# taz.de -- Sanktionen gegen Siedler: Deutschland schließt sich Einfuhrverbot israelischer Waren nicht an
> Zwölf europäische Länder kritisieren Siedlungsbau und Gewalt. Israel
> schließt britisches Generalkonsulat in Ostjerusalem. US-Botschafter warnt
> Großbritannien.
(IMG) Bild: Das britische Konsulat in Ostjerusalem, das Israel als Reaktion auf die Sanktionen Großbritanniens gegen israelische Siedlungen im Westjordanland schließen will
rtr | Der Streit um [1][die umstrittene israelische Siedlungspolitik im
palästinensischen Westjordanland] eskaliert. Nachdem Großbritannien,
Frankreich und Kanada am Dienstag ein Importverbot für Waren [2][aus
israelischen Siedlungen im Westjordanland] angekündigt hatten, erklärte die
israelische Regierung, sie werde das britische Konsulat in Ostjerusalem
schließen. Deutschland wiederum schloss sich dem Importverbot seiner
engsten Partner nicht an.
Der Streit mit der rechtsgerichteten israelischen Regierung spitzt sich
seit Monaten zu. Zum einen setzt die Regierung in Jerusalem ihren Ausbau
jüdischer Siedlungen im Westjordanland ungehindert fort – trotz Warnungen
auch aus Deutschland. Zum anderen hat die [3][Gewalt jüdischer Siedler
gegen die palästinensische Zivilbevölkerung] stark zugenommen. Israels
Armee wird vorgeworfen, die Angriffe zu decken.
Der britische Außenminister Ed Miliband erklärte im Unterhaus, sein Land
könne Ungerechtigkeit und Leid nicht länger lediglich anprangern. Man müsse
handeln, um der Ausweitung der Siedlungen und der Zerstörung einer
Zweistaatenlösung entgegenzuwirken. Die Vereinten Nationen und die
europäischen Regierungen betrachten die Besetzung des Westjordanlands
allesamt als völkerrechtswidrig.
„Das Westjordanland steht kurz vor der Explosion“, schrieb Frankreichs
Außenminister Jean-Noël Barrot auf der Plattform X. Auch er kritisierte
eine rasante Ausweitung der Siedlungen und ein Aufflammen der Gewalt gegen
Palästinenser durch extremistische Siedler. „Angesichts der Lage vor Ort
können wir nicht warten, also treffen wir diese nationale Entscheidung“,
sagte ein französischer Diplomat zu Reuters. Er nannte die Ausschreibung
etwa für das Siedlungsprojekt E1 eine „rote Linie“. Auch die
Bundesregierung hatte gewarnt, dass dieses Projekt in Ostjerusalem das
Westjordanland faktisch teilen und eine Zweistaatenlösung unmöglich machen
würde. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat dies aber
ausdrücklich als Ziel seiner Regierung genannt.
Mit dem Schritt schließen sich London und Paris anderen europäischen
Staaten an. Insgesamt erklärten die Außenminister von zwölf europäischen
Ländern, Handelsbeschränkungen zu unterstützen oder zu prüfen. Zu den
Unterzeichnern gehören Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, Island,
Kanada, Norwegen, Polen, Portugal, Schweden, Spanien und das Vereinigte
Königreich.
Deutschland war von dem Schritt offenbar nicht unterrichtet, weil es in der
EU ohnehin als Bremser härterer Sanktionen gegen Israel gilt. Sowohl
Kanzleramt als auch Außenministerium sind nur zu Sanktionen gegen
gewalttätige Siedler und in letzter Zeit auch gegen rechtsradikale
Mitglieder der israelischen Regierung bereit. Am Dienstagabend hieß es im
Auswärtigen Amt nur, dass man den Schritt der Partner „zur Kenntnis“
nehme. Auf Anfrage wurde darauf verwiesen, dass man sich an dem
EU-Israel-Assoziierungsabkommen orientiere, nach dem die EU
Handelspräferenzen nur für Produkte aus dem israelischen Staatsgebiet in
den Grenzen von 1967 vorsehe. Diese Regel müsse konsequent angewendet
werden. „Daneben sind keine weiteren Maßnahmen geplant“, hieß es.
## Israel reagiert empört
Die Ankündigung der Länder stieß in Israel auf scharfe Kritik.
Finanzminister Bezalel Smotrich forderte die Ausweisung des britischen
Botschafters in Tel Aviv und kündigte den Bau von 1.000 neuen Wohnungen
in zwei anderen Siedlungen im Westjordanland an. Auch Staatspräsident
Izchak Herzog warf Großbritannien vor, sich in die für Ende Oktober
geplanten israelischen Wahlen einzumischen.
Der israelische Außenminister Gideon Saar teilte zudem mit, dass
Großbritannien nicht mehr an einer von den USA geführten
Koordinierungsmission für den Gazastreifen teilnehmen dürfe. Einigen
britischen Politikern werde die Einreise nach Israel untersagt. Saar wies
zudem den Vorwurf des britischen Außenministers Miliband zurück, dass
Israel im Westjordanland eine ethnische Säuberung der Palästinenser
betreibe.
Die Beziehungen zwischen London und Jerusalem sind seit Jahren angespannt.
Großbritannien hatte 2025 einen palästinensischen Staat anerkannt, um eine
Zwei-Staaten-Lösung zu fördern. Im Juni verhängte die Regierung in London
zudem Sanktionen gegen Netzwerke, die an der Finanzierung von Gewalt im
Westjordanland beteiligt sind.
Auch der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, mischte sich in den
Streit ein und drohte Großbritannien. So warnte er vor möglichen
wirtschaftlichen Nachteilen für britische Unternehmen in einigen
US-Bundesstaaten.
9 Sep 2026
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