# taz.de -- Palästinensische Terrororganisation PFLP: Mehrere Kilo Sprengstoff, mit Nägeln gespickt
> Nach seinem Auftritt bei der Linken in Berlin-Neukölln beteuert
> Dahabflex, nie zu Gewalt aufgerufen zu haben. Doch was heißt „Intifada
> wie die PFLP“?
(IMG) Bild: 2001 in Gaza-Stadt. Auf dem Stirnband steht „Volksfront für die Befreiung Palästinas“
„Yalla yalla Intifada“, sang der Musiker Dahabflex vor wenigen Tagen auf
der Bühne einer [1][Wahlkampfveranstaltung der Linken in Berlin-Neukölln].
„Entsetzt“ sei sie, sagte die Berliner Spitzenkandidatin Elif Eralp. Warum
denn, fragen nun manche aus dem Umfeld der Neuköllner Linken und der
palästinasolidarischen Szene – [2][„Intifada“ heiße schließlich lediglich
„Aufstand“] und der könne ja auch friedlich sein. Und Dahabflex selbst
erklärte, er habe keineswegs zu Gewalt gegen Zivilist*innen aufgerufen.
Eine Aussage, die sein eigener Liedtext Lügen straft. Dahabflex beschreibt
sehr genau, welche Art von Intifada er meint. Er singt von „Intifada wie
die PFLP“, also wie die marxistisch-leninistische Volksfront zur Befreiung
Palästinas. Er singt von „Leila-Khaled-Style“. Er singt „Georges Abdallah
is’ jetz’ frei“.
Ein kurzer (und unvollständiger) Überblick über das, was hinter diesen
Zeilen steckt:
## „Intifada wie die PFLP“
Februar 2002: In einem Einkaufszentrum in der Siedlung Karnei Shomron im
Westjordanland sprengt ein Selbstmordattentäter sich in einer Pizzeria in
die Luft. Er trägt eine mehrere Kilogramm schwere und mit Nägeln gespickte
Bombe am Körper. Drei Teenager sterben, 27 Menschen werden verletzt.
März 2002: In der Lobby eines Hotels in der Siedlung Ariel sprengt sich ein
Attentäter in die Luft. 15 Menschen werden verletzt.
Mai 2002: Ein als IDF-Soldat verkleideter Attentäter sprengt sich auf einem
Markt in der israelischen Stadt Netanya in die Luft. Sein Bombengürtel ist
mit Nägeln und Schrauben gespickt. Neun Menschen sterben, rund 60 werden
verletzt.
April 2003: Vor der belebten Bahnstation der Stadt Kfar Saba im Zentrum
Israels sprengt ein Selbstmordattentäter sich in die Luft. Ein
Sicherheitsmann versucht, ihn zu stoppen. Er kommt ums Leben – ihm ist es
zu verdanken, dass es darüber hinaus nur 13 Verletzte gibt.
Dezember 2003: An einer Bushaltestelle am Stadtrand von Tel Aviv sprengt
sich ein Attentäter in die Luft. Vier Menschen sterben, 16 weitere werden
verletzt.
Mai 2004: Ein Selbstmordattentäter verübt einen Anschlag auf einen
Militärkontrollpunkt nahe der Siedlung Bekaot im Norden des
Westjordanlands. Fünf Menschen werden verletzt – ein israelischer Soldat
und vier Palästinenser.
November 2004: Auf dem belebten Carmel-Markt im Zentrum von Tel Aviv
sprengt sich kurz vor Mittag ein Selbstmordattentäter an einem Käsestand in
die Luft. Er trägt 5 Kilo Sprengstoff am Körper. Drei Menschen sterben,
rund 30 werden verletzt.
## „Leila-Khaled-Style“
August 1968: Die PFLP-Mitglieder Leila Khaled und Salim Isaawi entführen
ein Flugzeug, das von Rom eigentlich nach Israel fliegen sollte, ins
syrische Damaskus. Die syrischen Behörden halten zunächst sechs Israelis
fest, die letzten beiden werden erst im Dezember im Austausch gegen über 70
ägyptische und syrische Soldaten freigelassen.
September 1970: Leila Khaled schlägt gemeinsam mit anderen PFLP-Mitgliedern
erneut zu; mehrere Passagierflugzeuge werden in einer konzertierten Aktion
innerhalb kurzer Zeit angegriffen. Während drei Entführungen erfolgreich
sind, scheitert die einer El-Al-Maschine unter Beteiligung Khaleds. Ihr
Partner wird erschossen, sie zunächst verhaftet. Kurze Zeit später wird sie
gegen bei den anderen Entführungen genommene Geiseln eingetauscht und nach
Ägypten ausgeflogen.
Die beiden Entführungen sind Teil einer Reihe solcher Angriffe: Zwischen
1968 und 1972 begeht die PFLP mindestens acht versuchte oder vollzogene
Flugzeugentführungen.
## „Georges Abdallah is’ jetz’ frei“:
1982: Im Laufe des Jahres werden zwei Diplomaten – ein US-Amerikaner und
ein Israeli – in Frankreich erschossen. Zwei Jahre später wird Georges
Abdallah, gebürtiger Libanese und PFLP-Mitglied, verhaftet. In Abdallahs
Wohnung war die Tatwaffe gefunden worden, er wird schließlich als Komplize
bei der Ermordung der beiden verurteilt. 41 Jahre lang sitzt er in Haft,
bevor er 2025 entlassen und in den Libanon abgeschoben wird.
Die Liste der durch die PFLP begangenen Terrortaten ließe sich weiter
verlängern. Um die Erschießung des Tourismusministers Rehavam Ze’evi 2001
in Jerusalem. Um zwei Teenager, die 1969 durch eine Bombe in einem
Supermarkt ums Leben kamen. Um 28 Tote am Ben-Gurion-Flughafen, die der
PFLP-Terrorist Waddie Haddad 1972 zusammen mit Mitgliedern der japanischen
Terrororganisation „Japanische Rote Armee“ niederschoss. Um einen Angriff
mit Messern und Äxten auf eine Synagoge in Westjerusalem im Jahr 2014 mit
vier Toten.
Und letztlich um die Rolle der PFLP am 7. Oktober 2023. Hauptverantwortlich
war die Hamas für das Massaker an 1.200 und die Geiselnahme von 251
Menschen in Israel – doch weitere palästinensische Gruppen beteiligten
sich, darunter die PFLP. Sie hielt den [3][41-Jährigen Tal Haimi aus dem
Kibbutz Nir Yitzhak] in Gaza fest, erst im Oktober 2025 wurde sein Leichnam
zurück nach Israel gebracht und konnte bestattet werden.
Georges Abdallah nannte den 7. Oktober später eine „wichtige Operation“,
„hinsichtlich des Zeitpunkts und der Wirksamkeit sehr gut“. Leila Khaled
sprach ebenfalls von einer „historischen Operation“ und sagte, der 7.
Oktober „musste sein“. Auch das ist also „Leila-Khaled-Style“.
4 Sep 2026
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