# taz.de -- Suizidprävention in Deutschland: Sinkende Zahlen, bleibende Herausforderung
       
       > Suizid zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Trotz
       > Fortschritten bleibt die Prävention eine dauerhafte Aufgabe.
       
 (IMG) Bild: Über 100.000 Menschen unternehmen jährlich einen Suizidversuch in Deutschland
       
       Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland und übertrifft
       in seiner Häufigkeit andere Todesursachen wie Verkehrsunfälle, AIDS,
       Drogenkonsum und Gewalt. Besonders betroffen sind Männer, die einen
       Großteil der Fälle ausmachen. In den letzten Jahren hat zudem die Zahl der
       assistierten Suizide zugenommen. 2024 verloren mehr als 10.000 Menschen ihr
       Leben durch Suizid, und über 100.000 unternahmen einen Versuch.
       
       In den 1970er Jahren entstanden in Deutschland erste Institutionen zur
       Suizidprävention und Aufklärung. 1972 wurde die Deutsche Gesellschaft für
       Suizidprävention (DGS) in München als interdisziplinäre und überregionale
       Fachgesellschaft gegründet. Seit 1977 gibt es zwei bundesweit [1][geltende
       Sonderrufnummern für die TelefonSeelsorge]. 2002 wurde zusätzlich das
       Nationale Suizidpräventionsprogramm gestartet, um die Aufklärung und
       Information über Suizid und Prävention zu stärken.
       
       Insgesamt hat sich seit den 1980er Jahren so die Zahl der Suizide, von etwa
       18.000 auf 9.000 bis 10.000 Suizide jährlich, fast halbiert. Im Jahr 2022
       (10.119) ließ sich jedoch ein unerwarteter Anstieg von 9,8 Prozent im
       Vergleich zum Vorjahr (9.215) beobachten. Dass die Zahl der Suizide seit 20
       Jahren nicht weiter abnehme, beklagte zuletzt der frühere
       Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und forderte „das
       gesellschaftliche Tabu von Tod und Suizid“ zu überwinden. 2024 wurde in
       diesem Zusammenhang eine Nationale [2][Suizidpräventionsstrategie]
       vorgestellt.
       
       Der Blick hat sich über die Jahre gewandelt: Anstatt einer religiös
       motivierten, tabuisierenden Haltung werde Suizid heute mit einer
       annehmenden, die Selbstbestimmung des Individuums achtenden Haltung
       begegnet, [3][heißt es im Bericht zu Suizidprävention von 2021]. Im
       Vordergrund steht dabei das Verständnis der individuellen Umstände der
       Betroffenen und das Angebot – nicht der Zwang – zur Hilfe.
       
       ## Zunehmende Arbeitslosigkeit ein großer Faktor
       
       Weiterhin bestehen jedoch Risikofaktoren, die es wahrscheinlicher machen,
       dass Menschen an Suizid versterben. Diese sind laut der DGS psychische
       Erkrankungen, Suchterkrankungen, Schizophrenie, und Arbeitslosigkeit.
       Zunehmende Arbeitslosigkeit in Deutschland ist dabei ein Faktor, der sich
       auf eine steigenden Suizidrate auswirkt. Faktoren, die die Suizidrate
       senken sind wiederum die Enttabuisierung von Suizid und
       Präventionsprogramme für Suizidgefährdete. Auch den Medien wird eine große
       Rolle zugeschrieben, weil sie gesellschaftliche Vorstellungen von und
       Einstellungen gegenüber Suizidalität und Suizidgefährdeten maßgeblich
       prägen kann.
       
       Haben Sie suizidale Gedanken? Dann sollten Sie sich unverzüglich ärztliche
       und psychotherapeutische Hilfe holen. Bitte wenden Sie sich an die nächste
       psychiatrische Klinik oder rufen Sie in aktuen Fällen den Notruf an unter
       112. Eine Liste mit weiteren Angeboten finden Sie unter
       taz.de/suizidgedanken.
       
       29 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.diakonie.de/informieren/die-diakonie/unsere-geschichte/arbeitsfelder-im-historischen-verlauf/telefonseelsorg
 (DIR) [2] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/bundesgesundheitsminister-stellt-nationale-suizidpraeventionsstrategie-vor-pm-02-05-2024.html
 (DIR) [3] https://www.naspro.de/dl/Suizidpraevention-Deutschland-2021.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Amelie Sittenauer
       
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