# taz.de -- Debatte um Altersgrenze für Social Media: Expert:innen fordern Regeln statt Verbot
> Dutzende Kinderrechts- und Digitalrechtsorganisationen fordern anstelle
> eines Social-Media-Verbots Änderungen an Plattformen wie Instagram,
> Tiktok und Youtube.
(IMG) Bild: Wer zu jung ist, soll draußen bleiben – die Politik arbeitet an Altersgrenzen für die Social-Media-Nutzung
Eine Woche bevor die EU-Kommissionspräsidentin voraussichtlich ihre Pläne
für eine Altersgrenze für die Nutzung von [1][Social-Media]-Diensten
vorlegen wird, haben sich über 140 Organisationen und Expert:innen aus
den Bereichen Gesundheit, Kinder- und Menschenrechte gegen ein Mindestalter
ausgesprochen. In einem [2][offenen Brief] fordern sie: Die EU solle eine
einheitliche Gesetzgebung beschließen, die Social-Media-Dienste zu
zahlreichen Jugendschutzmaßnahmen verpflichtet – und so deren Nutzung
sicherer macht. „Europa darf sich nicht mit einem pauschalen Verbot für
Jugendliche zufriedengeben, denn dieses geht die Kernprobleme der
suchterzeugenden und manipulativen Gestaltungsmerkmale von führenden
Social-Media-Plattformen nicht an“, kritisiert Eve Geddie von Amnesty
International.
In Deutschland arbeitet das Bundesbildungsministerium bereits an einem
Gesetzentwurf für ein Mindestalter für die Nutzung von
Social-Media-Plattformen. Und auch auf europäischer Ebene zeichnet sich ein
entsprechendes Gesetz ab. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
wird voraussichtlich in der kommenden Woche konkrete Pläne vorlegen.
Eine von ihr eingesetzte Expertengruppe hatte jüngst 13 Jahre als
Mindestalter vorgeschlagen. Das unterscheidet sich zwar nicht von der
Altersgrenze, die sich die meisten Plattformen selbst setzen. In Form eines
Gesetzes würde es aber zur Folge haben, dass sämtliche Nutzer:innen ihr
Alter gegenüber den Plattformen nachweisen müssen. Eine Technologie dafür,
die gleichermaßen datensparsam wie inklusiv und verlässlich ist, steht
bislang nicht bereit.
„Digitale Dienste, die für Kinder zugänglich sind, müssen von vornherein
und standardmäßig sicher sein, gestützt auf unabhängige Risikobewertungen
und eine konsequente Durchsetzung“, erklärt Mieke Schuurman vom Netzwerk
Eurochild, das wie Amnesty zu den Unterzeichnern gehört.
[3][Untersuchungen] aus Australien, wo seit vergangenem Dezember ein
Mindestalter gilt, haben gezeigt, dass die Mehrheit der Kinder und
Jugendlichen die Schranke umgeht. Die Regierung plant laut einem
[4][Bericht des Guardian] nun einen weiteren Ansatz: Nutzer:innen sollen
den personalisierten Algorithmus deaktivieren können und dann nur noch
Beiträge von Nutzenden sehen, mit denen ihr Konto verbunden ist.
9 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Social-Media/!t5016486
(DIR) [2] https://5rightsfoundation.com/wp-content/uploads/2026/09/Joint-Statement-on-the-expert-panel-report_5R_September-2026.pdf
(DIR) [3] https://www.bmj.com/content/393/bmj-2026-100067
(DIR) [4] https://www.theguardian.com/australia-news/2026/sep/08/australia-social-media-algorithm-switch-off-opt-out-digital-duty-of-care
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
## TAGS
(DIR) Big Tech
(DIR) EU-Kommission
(DIR) Digitalisierung
(DIR) Jugendschutz
(DIR) GNS
(DIR) Pisa-Studie
(DIR) Schwerpunkt Frankreich
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Neue Pisa-Studie veröffentlicht: Tiktok ist schlecht für die Kondition
Die Lesekompetenz erreicht neue Tiefstwerte und das Schulsystem ist
weiterhin sehr ungerecht. Deutschland bleibt bei Pisa schlechter
Durchschnitt.
(DIR) Social-Media-Nutzung in Frankreich: Verfassungsgericht kippt Social-Media-Verbot
Das Oberste Gericht hält ein Zugangsverbot für Jugendliche unter 15 Jahren
für nicht verfassungskonform. Für Präsident Macron ist das ein Rückschlag.
(DIR) Debatte um Social-Media-Verbot: Ein Mindestalter löst keine Probleme
Das Nutzen von Social-Media-Plattformen kann süchtig machen – in jedem
Alter. Um Kinder und Jugendliche zu schützen, braucht es digitale Bildung.