# taz.de -- Start-up plant Massenproduktion: US-Rüstungsfirma will Marschflugkörper in Sachsen bauen
> Deutschland und die europäischen Verbündeten wollen weitreichende
> Waffensysteme. Ein amerikanisch-israelisches Unternehmen will sie in
> Ostdeutschland bauen.
(IMG) Bild: Der Marschflugkörper Anthem soll in Sachsen gebaut werden
dpa | Das US-israelische Rüstungsunternehmen Covenant will in Sachsen eine
umfangreiche Produktion weitreichender Marschflugkörper aufbauen. „Im
ersten Jahr werden wir etwa 1.000 Stück produzieren und dann auf 5.000
Stück hochfahren. Das ist unser Ziel für die Jahresproduktion“, sagte
Covenant-Chefin Abigail Denburg.
Die Produktion des Marschflugkörpers Anthem soll demnach im kommenden Jahr
im Raum Leipzig für europäische Kunden beginnen. Das Unternehmen hat auch
noch eine Fabrik in Dallas/Texas zur Versorgung der US-Streitkräfte.
Anthem kann einen 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf tragen. Zu
Medienberichten, wonach die Reichweite 1.500 Kilometer beträgt, äußert sich
das Unternehmen nicht. Anthem wird als Waffe für Präzisionsschläge tief im
gegnerischen Gebiet („deep strike“) bezeichnet.
Das Unternehmen will das Waffensystem deutlich günstiger anbieten als
bislang auf dem Markt verfügbare Systeme. Covenant erklärt dazu, Anthem
werde einen sechsstelligen Betrag kosten, also weniger als eine Million,
während andere Waffensysteme dieser Art üblicherweise mehrere Millionen
US-Dollar pro Stück kosten. Tests mit der Waffe gab es Berichten zufolge in
den USA und in Marokko.
## Umfangreiche Waffenarsenale sollen Gegner abschrecken
Die Massenproduktion hat eine militärische Bedeutung und soll Kunden
durchhaltefähig machen. Denburg sagt dazu: „Abschreckung ist eine
Kalkulation des Feindes, und diese Kalkulation ändert sich, wenn man über
umfangreiche Waffenarsenale verfügt. Wenn man ein Ziel erreichen und einmal
angreifen kann, schreckt das den Feind nicht unbedingt ab.“
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist Covenant bereits in
Gesprächen mit der Bundeswehr und der Beschaffungsbehörde, ohne dass dies
offiziell bestätigt wird. Denburg sagte – ohne einen direkten Bezug zu
Deutschland –, es gebe bereits einen Produktionsvertrag für Lieferungen von
Deutschland aus beginnend im ersten Quartal 2027. „Dieser europäische Kunde
wird selbst entscheiden, wann er dies bekanntgeben möchte“, sagte sie dazu.
## Covenant hat Ex-General als Berater
Covenant wurde erst 2024 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Washington.
Der Standort Leipzig biete sich für eine Fabrik an, weil es dort
hervorragende Fachkräfte gebe, so das Unternehmen.
Die Firma hat nach eigenen Angaben in drei Finanzierungsrunden mehr als 250
Millionen US-Dollar (215 Millionen Euro) von Investoren eingeworben. Unter
den Geldgebern ist auch der Founders Found, bei dem Peter Thiel zu den
Mitgründern zählt. Er ist [1][bekannt für seine libertären und
rechtskonservativen Positionen], seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump
und seine Kritik an liberalen Demokratien.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte in der Vergangenheit
„ausdrücklich“ Bedenken gegen Thiel geteilt. Öffentlich diskutiert wurde
auch, ob neue Abhängigkeiten entstehen oder ob nicht die Gefahr größer ist,
im Spannungsfall ohne ausreichend gefüllte Munitionslager dazustehen.
In Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben Generalleutnant a.
D. Andreas Marlow als Berater. Er war bis 2025 Stellvertreter des
Heeresinspekteurs und leitete von 2022 an auch die EU-Ausbildungsmission
für die ukrainischen Streitkräfte. Ein in Europa produziertes Programm für
Langstreckenflugkörper sei „das fehlende Puzzlestück in unserer
Abschreckungsarchitektur“, wird Marlow zitiert.
## Ist Anthem eine Alternative für den Tomahawk?
Deutschland und die europäischen Nato-Verbündeten bemühen sich derzeit,
weitreichende Waffensysteme als Antwort auf die russische Bedrohung zu
beschaffen und auch selbst zu entwickeln. Beim Nato-Gipfel in Ankara hatte
sich die Bundesregierung mit den USA auf den Kauf von US-Marschflugkörpern
des Typs Tomahawk geeinigt.
Die Deutsche Marine hatte Anfang September einen zuvor geheim gehaltenen
Test [2][des israelischen Raketensystems] Lora – eine ballistische Rakete –
erfolgreich abgeschlossen. Deutschland selbst verfügt bereits über den
[3][Marschflugkörper Taurus des Rüstungskonzerns MBDA], ist damit aber von
einer Massenproduktion weit entfernt.
Die europäischen Nato-Staaten verfügen derzeit auch noch nicht über eigene
Mittelstreckenwaffen. Mittelfristig wollen mehrere Verbündete ein eigenes
Waffensystem für weitreichende Präzisionsangriffe („deep precision strike“)
auf sogenannte Hochwertziele eines Gegners beschaffen. Dazu wurde 2024 auf
dem Nato-Gipfel in Washington das Projekt Elsa („European Long-Range Strike
Approach“) angestoßen.
9 Sep 2026
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