# taz.de -- Besetztes Westjordanland: Die Siedlungen kommen, die Sanktionen aber auch
> Ein israelisches Gericht weist einen Eilantrag gegen das Siedlungsprojekt
> E1 zurück. Großbritannien will neue Sanktionen gegen Produkte aus
> Siedlungen verhängen.
(IMG) Bild: Palästinensische Kinder blicken auf eine neue israelische Siedlung nahe Nablus
dpa/afp/taz | Die israelische Justiz hat am Dienstag einen Eilantrag gegen
das [1][umstrittene Siedlungsprojekt E1] im Westjordanland zurückgewiesen.
Mit dem Eilantrag wollten mehrere Menschenrechtsorganisationen bewirken,
dass eine Ausschreibung für den Bau von mehr als 1200 Wohneinheiten für das
sogenannte E1-Projekt östlich von Jerusalem ausgesetzt wird.
Das E1-Projekt war im vergangenen Jahr genehmigt worden. Kritiker warnen,
[2][es drohe die territoriale Verbindung zwischen dem Norden und Süden des
Westjordanlands weiter zu zerschneiden] und würde damit die Aussichten auf
einen lebensfähigen palästinensischen Staat zusätzlich schmälern. Im
vergangenen Monat forderten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und
Italien die israelische Regierung zur Beendigung des Projekts auf.
Israel hält das Westjordanland seit dem Ende des Sechstagekriegs im Jahr
1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als
500.000 Israelis in Siedlungen. [3][Immer mehr Gewalt gegen Palästinenser
geht von ihnen aus.] Der israelischen Regierung von Ministerpräsident
Benjamin Netanjahu gehören auch mehrere rechtsextreme Minister an, die
offen für eine Annexion des Westjordanlands eintreten. Vor der israelischen
Parlamentswahl am 27. Oktober treibt die Regierung weitere Bauvorhaben
voran.
## London verhängt wohl Sanktionen
Großbritannien verhängt Berichten zufolge Sanktionen gegen Waren aus
illegalen israelischen Siedlungen im Westjordanland. Das sei Teil einer
größeren Neuausrichtung der Beziehungen zu Israel, meldete unter anderem
die britische Nachrichtenagentur PA. Außenminister Ed Miliband will demnach
die Maßnahmen am Nachmittag im Unterhaus verkünden. Es gehe darum, die
Möglichkeit einer Zweistaatenlösung am Leben zu erhalten, sagte
Arbeitsminister Pat McFadden dem Sender Sky News.
Deutliche Kritik kam aus Israel und vom US-Botschafter in dem Land. Israels
Präsident Izchak Herzog kritisierte den Schritt nach Angaben seines Büros
als „schwere Fehleinschätzung“, gleichzeitig warf er Großbritannien
Einmischung in die anstehenden Wahlen in Israel vor.
Israels rechtsextremer Polizeiminister [4][Itamar Ben-Gvir] forderte auf X
bereits, sein Land solle [5][den argentinischen Anspruch auf die
Falklandinseln] anerkennen. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee,
warf der britischen Regierung in einem BBC-Interview „Diskriminierung des
jüdischen Volkes“ vor. Und das, obwohl der britische Außenminister Ed
Miliband selbst aus einer jüdischen Familie kommt. Großbritanniens Premier
[6][Andy Burnham] hatte US-Präsident Donald Trump Berichten zufolge bereits
am Montag in einem Telefonat von den Plänen unterrichtet.
In Großbritannien war der Schritt bereits seit Längerem erwartet worden.
Der neue Premier Burnham dürfte damit versuchen, den linken Flügel seiner
sozialdemokratischen Labour-Partei zu beschwichtigen. [7][Der Kurs seines
Vorgängers Keir Starmer] hatte viele Labour-Mitglieder verärgert.
Auch der israelische Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold sieht hinter
den Sanktionen mehr als nur eine außenpolitische Entscheidung. „Ich zweifle
nicht an der Aufrichtigkeit Großbritanniens, wenn es darum geht, dass eine
Ausweitung der Siedlungen dem Friedensprozess schadet, und ich zweifle auch
nicht an der Aufrichtigkeit der Kritik an E1“, sagte er im Gespräch mit der
Deutschen Presse-Agentur. Treibende Kraft sei jedoch der Versuch, Teile der
Labour-Kernwählerschaft zurückzugewinnen.
## In der EU wird seit Monaten über Vorgehen gestritten
Mehrere europäische Staaten haben [8][bereits Sanktionen gegen Waren aus
Siedlungen im Westjordanland beschlossen,] darunter Irland und Spanien. Sie
drängen auf ein gemeinsames Vorgehen in der EU. In Brüssel wird seit
Monaten über den Umgang mit der israelischen Siedlungspolitik gestritten.
Die Mitgliedstaaten sind sich einig, dass sie völkerrechtswidrig ist,
können sich bislang aber nicht auf weitreichende Sanktionen einigen.
[9][Bundesaußenminister Johann Wadephul] hatte die Pläne für das E1-Gebiet
scharf kritisiert. „Die Bundesregierung lehnt diesen völkerrechtswidrigen
Schritt und jede Annexionspläne ab“, sagte er. Bei der Frage nach
Sanktionen trat die Bundesregierung bislang jedoch auf die Bremse.
8 Sep 2026
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