die Wirkstoffe für
       Hobbysportler:innen relevant wären, ist fraglich.
       
       ## Kann es gefährlich sein, Peptide extra zu sich zu nehmen?
       
       Wie sich die jeweiligen Wirkstoffe auf die Menschen auswirken, auch im
       negativen Sinne, lässt sich bisher kaum sagen, weil aussagekräftige Studien
       fehlen. Das bedeutet, dass Wirkungen und Nebenwirkungen gleichermaßen
       unbekannt sind.
       
       Die fehlenden Qualitätskontrollen bei den Produkten aus dem Internet
       bedeuten zudem nicht nur, dass man vielleicht nicht bekommt, was
       versprochen wird – unter Umständen beinhalten sie stattdessen andere Stoffe
       mit potenziellen Gefahren. Kritisch kann überdies sein, sich die Peptide zu
       injizieren: An den Einstichstellen kann es beispielsweise zu Infektionen
       kommen, wenn die Nadeln nicht steril oder sogar verunreinigt sind. Je nach
       Wirkstoff sind auch allergische Reaktionen denkbar.
       
       Grundsätzlich lässt sich sagen: Nicht zugelassene Peptide zu spritzen oder
       als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen, hat keine erwiesenen
       Vorteile, jedoch mögliche unerwünschte Konsequenzen. Bestimmte Peptide
       haben als Medikamente einen wichtigen Stellenwert, doch auch sie müssen in
       einem kontrollierten Kontext, als qualitativ hochwertige Präparate und in
       einer definierten Dosis genommen werden. Entsprechend unwahrscheinlich
       treffen Menschen selbst mit ungeprüften Produkten zweifelhafter Qualität
       und Wirkung eine Menge, die ihnen merkliche Vorteile bringt.
       
       11 Sep 2026
       
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