# taz.de -- Welttag der Suizidprävention: „Reden kann Leben retten“
       
       > In Deutschland nehmen sich jährlich 10.000 Menschen das Leben. Dennoch
       > ist das Wissen über Hilfe und Prävention kaum verbreitet. Was sich
       > Betroffene wünschen.
       
 (IMG) Bild: Oliver Wildenstein hat heute keine Suizidgedanken mehr. Depressive Phasen hat er immer noch
       
       Oliver Wildenstein war Anfang 30, als die Krankheit anfing. Er bekam
       Konzentrationsprobleme, hatte Schlafstörungen und war ständig müde. Wenn er
       ein Buch las, wusste er am Ende der Seite nicht mehr, was ganz oben stand.
       Legte er sich abends schlafen, wachte er zwei Stunden später schweißgebadet
       wieder auf. Überall sah er nur noch Probleme.
       
       „Die Gartenarbeit wurde mir zu viel“, sagt Wildenstein. „Rasen mähen, die
       Hecke schneiden, das Grüngut wegbringen … Was, wenn jemand merkt, dass es
       mir schlecht geht?“
       
       Wildenstein sitzt während des Video-Gesprächs mit der taz in der hinteren
       Ecke seines Wohnwagens. Wenn er nachdenkt, wandert sein Blick an die Decke.
       Der ehemalige Senior-Projektmanager ist 55 Jahre alt und lebt seit 25
       Jahren mit seiner Depression. Einen konkreten Auslöser habe es nicht
       gegeben. „Es kamen viele Faktoren zusammen.“
       
       Unter anderem im Job habe er sich viel Druck gemacht. Nach außen hin
       funktionierte er: Er verantwortete das Budget, handelte Verträge aus und
       führte Gespräche mit Mitarbeitenden. Dass es ihm mental schlecht ging,
       konnte er gut verheimlichen: „Wie ein Schauspieler.“ Er liebte seine Arbeit
       und bekam viel positives Feedback. Trotzdem war er überzeugt: Es werde
       nicht lange dauern, bis alle merkten, dass er nichts draufhabe.
       Rückblickend weiß Wildenstein, dass diese Ängste nicht real waren.
       
       Neben der Verantwortung im Job kam die Verantwortung zu Hause. Mit der
       Geburt seiner Kinder ging seine damalige Frau in Elternzeit, Wildenstein
       hatte die Verantwortung für das Haushaltseinkommen. Nach Feierabend habe er
       sich nur noch ins Bett legen wollen – anstatt Zeit mit seiner Familie zu
       verbringen. „Meine Ex-Frau war hilflos, weil sie nicht wusste, wie sie
       damit umgehen soll.“ Auch sozial zog sich Wildenstein zunehmend zurück. Der
       Freund, mit dem er regelmäßig Squash gespielt hatte, habe irgendwann nicht
       mehr nach ihm gefragt. „Es wäre schön gewesen, wenn er weiter gefragt
       hätte, ob wir gemeinsam spielen wollen“, sagt Wildenstein.
       
       Sein Zustand hielt mehrere Monate an. Irgendwann habe er auch suizidale
       Gedanken gehabt. Fast täglich habe er darüber nachgedacht, sich sein Leben
       zu nehmen.
       
       Darüber reden konnte er nicht. Stattdessen sei er zunehmend verstummt, habe
       keine Emotionen mehr gezeigt, war stets erschöpft. Von der Ex-Frau,
       Kolleg:innen und im Freundeskreis bekam er zu hören, dass jeder Mensch
       mal schlechte Tage habe. „Reiß dich zusammen“, habe er oft gehört. Das
       wiederum führte bei Wildenstein dazu, dass er sich in seinem Zustand nicht
       gesehen fühlte.
       
       ## „Sätze wie ‚Geh mal joggen‘ sind nicht hilfreich“
       
       „Noch immer wissen viele nicht, wie sie mit depressiven oder suizidalen
       Menschen umgehen sollen – oft aus Unsicherheit oder Angst“, sagt Ute
       Lewitzka, Psychiaterin und Professorin für Suizidologie. „Sie wissen nicht,
       dass Sätze wie ‚Geh mal joggen‘ nicht hilfreich sind.“ Hilfreicher sei es,
       zuzuhören, nachzufragen und den Zustand des Gegenübers auszuhalten.
       
       Doch solche Unterhaltungen überhaupt zu führen, sei gerade für Männer ein
       großes Problem. Sie gehören zur Hochrisikogruppe: Bei 10.000 Suiziden
       jährlich in Deutschland – [1][eine der häufigsten Todesursachen
       hierzulande] – sind zu drei Vierteln Männer betroffen.
       
       Nach Informationen von Hilfsangeboten wie der Website [2][Männer stärken]
       sowie dem Netzwerk [3][Nationales Suizidpräventionsprogramm] scheuen sich
       Frauen weniger davor, Hilfe anzunehmen, während Männer anerzogen bekommen,
       keine Schwäche zu zeigen. Frauen haben demnach auch oft ein breiteres
       soziales Netz, das sie auffängt. Dass die Zahl der Männer, die sich das
       Leben nehmen, so viel höher ist als die der Frauen, liege auch daran, dass
       sie häufig aggressivere Suizidmethoden wählen. Ihre Suizidversuche gelingen
       dadurch besser.
       
       Weil die Sensibilität für die Thematik fehlt, kursieren noch immer viele
       Mythen rund um den Suizid – selbst unter Mediziner:innen. Der Klassiker sei
       noch immer, dass viele Menschen glaubten, ein Mensch wolle mit seinem
       Sterbewunsch nur Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sagt Lewitzka.
       
       „Aus Studien wissen wir, dass ein erheblicher Teil der Menschen, die durch
       Suizid sterben, vorher in irgendeiner Form über ihre Suizidgedanken, ihre
       Absichten oder ihre Verzweiflung gesprochen hat“, sagt die Psychiaterin.
       „Wenn also jemand sagt: ‚Ich möchte nicht mehr leben‘, müssen wir das sehr
       ernst nehmen“, genauer nachfragen und Unterstützung anbieten. Klar müsse
       dennoch sein: Ein Gespräch sei keine Garantie dafür, dass ein Suizid
       verhindert werde.
       
       Der zweite Mythos: Wenn man eine Person überzeugt, die geplante
       Suizidmethode nicht auszuführen, greift die Person zur nächsten Methode.
       Doch nur 5 bis 15 Prozent der Menschen, die in einem bestimmten Moment vom
       Suizid abgehalten werden, sterben später tatsächlich an Suizid. „85 bis 95
       Prozent tun es nicht. Die halte ich in dem bestimmten Moment zurück“, sagt
       Lewitzka.
       
       Oliver Wildenstein hat selbst entschieden, am Leben zu bleiben. „Ich konnte
       das meinen Kindern nicht zumuten“, erzählt er. „Meiner damaligen Frau auch
       nicht.“
       
       Wegen seiner Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten suchte Wildenstein
       einen Hausarzt auf. „Der sagte immer: ‚Ja, ja, jetzt machen wir erstmal
       autogenes Training, und dann klappt das schon.‘ Ihm war nicht klar, dass
       das eine Depression ist“, erzählt Wildenstein. Doch das autogene Training –
       eine Entspannungstechnik – half nicht, und Wildenstein ging es immer
       schlechter. Daraufhin suchte er seinen ehemaligen Hausarzt auf. Der
       erinnerte sich an einen ganz anderen, gesunden Wildenstein, verschrieb ihm
       ein Medikament und schickte ihn zum Psychiater. Dort erzählte er auch zum
       ersten Mal von seinen Suizidgedanken. Daraufhin diagnostizierte ihm der
       Psychiater eine Depression und meldete ihn in einer Klinik an. Wildenstein
       ließ es geschehen, war aber überzeugt, dass er einen Klinikaufenthalt nicht
       nötig hatte. Er hegte immer noch die Hoffnung, dass es ihm in ein paar
       Wochen wieder besser gehen würde.
       
       „Die wertvollste Hilfe ist, wenn das Gegenüber dafür sorgt, dass der
       Betroffene ins Hilfesystem kommt“, sagt die Psychiaterin Ute Lewitzka. Denn
       depressive Betroffene selbst haben oft keinen Antrieb und sind häufig
       völlig hoffnungslos. „Wenn sie in einer Praxis anrufen und direkt eine
       Absage bekommen, weil keine neuen Patienten angenommen werden, verstärkt
       diese negative Erfahrung unter Umständen das depressive Erleben“, sagt sie.
       „Angehörige und Freunde können in so einem Fall bei der Person bleiben, sie
       bestärken und dafür sorgen, dass sie ins Hilfesystem kommt.“ Das muss nicht
       zwingend eine psychiatrische Klinik oder ein Therapieplatz sein – auch ein
       gemeinsamer Anruf beim örtlichen Krisendienst kann ein erster Anlauf sein.
       
       Bei Wildenstein gab es nicht die erhoffte Besserung – er ging in die
       Klinik. Dort stellten die Ärzt:innen fest, dass es nicht nur die Arbeit
       und der Haushalt war, die ihn belasteten. Er habe auch den Tod seines
       Vaters nicht verarbeiten können. Denn im selben Jahr, als der Vater an
       Nierenkrebs starb, zog Wildenstein mit seiner späteren Ehefrau nach
       Heidelberg. Er schrieb Bewerbungen und fing einen neuen Job als
       Softwareentwickler an. Er kümmerte sich um seine Mutter. Da blieb keine
       Zeit für Trauer – obwohl er einen sehr engen Kontakt zum Vater gehabt
       hatte.
       
       Seit seiner Diagnose vor 25 Jahren hat Wildenstein fünf Klinikaufenthalte
       hinter sich. Noch immer steht er im engen Kontakt zu seinem ambulanten
       Therapeuten sowie zu seinem Psychiater. Er habe ein gutes therapeutisches
       Netz für sich aufbauen können.
       
       Wildenstein ist heute froh, dass er noch am Leben ist. Die Psychiaterin
       Lewitzka sagt: „Oft geht ein suizidaler Gedanke und auch Depression wieder
       weg. Depressive Episoden bessern sich irgendwann, und dann hören auch die
       Suizidgedanken auf.“ Im Umgang mit ihren Patient:innen habe sie erlebt,
       dass diese nach einer gewissen Zeit und mit Abstand ihre frühere Situation
       anders bewerten. „Diese Rückmeldung bestärkt uns auch in der Prävention“,
       sagt sie.
       
       ## Viele Menschen haben noch immer starke Berührungsängste mit dem Thema
       
       Doch bei der Prävention mangelt es noch sehr – was damit beginnt, dass
       viele Menschen starke Berührungsängste mit dem Thema haben. Das gelte auch
       für medizinisches Personal.
       
       „Manche Menschen, die sich weniger mit der Thematik auskennen, haben oft
       den Impuls, sofort die Polizei oder den Rettungswagen zu rufen, da der
       Unterschied zwischen einer akuten Suizidalität und einer Lebensmüdigkeit
       nicht bekannt ist“, sagt Nora Fieling, die mit bürgerlichem Namen anders
       heißt. Für einen Blog gab sich Fieling vor elf Jahren selbst das Pseudonym.
       Sie schrieb über eigene Erfahrungen mit Depression, Angststörungen und
       Suizidalität. Heute ist sie Peerberaterin und gibt Workshops für Betroffene
       bei den Berliner Selbsthilfe-Kontaktstellen Sekis und Kis Pankow.
       
       Im Job erlebe sie immer wieder, dass Menschen von ihrer Lebensmüdigkeit
       erzählen. Das ist kein medizinischer Fachbegriff, beschreibt aber
       umgangssprachlich ein Gefühl der Erschöpfung und Sinnlosigkeit. Das gehe
       von „Ich kann nicht mehr“, „Ich schaff’ das nicht mehr“ bis hin zu „Ich
       will nicht mehr aufwachen“. Die meisten würden solche Äußerungen eher
       nebenbei erzählen. Hier sei es wichtig, eine Nachfrage zu stellen: „Wie
       meinst du das genau?“, anstatt sofort in Panik zu geraten. „Nicht jede
       lebensmüde Äußerung muss in einer Klinik behandelt werden, und nicht jede
       Lebensmüdigkeit ist per se eine akute Suizidalität“, erklärt Fieling.
       
       Also müsse man versuchen, die Bedrohung einzuschätzen: Je detaillierter die
       Vorstellungen eines Suizids sind, desto akuter ist die Gefahr – wie im Fall
       von Oliver Wildenstein. Fieling erklärt, dass sich viele Menschen mit
       Lebensmüdigkeit oftmals eher einen Raum wünschen, wo sie offen über ihre
       Gedanken sprechen können. Wenn das Gegenüber den Krankenwagen oder die
       Polizei rufe, sei es kontraproduktiv. „Die Leute haben sich getraut, es
       anzusprechen. Wenn Unterstützende sofort Alarm schlagen, verbauen sie eine
       Brücke. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Personen bei einer erneuten
       Krise an jemanden wenden, sinkt“, erklärt Fieling.
       
       Ute Lewitzka ergänzt, dass Angehörige und Freund:innen auch nach
       potenziellen Suizidabsichten fragen können, wenn sie den Eindruck haben,
       dass hinter Erzählungen von Überforderung und Überlastung mehr steckt. Zum
       Beispiel: „Mensch, bei dir ist ja so viel los gerade, gibt es da auch
       Gedanken, dass du nicht mehr leben willst?“ Dies anzusprechen, könne das
       Gegenüber sogar entlasten. In jedem Fall sei wichtig, bei suizidalen
       Gedanken zu fragen, was diese auslöse. Man könne auch direkt weiterfragen:
       „Sind es Gedanken, die mal kommen und gehen, oder die dir gar nicht mehr
       aus dem Kopf gehen?“
       
       Dadurch könne abgeschätzt werden, wie alarmierend die Situation ist. Wenn
       die suizidale Person erkläre, die Gedanken seien häufig da und es falle ihr
       schwer, sie wegzuschieben, sollten Angehörige fragen, ob sich die Person
       auch schon Gedanken über eine Suizidmethode gemacht habe. Das sei wichtig,
       weil diese den Hinweis darauf gibt, wie leicht umsetzbar ein suizidaler
       Impuls wäre.
       
       ## Zuhören, ernst nehmen, nicht verurteilen
       
       Angehörige sollten einen Sterbewunsch zwar nicht gutheißen, aber den
       Betroffenen diesen auch nicht absprechen. Erst wenn die Person die
       Suizidgedanken nicht verteidigen oder verheimlichen müsse, entstehe ein
       Raum für ein offenes Gespräch und die Suche nach Alternativen.
       
       Denn für Betroffene sei ein möglicher Suizid oft eine von mehreren
       vermeintlichen Lösungsoptionen. „Suizidale Menschen sind häufig
       ambivalent“, sagt die Psychiaterin Ute Lewitzka. „Wenn ich den Gedanken
       nicht bekämpfe, sondern ernst nehme, kann ein Gespräch darüber entstehen,
       was neben dem Suizid noch möglich ist“, erzählt sie.
       
       Daher ist auch wichtig, über Auslöser zu sprechen: Was ist gerade besonders
       belastend? Bei starken körperlichen Beschwerden wäre eine Lösungsidee eine
       bessere Behandlung von Schmerzen; bei sozialer Isolation mehr Begleitung im
       Alltag. „Manchmal geht es zunächst auch gar nicht um eine langfristige
       Lösung, sondern darum, die nächsten Stunden oder Tage sicher zu
       überbrücken, die Person nicht allein zu lassen und professionelle Hilfe
       hinzuzuziehen“, sagt Lewitzka.
       
       Die zweite Bedingung in einem solchen Zweiergespräch: „Ich darf nicht
       bewerten, warum ein Mensch suizidal ist“, sagt Lewitzka. Denn das Empfinden
       sei individuell und sehr unterschiedlich. „Wenn eine 16-Jährige sich das
       Leben nehmen will, weil ihr erster Freund sie verlassen hat, sollte ich mit
       meiner Lebenserfahrung nicht sagen: ‚Ach Mädchen, der war doch sowieso
       nicht der Richtige‘. Denn dann habe ich ihr Vertrauen verloren.“
       
       Hier sei es wichtig, die Gefühle der jungen Frau anzuerkennen und zu
       akzeptieren, dass der momentane Zustand sehr schlimm für die betroffene
       Person ist.
       
       Für Angehörige und Freund:innen von Suizidgefährdeten ist ein solches
       Gespräch nicht einfach. Deshalb rät Lewitzka auch dazu, Grenzen zu setzen –
       und im Zweifel auf professionelle Hilfe zu setzen. In etwa: „Danke, dass du
       mir das anvertraut hast. Ich mache mir aber große Sorgen um dich und
       möchte, dass wir jetzt zusammen zu einem Hausarzt gehen oder uns zusammen
       in einer Ambulanz vorstellen.“
       
       Auch wenn Oliver Wildenstein derzeit keine suizidalen Gedanken hat –
       depressive Phasen hat er noch heute. Er kann aber mittlerweile besser damit
       umgehen und darüber reden. Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten sind
       geblieben. Ein Buch zu lesen, fällt ihm immer noch schwer. Wenn er liest,
       hat er einen Zettel daneben liegen, auf den er die Namen der Charaktere und
       deren Verbindungen zueinander schreibt, damit er die Geschichte verfolgen
       kann.
       
       Von der Mutter seiner Kinder hat er sich getrennt, dafür steht heute seine
       neue Lebenspartnerin Tina Dix an seiner Seite. Auch Dix hatte mit
       Depression und Suizidalität zu kämpfen, weshalb die beiden von Anfang an
       direkt offen darüber reden konnten. Sie tauschten sich über Erfahrungen zu
       sozialem Rückzug, Angststörungen und Konzentrationsschwierigkeiten aus.
       
       „Die Gespräche mussten nicht bei null starten, weil ich gut nachfühlen
       konnte, wie es Oli geht“, sagt Dix, die sich zwischendurch mit in das
       Gespräch einschaltet. „Diese innere Qual, die man Außenstehenden schwer
       erklären kann, wenn man Depression hat – für uns war das direkt
       nachvollziehbar.“
       
       Professionelle Hilfe ist daher essenziell. Doch die zu bekommen, wird immer
       schwieriger: Die aktuelle Bundesregierung plant Einsparungen in der
       gesetzlichen Krankenversicherung, die auch [4][Kürzungen in der
       Psychotherapie] vorsehen. Fachverbände fürchten, dass gesetzlich
       Versicherte dadurch letztlich weniger Therapiestunden erhalten könnten –
       auch Wartezeiten für Therapieplätze könnten sich verlängern.
       
       Auch der Entwurf des Gesetzes zur Stärkung der [5][nationalen
       Suizidprävention] lässt zu wünschen übrig: Er setzt ausschließlich auf
       Koordination und Vernetzung, ohne konkrete Finanzierungswege oder
       Umsetzungsvorgaben zu nennen. Es gibt keine verlässliche Dauerfinanzierung
       von bereits bestehenden Krisenhilfen und Beratungsangeboten.
       
       Die Psychiaterin Ute Lewitzka hofft dennoch, dass in Zukunft mehr
       Bewusstsein für das Thema geschaffen wird. „Leute müssen hinschauen und
       sich trauen, das Thema anzusprechen“, sagt sie. Denn: „Reden kann Leben
       retten.“
       
       Haben Sie suizidale Gedanken? Dann sollten Sie sich unverzüglich ärztliche
       und psychotherapeutische Hilfe holen. Bitte wenden Sie sich an die nächste
       psychiatrische Klinik oder rufen Sie in akuten Fällen den Notruf an unter
       112. Eine Liste mit weiteren Angeboten finden Sie unter
       [6][taz.de/suizidgedanken].
       
       10 Sep 2026
       
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