# taz.de -- Gesundheitsversorgung von Obdachlosen: La Torres Vermächtnis lebt in Berlin fort
> Das Gesundheitszentrum für Obdachlose in Berlin begeht sein 20-jähriges
> Bestehen. Die Obdachlosenärztin Jenny De la Torre hat es einst gegründet.
(IMG) Bild: Das Gesundheitszentrum für Obdachlose
Gleich im Foyer des Backsteinbaus hängt ein großes Bild. Jenny De la Torre,
die Obdachlosenärztin, ist darauf im weißen Kittel zu sehen. Von dort aus
geht es zu den medizinischen Behandlungsräumen. Küche, Speisesaal und
Kleiderkammer befinden sich im ersten Stock darüber. Die Räume, in denen
soziale und rechtliche Beratungen stattfinden, sind noch mal eine Treppe
höher.
Seit 20 Jahren gibt es das Gesundheitszentrum für Obdachlose in der
Pflugstraße in Mitte. Die peruanisch-deutsche Ärztin Jenny De la Torre
hatte die gleichnamige Stiftung gegründet, aus der das Zentrum
hervorgegangen ist. Bekannt wurde De la Torre durch ihr Engagement als
Obdachlosenärztin am Ostbahnhof, wo sie Anfang der 90er Jahre begann,
[1][Notleidende ohne Krankenversicherung] zu behandeln. Im Alter von 71 ist
De la Torre im vergangenen Jahr verstorben.
Ihr Vermächtnis lebt fort. Davon konnte man sich am Mittwoch bei einem Tag
der offenen Tür überzeugen. Rund 60.000 Untersuchungen und Beratungen haben
in den 20 Jahren in dem Zentrum stattgefunden. Rund 2.900 Zahnbehandlungen
sind erfolgt, rund 116.000 Mahlzeiten wurden ausgegeben. „Unsere Patienten
sind Tag und Nacht zu jeder Jahreszeit auf der Straße“, beschrieb der
leitende Arzt Christoph Biella die Klientel. Obdachlose Menschen hätten
eine deutlich geringere Lebenserwartung, „sie sterben 15 bis 20 Jahre
früher als die Normalbevölkerung“.
Das Gesundheitszentrum finanziert sich nahezu ausschließlich durch Spenden
und wird von einem Team aus festangestellten und überwiegend ehrenamtlichen
Mitarbeitenden getragen. Die jährlichen Kosten beliefen sich auf bis zu
500.000 Euro, sagte Stiftungsvorsitzende Ludmilla Baumgärtner. Bei vielen
Spenden handele es sich um Nachlässe. Man müsse sich um die Finanzierung
keine Sorgen machen, bestätigte Biella, „aber wir brauchen mehr
Gesundheitszentren wie dieses“.
## Appell an die politisch Verantwortlichen
Rund 7.000 Menschen würden in Berlin auf der Straße leben, sagte Janine
Räthke vom Paritätischen Wohlfahrtsverband am Mittwoch, weitere rund 57.000
seien in Unterkünften untergebracht. Viele der Einrichtungen könnten nur
deshalb bestehen, weil viele dort ehrenamtlich arbeiteten. Räthke
appellierte an die politischen Verantwortlichen, tragfähige Strukturen zu
schaffen und die Angebote dauerhaft zu finanzieren.
Und immer wieder fiel der Name De La Torre. Eine außergewöhnliche
Wegbegleiterin sei sie gewesen. „Ihre Entschlossenheit und ihre Wärme ist
uns Auftrag“, sagte Baumgärtner und hatte dabei Tränen in den Augen.
Neben der Eingangstür steht: „Dies ist ein gewaltfreies Haus.“ Ein rot
umrandetes Schild weist auf das Alkoholverbot hin. Die Kleiderkammer ist
gut gefüllt. Schuhe 43 bis 46 seien zurzeit allerdings knapp, sagt der
zuständige Mitarbeiter.
Die Betroffenen selbst sind an diesem Mittag nicht vor Ort. Aber sie haben
im Garten auf kleinen Zettel ihre Probleme und Wünsche für den Tag der
offenen Tür aufgeschrieben. „Keinen Bogen um mich machen“, heißt es da.
Oder: „Sitzmöglichkeiten, ohne fort gejagt zu werden“. Und auch das: „Ein
Strandhaus, ein Surfbrett und eine Kreditkarte ohne Limit.“
9 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Plutonia Plarre
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